50 Jahre IWC Ingenieur SL: Gérald Gentas Entwurf lebt weiter
Vor 50 Jahren stellte IWC die Ingenieur SL, Referenz 1832, vor. Gérald Genta hatte aus der technisch geprägten Ingenieur einen eigenständigen Entwurf mit integrierter Gehäuse- und Bandgestaltung gemacht. 1976 war Edelstahl als Material für eine Luxusuhr noch längst nicht so selbstverständlich wie heute. Gentas Gestaltung gehört inzwischen zu den prägenden Entwürfen seiner Zeit.
Titelbild: Evelyne und Alexia Genta vor den Entwürfen der Ingenieur – Bild: IWC
Zum Jubiläum erinnert IWC nicht nur mit zwei limitierten Modellen an die Referenz 1832. Die Manufaktur hat zugleich ein ausführliches Interview mit Evelyne und Alexia Genta, Ehefrau und Tochter des Designers und Gründerinnen der Gérald Genta Heritage Association, veröffentlicht. Darin sprechen beide über Gentas Arbeitsweise, seine Vorstellung von Gestaltung und die Entstehung jener Formensprache, die die Ingenieur bis heute prägt. Die beiden Jubiläumsmodelle greifen zugleich eine seltene historische Zifferblattvariante aus den 1970er-Jahren auf.
Eine Ingenieur aus einem Guss
Für Gérald Genta war die Ingenieur offenbar weniger eine Uhr aus einzelnen Komponenten als ein zusammenhängendes Objekt. Evelyne und Alexia Genta beschreiben im Interview, wie wichtig ihm die durchgehende Linie von Gehäuse, Band und Schließe war. Das vollständig integrierte Edelstahlband war deshalb kein nachträgliches Detail, sondern ein zentraler Bestandteil des Entwurfs.
Diese Idee ist bis heute in der Ingenieur erkennbar. Genta hatte die ursprünglich als technische, antimagnetische Instrumentenuhr entwickelte Linie in den 1970er-Jahren formal neu gefasst. Die markante Lünette, das integrierte Band und die klare Gehäusearchitektur der Referenz 1832 bestimmen auch die aktuelle Generation.

Evelyne Genta beschreibt ihren Mann im Interview nicht in erster Linie als Uhrendesigner, sondern als Künstler, der in der Uhrmacherei sein Medium gefunden habe. Schönheit, Harmonie und Proportionen hätten ihn weit über seine Arbeit hinaus beschäftigt. Genau diese Sichtweise hilft, die Ingenieur SL zu verstehen: Nicht ein einzelnes Detail macht den Entwurf aus, sondern das Zusammenspiel der gesamten Form.
Vom Original zur neuen Ingenieur
Als IWC die Ingenieur 2023 neu auflegte, wurden Evelyne und Alexia Genta bereits früh in die Entwicklung einbezogen. IWC zeigte ihnen Prototypen der Ingenieur Automatic 40, bevor die Kollektion bei Watches and Wonders Geneva vorgestellt wurde.
Auch 2026 begleiten beide die Weiterentwicklung der Linie. Inzwischen wurde die Ingenieur-Familie um mehrere Modelle erweitert, darunter erstmals auch eine Ausführung mit Tourbillon.
Evelyne Genta sieht in der aktuellen Kollektion die Grundidee ihres Mannes bewahrt. Die Ingenieur habe ursprünglich als technische Uhr begonnen, sei durch Gérald Gentas Blick aber zu einem gestalterischen Objekt geworden. Dass die wesentlichen Elemente des ursprünglichen Designs auch 50 Jahre später noch erkennbar sind, betrachtet sie als Bestätigung seiner damaligen Idee.
Zwei Jubiläumsmodelle mit historischem Vorbild
Für das 50. Jubiläum legt IWC zwei limitierte Versionen auf: die Ingenieur Automatic 40 50th Anniversary und die Ingenieur Automatic 35 50th Anniversary. Beide sind auf jeweils 1.150 Exemplare begrenzt.
Gemeinsam ist ihnen ein argentéfarbenes Zifferblatt mit vertikaler Bürstung. Vorbild ist eine seltene Ausführung der Ingenieur SL aus den 1970er-Jahren. Rhodinierte Zeiger und applizierte Indizes tragen Super-LumiNova. Eine kleine Änderung verweist unmittelbar auf das Jubiläum: Unter dem Schriftzug „Ingenieur“ steht bei diesen Modellen nicht das bekannte Blitzsymbol, sondern die Zahl 50.
Ingenieur Automatic 40: 120 Stunden Gangreserve
Die Ingenieur Automatic 40 50th Anniversary, Referenz IW328910, besitzt ein 40 Millimeter großes und 10,8 Millimeter hohes Edelstahlgehäuse. Das integrierte Edelstahlband setzt den Wechsel aus satinierten und polierten Flächen fort.

Im Inneren arbeitet das Manufakturkaliber 32111 mit vier Hertz und einer Gangreserve von 120 Stunden. Ein Weicheisen-Innengehäuse schützt das Werk vor Magnetfeldern. Die Wasserdichtigkeit beträgt zehn bar.
Ingenieur Automatic 35: kleiner und mit Sichtboden
Die Ingenieur Automatic 35 50th Anniversary, Referenz IW324909, überträgt das Jubiläumsdesign auf ein 35 Millimeter großes Gehäuse. Mit 9,4 Millimetern fällt die Uhr zudem flacher aus.

Anders als die 40-Millimeter-Version besitzt sie einen Saphirglasboden. Dadurch bleibt das automatische Kaliber 47110 sichtbar. Es arbeitet ebenfalls mit vier Hertz und bietet eine Gangreserve von 42 Stunden. Auch dieses Modell ist bis zehn bar wasserdicht.

50 Jahre später noch immer erkennbar
Die beiden limitierten Modelle sind vor allem deshalb interessant, weil sie das Jubiläum nicht mit einer völlig neuen Interpretation feiern. Stattdessen rückt IWC einen historischen Entwurf wieder stärker in den Mittelpunkt.

Das argentéfarbene Zifferblatt verweist auf eine seltene Variante der frühen Ingenieur SL, während Gehäuse und Band die Grundidee Gentas weiterführen. Ergänzt durch das Interview mit Evelyne und Alexia Genta entsteht so ein Jubiläum, das weniger auf Nostalgie setzt als auf die Kontinuität eines Entwurfs.
50 Jahre nach der Referenz 1832 ist die Ingenieur noch immer sofort als das zu erkennen, was Gérald Genta damals angelegt hat: eine Uhr, bei der Gehäuse, Lünette und Band als ein zusammenhängendes Objekt gedacht sind.
Genta hatte die Ingenieur in den 1970er-Jahren von einer klassischen, antimagnetischen Instrumentenuhr in einen sportlich-technischen Entwurf mit integriertem Band überführt. Die Referenz 1832 wurde zwischen 1976 und 1983 lediglich 598-mal gefertigt. Die heutige Generation greift ihre Grundidee auf, verbindet sie jedoch mit moderner Ergonomie, aufwendig bearbeiteten Oberflächen und zeitgemäßen Werken.






