Nach den Feiertagen kommt der Weiterverkauf
Was tun mit ungeliebten Geschenken?
Die Tage nach Weihnachten haben sich in den vergangenen Jahren still verändert. Während früher Umtauschschlangen in Kaufhäusern und Geschäften dominierten, verlagert sich der Umgang mit ungeliebten Geschenken heute zunehmend in den digitalen Raum. Der eBay Recommerce Report 2025 sowie eine aktuelle Studie des ECC KÖLN in Zusammenarbeit mit eBay Deutschland zeigen: Weiterverkaufen, Weiterschenken oder Spenden gehört für viele Konsumentinnen und Konsumenten inzwischen ganz selbstverständlich zur Zeit nach den Feiertagen.
Nach Weihnachten steigt die Aktivität auf Online-Marktplätzen traditionell an. Geschenktes Geld wird für neue Käufe genutzt, gleichzeitig werden Produkte verkauft, die doppelt verschenkt wurden, nicht passen oder schlicht nicht gefallen. Neu ist jedoch weniger das Phänomen an sich, sondern seine Normalität: Recommerce ist für viele kein Ausnahmeverhalten mehr, sondern ein fester Bestandteil des Konsumalltags.

Junge Generationen treiben den Wandel
Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend bei jüngeren Konsument*innen. Laut der ECC-KÖLN-Studie verkaufen 55 Prozent der 18- bis 29-Jährigen aktiv aussortierte Produkte – deutlich mehr als im Gesamtdurchschnitt von 43 Prozent. Für viele ist die Zeit rund um Weihnachten bewusst gewählt: Sie nutzen die Gelegenheit, um Platz zu schaffen, ihr Budget aufzubessern und gleichzeitig nachhaltiger zu handeln.
Parallel dazu kaufen junge Menschen häufiger Pre-Loved-Produkte als noch im Vorjahr. Gebrauchte oder wiederaufbereitete Artikel sind für sie längst kein Kompromiss mehr, sondern eine bewusste Konsumentscheidung. Recommerce verbindet dabei mehrere Motive: finanzielle Flexibilität, Nachhaltigkeit und die einfache Möglichkeit, Dingen ein zweites Leben zu geben.
Zahlen, die den Alltag widerspiegeln
Der eBay Recommerce Report 2025 unterstreicht diese Entwicklung mit klaren Zahlen:
- 55 Prozent der Befragten haben bereits ein Weihnachtsgeschenk weiterverkauft oder weitergegeben.
- 20 Prozent spenden ungeliebte Geschenke, während nur 4 Prozent sie wegwerfen.
- 68 Prozent der Verkaufsbereiten rechnen mit einem Erlös zwischen 50 und 200 Euro, was einem durchschnittlichen Wiederverkaufswert von rund 100 Euro pro Person entspricht.
Gerade im Januar, einem Monat, der für viele Haushalte finanziell angespannt ist, kann dieser Betrag ein spürbares Polster darstellen.
Recommerce als neues Konsumritual
Was früher als Secondhand galt und eher Nischencharakter besaß, ist heute Teil einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Der Weiterverkauf wird nicht mehr als Verzicht wahrgenommen, sondern als pragmatische und vielleicht auch verantwortungsbewusste Option. Digitale Marktplätze und mobile Anwendungen senken die Hürden zusätzlich, sodass Recommerce auch für Menschen attraktiv wird, die sich früher nicht als Verkäufer gesehen hätten.
Dorit Spiller, Head of C2C Selling bei eBay Deutschland, bringt es auf den Punkt: Der Weiterverkauf ungeliebter Geschenke sei für viele längst selbstverständlich geworden – eine Kombination aus Nachhaltigkeit und finanzieller Entlastung, die gerade nach Weihnachten an Bedeutung gewinnt.
Ein Blick nach vorn
Die Zahlen aus Report und Studie zeigen weniger einen kurzfristigen Weihnachtseffekt als vielmehr einen strukturellen Wandel. Recommerce ist im Alltag angekommen – insbesondere bei jüngeren Generationen, aber zunehmend auch darüber hinaus. Nach den Feiertagen wird nicht nur bilanziert, was man bekommen hat, sondern auch, wie sinnvoll man damit umgeht. Und genau hier zeigt sich: Der bewusste Umgang mit Besitz beginnt oft erst nach dem Auspacken.
Was das für Uhren und Schmuck bedeutet
Auch im Luxus-Segment gewinnt Recommerce an Bedeutung und nach den Feiertagen vermutlich erst recht. Hochwertige Produkte eignen sich besonders für den Weiterverkauf: Sie sind langlebig, wertstabil und emotional aufgeladen – Eigenschaften, die sie prädestinieren, ein zweites Leben zu bekommen. Gerade Uhren, Goldschmuck oder Schmuckstücke mit Edelsteinen werden nach Weihnachten häufig neu bewertet: Passt der Stil wirklich? Wird das Stück getragen? Oder lässt sich daraus finanzieller Spielraum für eine andere Anschaffung schaffen?
Für Konsumentinnen und Konsumenten wird der Wiederverkauf damit Teil eines bewussteren Umgangs mit Luxus. Schmuck und Uhren verlieren ihren reinen Besitzcharakter und werden stärker als Werteobjekte verstanden, die zirkulieren können, ohne an Bedeutung einzubüßen. Gleichzeitig sinkt die Hemmschwelle, beim Neukauf höherwertige Produkte zu wählen, wenn klar ist, dass sie später wieder veräußert werden können.
Für den Markt insgesamt signalisiert diese Entwicklung einen kulturellen Wandel: Luxus wird nicht mehr ausschließlich über Neuheit definiert, sondern über Qualität, Beständigkeit und Werthaltigkeit. Recommerce stärkt damit genau jene Eigenschaften, auf denen die Schmuck- und Uhrenbranche traditionell aufbaut – und macht sie für eine neue, jüngere Zielgruppe relevanter.
Titelbild: INSIGHT LUXURY mit KI generiert
Die Datengrundlage des eBay Recommerce Report 2025 stammt aus zwei Online-Befragungen, die von Forsta Worldwide Ltd im Auftrag von eBay Inc. durchgeführt wurden. Die externe Befragung umfasste jeweils etwa 1.780 Konsument*innen pro Land, die in den Bereichen Kauf und Verkauf von Pre-Loved-Produkten (Recommerce) aktiv sind.
Die Umfrage wurde vom ECC KÖLN im Auftrag von eBay in Deutschland im Oktober 2025 durchgeführt. Dabei wurden 502 deutsche Konsument*innen zwischen 18 und 69 Jahren internetrepräsentativ nach Alter und Geschlecht sowie 102 deutsche Einzelhändler*innen über ein Onlinepanel befragt.






