Sprung in neue Märkte: Die CHRIST-Marke JETTE wird international – ein Interview mit Designerin Jette Joop

Während unseres Besuchs auf der Vicenzaoro fand auch ein Gespräch mit Designerin Jette Joop statt, die ihre Marke JETTE bei der Juwelierkette CHRIST vertreibt. Unter dem Dach der Morellato wird JETTE nun ganz neue Märkte erobern. Im Interview spricht Jette Joop mit uns über Design, ihre Erwartungen an die Internationalisierung, die Bekanntheit ihres und verrät, welchen Stil sie als Privatperson am liebsten verfolgt.
INSIGHT LUXURY: Frau Joop, war Ihnen bewusst, dass JETTE als Marke durch die Übernahme von CHRIST durch Morellato automatisch internationalisiert wird?

JETTE JOOP: Nicht automatisch, sondern es ist am Ende auch der Vision und der Auffassung von Massimo Carraro zu verdanken, weil er sich überlegt hat, dass das passen könnte. Es war ja auch seine Aufgabe zu entscheiden, auf welchem Markt er sich weiterentwickelt, um das Ganze internationaler zu machen. 

Ich bin ihm auch sehr dankbar, dass er diese Entscheidung getroffen hat. Wir haben ein, zwei Gespräche miteinander geführt und das hat mir die gute Richtung, in die es gehen wird, bestätigt. Denn es gibt ja auch Übernahmen, die nicht durch einen Familienbetrieb geschehen, sondern in Form eines reinen Fonts und dann kann es schwer sein, mit eigenen Vorstellungen oder Anregungen gehört zu werden. 

IL: Der Name Joop und auch Jette Joop hat in Deutschland ja eine Historie und Strahlkraft. Haben Sie Einblicke, wie das Label im Ausland wahrgenommen wird?

JJ: Ich habe ja bewusst meinen Vornamen, Jette, für die Marke gewählt. Und es ist ja so, dass JETTE als Marke völlig unabhängig von anderen Labels existiert, aber im Ausland ist „Jette“ vielleicht nur ein schön klingendes Wort. Es ist eine ganz eigene Welt, die sich da auftut und für den einen oder anderen ist dann diese Verbindung nicht herstellbar, nur wenn man sich wirklich interessiert und informiert.

Interessanterweise weiß ich, dass es Märkte gibt, die an der Jette-Story super interessiert sind: zum Beispiel Ungarn und einige andere Länder, wo man das gar nicht vermuten würde. Und in Amerika gibt es natürlich einen gewissen Bekanntheitsgrad …

Aber sonst ist das Ganze komplettes Neuland und das finde ich wahnsinnig spannend!. Es gibt ja immer zwei Gründe, warum eine Marke gut funktioniert: Das eine ist ganz einfach das Design selbst …

Vergoldete Creolen mit Pavé aus weißen Zirkonia.
IL: … das heißt, dadurch haben Sie die Chance, das Design für sich sprechen zu lassen, weil die Historie in anderen Märkten nicht bekannt ist.

JJ: Genau! Und das Design ist auch sehr gut ausgearbeitet und auch in der Qualität von der Produktion sehr gut umgesetzt. Ich bin sehr glücklich damit. Die Schmuckstücke sind sehr gut gemacht, auch die Qualität der Fassungen für die Steine hat eine sehr, sehr hohe Qualität – fast wie bei Diamanten. 

Ich bin sehr gespannt zu sehen, was in den neuen Märkten passiert, die die Marke und die Familiengeschichte nicht kennen. JETTE ist glamourös, sie ist feminin, es ist ein interessanter Mix an Stilen und Materialien und ich glaube, auch für die Händler, die JETTE noch nicht kennen, passt die Kollektion sehr gut in das bestehende Sortiment von Morellato, das schon bekannt ist. Die eine Kollektion ist aus Sterling-Silber mit Vergoldung und die andere Kollektion ist aus Stahl und ein bisschen männlicher in manchen Aspekten, also eine tolle Mischung, um sich gut zu positionieren.

IL: Sie haben ja recht früh mit dem Schmuck angefangen, aber in Ihrer Karriere quer durch die Bank schon die verschiedensten Dinge designt. Welchen Stellenwert nimmt Schmuckdesign für Sie ein?

JJ: Schmuckdesign ist einfach mein Ding. Es ist mein Herz, meine Leidenschaft und das, was mich immer getrieben hat. Ich habe ja Automotive Design studiert, ich habe einen Bachelor of Science und ein bisschen sowas wie ein Nerd, wenn es um Autos geht. Und es gibt einen Teil von mir, der manchmal einfach nur die Welt erkunden will. Ich mache Schmuck, Schmuck, Schmuck und auf einmal sagt mir mein Hirn: Du bist Industrie-Designerin, du hast einen Bachelor of Science, kannst du nicht mal was erfinden?

Schmuck ist wunderschön und dekorativ, aber mit neuen Erfindungen kann es eben nur bis zu einem gewissen Punkt gehen. Und die Industrie-Designerin in mir braucht manchmal ein Outlet. Manchmal habe ich Ideen für etwas, das gebraucht wird, oder für etwas, das ich persönlich brauche, und setze mich einfach daran.

IL: Sie haben Erfahrungen in Automotive, haben Schuhe, Bettwäsche, ein Radio. Mit Ihren Studenten haben Sie sogar ein Zelt designt. Wie stark sind die Überschneidungen zwischen Schmuck und den anderen Designbereichen, in denen Sie bereits tätig waren?

Statt einer direkten Erklärung zeigt Jette einen Ring aus der neuen Kollektion, der aus zwei silbernen Ringschienen besteht, die im unteren Teil miteinander verschmelzen, im oberen, getrennten Teil des Rings windet sich ein Band wie eine Schlaufe um das andere.

Schmuckdesigns mit Schlaufe: Herzanhänger mit Zirkonia und Ring mit verschlungener Ringschiene. © Insight Luxury

JJ: Schauen Sie sich diesen Ring an: In diesen Details stecken viele Gedanken und die Frage, wie etwas ineinander passt. Um bei dem Beispiel von dem Zelt zu bleiben, das meine Studenten entworfen haben: Um das Zelt an die Zeltstange zu binden, überlegt man sich Schlaufen. Wenn wir zurück zum Schmuck gehen, kommen wir irgendwann wieder bei einer Schlaufe an. Es gibt immer Elemente in einem Bereich, die auch in einem anderen funktionieren und für die ein übergreifendes Design existiert.

Man schaut sich den Schmuck an, denkt sich, das ist total neu, aber eigentlich existiert das Design schon irgendwo in einem anderen Kontext.

Was ich mit meinem Schmuck erreichen möchte, ist eine Mischung aus Innovation und Zugänglichkeit – und es ist gar nicht so leicht, beides miteinander zu kombinieren.

IL: Wie würden Sie Ihren eigenen Stil beschreiben?

JJ: Privat bin ich eher der sportive Typ. Wenn ich mit meinen Hunden im Wald spazieren gehe, trage ich nur meine Lieblingsstücke – wenige, aber ausgesuchte persönliche Talismane aus meinen Kollektionen. Da ich mein Leben mit Ästhetik und Design verbringe, ist für mich eine Pause in der Natur besonders wichtig. Dort darf es dann auch mal ganz unkompliziert sein.

IL: Frau Joop, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Suchbegriff eingeben und Enter drücken