Insight-Talk: Mario Peserico (General Manager Eberhard & Co.)
Die Schweizer Uhrenmarke Eberhard & Co. steht für echte Kontinuität. Seit 1887 ununterbrochen aktiv, ist das Unternehmen heute wieder dort verankert, wo alles begann: im historischen Maison de l’Aigle in La Chaux-de-Fonds. Von hier aus steuert General Manager Mario Peserico die Geschicke einer Marke, die ihre Vergangenheit kennt – und gleichzeitig den Blick nach vorn richtet.

Auf der Inhorgenta 2026 spricht Mario Peserico von Eberhard & Co. über die Faszination klassischer Zeitmesser, den Wandel der Branche und die Herausforderungen einer zunehmend komplexen Welt.
Insight Luxury: Seit ich in der Uhrenbranche bin, wird die Armbanduhr immer wieder totgesagt – als das Smartphone aufkam, als die Smartwatch aufkam … Dennoch erleben klassische Uhren weiterhin große Nachfrage, auch bei jüngeren Menschen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Mario Peserico: Eine klassische Uhr wird nie wirklich altmodisch sein. Alles kommt irgendwann wieder, wie wir gerade bei den Größen und manchen Vintage-Gehäuseformen sehen. Daher würde ich nicht sagen, dass klassische Uhren gerade im Trend sind – und in zehn Jahren nicht mehr.
Das klingt ein wenig paradox: Klassische Armbanduhren zeigen den Verlauf der Zeit an, sind aber zugleich völlig zeitlos. Das macht Zeitmesser so reizvoll. Heute hat man jedoch – anders als noch vor wenigen Jahrzehnten – eine viel größere Auswahl hinsichtlich Designs und Größen und spricht damit eine sehr große Zielgruppe an.

Storytelling statt Statussymbol
IL: Wie sieht die Strategie von Eberhard & Co. aus, um die jüngere Generation für sich zu begeistern?
MP: Dabei geht es gar nicht so sehr um das Produkt Uhr, das man nicht wirklich benötigt. Storytelling ist der Schlüssel. Aber man muss die Geschichte authentisch erzählen – manche erzählen sie überzeugender als andere.
Uns fällt es leicht, da wir eine echte Historie haben: Wurzeln und eine ununterbrochene Tradition, die 1887 in der Uhrenregion La Chaux-de-Fonds begann. Hier befindet sich heute wieder unser Hauptsitz im historischen Maison de l’Aigle.


Ich denke, seit Covid konsumieren die Menschen viel bewusster und möchten genauer wissen, bei wem sie was kaufen. Das gilt insbesondere für die jüngere Generation, und das merken wir sehr deutlich. Noch vor zehn Jahren war der typische Käufer einer Uhr von Eberhard & Co. zwischen 40 und 70 Jahre alt. Heute interessieren sich zunehmend auch 35-Jährige für uns.

Branche im Umbruch
IL: Welches sind Ihrer Meinung nach weitere aktuelle Herausforderungen für die Uhrenbranche?
MP: Zum einen ist da natürlich das aktuelle geopolitische Umfeld, das für uns alle eine große Herausforderung darstellt. Wie kann es sein, dass wir uns nach so vielen Jahrzehnten wieder in einer Welt voller Unsicherheit und Konflikte befinden?
Bezüglich der Schweizer Uhrenindustrie sind wir uns gerade in einer Phase, in der sich entscheiden wird, ob es eine Marktbereinigung in den unteren und mittleren Preissegmenten geben wird. Ich hoffe nicht. Denn meiner Meinung nach kann die Schweizer Uhrenindustrie nicht ausschließlich im High-End-Bereich angesiedelt sein – das wird langfristig nicht funktionieren. Die Produktionsmengen sollten nicht weiter sinken.
IL: Wie positioniert sich Eberhard & Co. in dieser Situation?
MP: Wir analysieren den Markt, die Nachfrage und das Konsumentenverhalten sehr genau und können uns als unabhängiges Unternehmen schnell an sich verändernde Anforderungen anpassen – auch im Hinblick auf das Preissegment.


Ehrliche Handwerkskunst
IL: Sprechen wir über die schönen Seiten der Uhrmacherei – die Handwerkskunst, ein zentrales Thema hier auf der Inhorgenta. Wie viel Handwerkskunst hat Eberhard & Co. zu bieten?
MP: Sehr viel. Aber wir sind auch transparent und behaupten nicht, dass unsere Uhrwerke zu 100 Prozent Manufakturkaliber sind. Der Begriff wird leider nicht immer korrekt verwendet.
Wir sind ein vergleichsweise kleines Unternehmen und haben unseren Weg gefunden, anspruchsvolle und für uns exklusiv modifizierte beziehungsweise konstruierte Kaliber anbieten zu können. Dafür arbeiten wir mit Top-Lieferanten zusammen, wie beispielsweise Manufacture AMT von Sellita für kundenspezifische und hochwertige Uhrwerke.
Viele Kunden denken, dass nur ein im eigenen Haus gefertigtes Uhrwerk höchste Qualitätsansprüche erfüllen kann. Das ist nicht zwingend der Fall. Entscheidend sind das Niveau, das Know-how der beteiligten Menschen sowie die Qualität der Maschinen und Werkzeuge, die letztlich die Exzellenz bestimmen. Und all das bietet Sellita in höchster Qualität und Zuverlässigkeit.
Auch bei Zifferblättern und Gehäusen setzen wir auf externe Spezialisten. Idee und Konstruktion stammen jedoch immer von uns. Und für unser 140. Jubiläumsjahr 2027 haben wir einiges geplant.



Clous de Paris: Diese Miniatur-Architektur auf dem Zifferblatt zeigt Eberhard & Co. aktuell bei der „1887 Remontage Manuel“, der „Chronographe 1887 Automatique“ und der „Chrono 4 21-42“.





