Kering Accademia per le Eccellenze: Ausbildung wird zur Standortfrage

Kering hat in Mailand das erste akademische Jahr seiner Accademia per le Eccellenze eröffnet. Mehr als 1.500 Studierende, über 40 Bildungswege und sieben Partnerschulen machen aus der Initiative mehr als ein einzelnes Ausbildungsprojekt. Für die Luxusindustrie ist sie zugleich eine Antwort auf den wachsenden Fachkräftebedarf in Handwerk und Produktion.

Titelbild: Kering

Vom Projekt zur Ausbildungsplattform

Fünf Monate nach der Vorstellung im Gucci Archive in Florenz geht die Accademia in den operativen Betrieb. Eröffnet wurde das Studienjahr 2026/2027 im MIND Milano Innovation District. Kering-CEO Luca de Meo und Sabina Belli, Präsidentin von Kering Italia und Verantwortliche der Accademia, stellten dort gemeinsam mit Studierenden, Konzernmarken und Bildungspartnern das Programm vor.

Die Größenordnung ist für eine unternehmensgetragene Ausbildungsinitiative beachtlich. Mehr als 1.500 Teilnehmer verteilen sich auf über 40 Programme. Sieben Partnerschulen in sechs italienischen Regionen sind eingebunden: ACOF, AFOL, Galdus, HModa Academy, ITS Cosmo, Istituto Modartech und MITA. Über 400 Meister, Fachkräfte und Branchenexperten wirken an der Ausbildung mit.

62.000 Ausbildungsstunden und 22.400 Stunden Praxis

Insgesamt umfasst das Angebot rund 62.000 Unterrichtsstunden und mehr als 22.400 Praktikumsstunden. Diese Verbindung von Theorie und betrieblicher Praxis ist für die Luxusbranche entscheidend. Viele Fertigkeiten lassen sich nicht allein im Unterricht vermitteln, sondern entstehen erst durch wiederholte Arbeit an Materialien, Werkzeugen und realen Produktionsabläufen.

Beteiligt sind unter anderem Bottega Veneta, Brioni, Gucci, Pomellato und Kering Eyewear. Inhaltlich reicht das Spektrum von Bekleidung und Herrenschneiderei über Lederverarbeitung bis zur Schmuckfertigung. Hinzu kommen Module zu Technologie, künstlicher Intelligenz, neuen Materialien und Nachhaltigkeit.

Handwerk wird zum strategischen Thema

Die Initiative reagiert auf ein Problem, das für Luxusunternehmen zunehmend geschäftskritisch wird: Die Nachfrage nach hochwertigen, handwerklich gefertigten Produkten bleibt hoch, während erfahrene Fachkräfte ausscheiden und Nachwuchs in vielen Berufen fehlt. Ohne systematische Ausbildung können Kapazitäten, Qualität und Reparaturkompetenz langfristig nicht gesichert werden.

Kering bündelt deshalb Programme, die zuvor vor allem in den einzelnen Häusern organisiert waren. Die gemeinsame Plattform schafft größere Reichweite und erleichtert den Austausch zwischen Marken, Schulen und Regionen. Gleichzeitig bleiben die jeweiligen Spezialisierungen der Maison erhalten.

Die Auftaktveranstaltung ordnete das Programm in drei Themenblöcke. „Il Sogno“ widmete sich dem Schmuckhandwerk der Pomellato Virtuosi Jewelry Academy. „L’Eredità“ stellte Archive und die Bewahrung textiler Kompetenz in den Mittelpunkt. „I Materiali“ behandelte Leder, Garne und die traditionelle Bearbeitung des Bambus für die Gucci Bamboo 1947.

Ausbildung zwischen Tradition und Transformation

Gerade die Kombination traditioneller Techniken mit digitalen Werkzeugen und Materialforschung macht den wirtschaftlichen Kern der Accademia aus. Das Ziel besteht nicht darin, historische Arbeitsweisen unverändert zu konservieren. Die Absolventen sollen das vorhandene Wissen beherrschen und zugleich auf veränderte Produktions-, Nachhaltigkeits- und Designanforderungen übertragen können.

Für Kering wird Ausbildung damit zu einem Teil der industriellen Infrastruktur. Die Accademia soll Berufe sichtbarer machen, Nachwuchs gewinnen und jene Kompetenzen sichern, auf denen ein erheblicher Teil der Wertschöpfung italienischer Luxusmarken beruht.

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