Schmuck in Stretch: Die neue Bequemlichkeit

Mir ist ein Schmucktrend aufgefallen, dem ich heute eine Kolumne widmen will: Alles wird „stretchy“. Immer mehr Schmuckhersteller produzieren dehnbare Schmuckstücke, vor allem Ringe und Armbänder kommen dafür sehr gut infrage. Das sorgt für höheren Tragekomfort und zeigt das technische Know-How der Hersteller. Spannend ist aber für mich, dass ich glaube, die neue Bequemlichkeit ist einfach endlich im Schmuck angekommen.

Links: Stretchy Tennisarmband von Bucherer Fine Jewellery – Beispiel für einen Trend zur Bequemlichkeit. © Bucherer

Trend zur bequemen Mode

Wir erinnern uns: In den 2010er-Jahren begannen die großen CEOs der Welt auf einmal damit, Sneaker zu tragen. Vorbei die Zeit des steifen Business-Looks – die oft leuchtend weißen Turnschuhe wurden zum Symbol von Lässigkeit und Coolness – sicherlich auch eine Strategie, um „relatable“ zu sein. Die Fans von Tim Cook, Jeff Bezos und Mark Zuckerberg sollten das Gefühl bekommen – der ist ja doch ein bisschen wie ich: nahbar, ein Kumpeltyp, keine entrückte Elite.

Casual in der Business-Welt: Weiße Sneaker wurden zum lässigen Schuh der CEOS. © M Brauer/ Unsplash.com

Business Casual war angesagt. Seitdem haben wir uns modisch nur noch immer lockerer gemacht. Eng anliegende Kleidung wich weiten, oft eher formlosen Schnitten, Hoodies und weite Hosen wurden dominierten das Bild. Karl Lagerfeld, berühmt für seinen Spruch „Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, würde sich beim Anblick der heutigen Jugend im Grab umdrehen.

Casual und bequem: Die Alltagsmode wurde in den letzten Jahren im sportlicher und lockerer. © Adele Shafiee/ Unsplash.com
Turnschuhe, weite Hosen und weite Oberteile bestimmen viele Looks, vor allem bei jüngeren Menschen. © Navid Sorahbi/ Unspash.com

Woher kommt die neue Bequemlichkeit? Es gibt wohl mehrere Ursachen. Zuerst hat jeder Trend einen Gegentrend – und Trainingshose, Turnschuhe und Hoodie sind der perfekte Gegensatz zum hochpolierten, teils stark sexualisierten Social-Media-Content à la Kim Kardashian, wo keine Kurve versteckt und kein Zentimeter der Haut ungeschminkt bleibt. Der Druck, es den Influencern gleichzutun, betrifft zwar nicht nur Frauen, aber Studien belegen, dass der Einfluss hier besonders stark ist.

Bucherer Fine Jewellery „Stretchy“ Tennisarmbänder mit Diamanten und Saphiren. © Bucherer

Mode, die sich dem Mensch anpasst

Ein guter Anteil “casualness” ist uns auch aus der Zeit der Lockdowns übrig geblieben, denn wenn es keine Freunde, Business-Meetings oder Partys zu besuchen gibt – für wen sollte man sich dann schick machen? Die Pandemie ist vorbei, die Liebe zur Jogginghose – sorry, Karl – ist geblieben. Überhaupt muss man sich nur in Kleidergeschäften umsehen, um den Trend zu begreifen: Wann hat jemand zuletzt mal eine richtige, ordentliche Jeans gesehen? Ehrlich! Es gibt nur noch Jeggins – eine Mischung aus Jeans und Leggings – und wissen Sie, was in den Jeansstoff eingewebt ist: Stretch! Das ist bequem, passt sich dem Körper an und sorgt für mehr Komfort im Alltag. Wer würde dazu nein sagen?

Das sind auch schon die Gemeinsamkeiten, die uns endlich bei den stretchy Schmuckstücken bringen. In der Schmuckwelt heißt, es, der Schmuck soll sich dem Träger oder der Trägerin anpassen – nicht umgekehrt. Etwas offensichtlich anpassungsfähiger als dehnbare Armbänder oder Ringe gibt es kaum. Immer mehr Hersteller produzieren die stretchy Schmuckstücke. Sie kommen ohne Verschluss aus, sind leicht an- und abzulegen und passen sich als Ringe auch dem saisonal bedingten an- und abschwellen der Finger an, mit dem viele Menschen zu kämpfen haben. Das Konzept punktet also aus der gesamten Linie und ist deswegen auch absolut nachahmungswürdig. Bucherer, Capolavoro, Bigli, Al Coro… das sind nur ein paar Marken, die mir einfallen, über deren stretchy Produkte ich erst kürzlich geschrieben habe. 

Capolavoro Armbänder "Capricio" mit blauen Topasen.
Capolavoro Flexy-Armbänder „Capricio“ aus Roségold mit blauen Topasen. © Capolavoro

Wer damit wirklich angefangen hat, das sei dahingestellt. Fakt ist: Das Angebot ist groß – und gleichzeitig hochwertig. Denn: casual kann auch schön und elegant sein, aus 18 Karat Gold, Farbedelsteinen und Diamanten.

 Ich gebe zu, dass in dieser Hinsicht der Vergleich mit der Textilmode ein wenig hinkt. Anlässe für Abendgarderobe gibt es ja schließlich noch. Dann wird die Trainingshose sicherlich auch gegen ein Abendkleid eingetauscht – das stretchy Tennisarmband hingegen muss nicht abgelegt werden. Doch der Wunsch nach Komfort, nach Unkompliziertheit und Alltagstauglichkeit bleibt – und ich bin sicher, dass diese Entwicklung weitergehen wird.

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