Nivada Grenchen – Zwischen Archiv und Gegenwart
Kaum eine Marke verkörpert die aktuelle Renaissance historischer Sportuhren so konsequent wie Nivada Grenchen. Das Schweizer Unternehmen, gegründet in den 1920er-Jahren, hat sich in den vergangenen Jahren unter der Leitung von Guillaume Laidet neu positioniert – mit einem klaren Fokus auf authentische Re-Editionen, die nicht nur zitieren, sondern behutsam weiterentwickeln.
Titel: F77 MARK II mit Lapislazuli Ziffernblatt
F77 Mark II: Evolution statt Neuinterpretation
Ein Beispiel dafür ist die neue F77 Mark II, die auf einem Modell von 1977 basiert. Bereits die erste Neuauflage entwickelte sich zu einem unerwarteten Erfolg – nicht zuletzt, weil sie den Nerv einer wachsenden Community traf, die nach zugänglichen, charakterstarken Sportuhren sucht.


Mit der zweiten Generation reagiert Nivada nun gezielt auf dieses Feedback. Die Veränderungen bleiben subtil: leicht ausgeformte Bandanstöße verbessern den Tragekomfort, während gebohrte Hörner den Wechsel zwischen Stahl- und Kautschukband erleichtern. Der Durchmesser wächst moderat auf 38 Millimeter, ohne die Proportionen des Originals zu verändern.
Technisch bleibt die Uhr robust aufgestellt, mit verschraubter Krone, 100 Metern Wasserdichtigkeit und einem Automatikwerk von Soprod.
Auffällig ist vor allem die Erweiterung der Kollektion um Steinzifferblätter, die der Uhr eine neue visuelle Tiefe verleihen. Materialien wie Lapislazuli, Aventurin oder Meteorit bringen jeweils eine eigene Textur und Lichtwirkung ins Spiel – von tiefem Blau mit goldenen Einschlüssen bis hin zu metallisch schimmernden, fast kosmischen Strukturen.



Antarctic Glacier: Geschichte als Ausgangspunkt
Noch stärker im historischen Kontext verankert ist die Antarctic Glacier, die an die Antarctic-Modelle der 1950er- und 60er-Jahre anknüpft. Die ursprüngliche Antarctic wurde unter extremen Bedingungen getestet – unter anderem im Rahmen amerikanischer Antarktis-Expeditionen.


Für die Neuauflage griff Nivada auf originale Zifferblätter zurück, die in einer Restaurationswerkstatt nahe Grenchen entdeckt wurden. Diese dienten als Vorlage für das heutige Design, das mit aufgesetzten Indizes und klarer Struktur bewusst nah am historischen Vorbild bleibt.
Die Glacier gibt es in zwei Größen: 35 Millimeter mit Handaufzug und 38 Millimeter mit Automatikwerk. Beide Varianten bleiben in ihrer Ausrichtung bewusst zurückhaltend – funktional, klar und ohne übermäßige Inszenierung, dafür aber mit einigen Bandvarianten.



Zwischen Toolwatch und Sammlerstück
Was beide Modelle verbindet, ist ein Ansatz, der sich zunehmend in der Branche beobachten lässt: die Kombination aus historischer Substanz, moderner Alltagstauglichkeit und einem direkten Dialog mit Sammlern.
Nivada Grenchen bewegt sich damit zwischen klassischer Toolwatch und zeitgemäßem Sammlerstück – und zeigt, dass Weiterentwicklung nicht zwingend im Bruch mit der Vergangenheit liegen muss, sondern oft gerade in ihrer präzisen Fortführung.





