Mein Uhren-Monat Oktober: Eine neue Zeit für die Branche!?
Bei der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit am 26. Oktober hat das mit der neuen Zeit schon mal geklappt. Auch wenn die meisten gerne darauf verzichten würden.
Viele empfinden die Auswirkungen der „neuen Zeit“ eher als negativ, bis nach ein paar Tagen das Ganze schon wieder vergessen ist. Bis zur nächsten Umstellung im März kommenden Jahres.
In der Uhrenbranche macht das Narrativ einer neuen Zeit zunehmend und hartnäckig von sich reden. Nicht wenige sind der Auffassung, dass die unbeschwerten Zeiten der Branche langsam, aber sicher vorbei sind. Das bedeutet nicht, dass alles schlecht ist und der Niedergang bevorsteht. Ganz und gar nicht. Aber ein wenig mehr anstrengen muss man sich schon, um den Interessenten zu einem geneigten Käufer zu machen.
Ein Gradmesser ist nach wie vor die Exportstatistik der Schweizer Uhrenindustrie. Diese wird noch immer durch die unstete Zollpolitik der USA mächtig durcheinandergewirbelt.
Achterbahnfahrt der Uhr-Gefühle
Nach einem Anstieg der Ausfuhren in die USA in Höhe von 150 Prozent im April als Konsequenz auf die Ankündigung der Trump’schen Strafzölle folgten zwei stark rückläufige Monate (Mai -25,3 %, Juni -17,6 %). Im Juli verzeichnete die Schweizer Uhrenindustrie dann ein Plus von 45 Prozent. Erneut war Lagerauffüllen also angesagt, nachdem die USA festgelegt hatten, dass auf Schweizer Exporte ab dem 7. August 39 Prozent fällig werden würden. Bereits im August gingen die Exporte dann wieder, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, deutlich zurück (-23,9 %).
Der September stellte nun mit einem Minus von 55,6 Prozent den bisherigen Tiefpunkt hinsichtlich der Schweizer Uhren-Exporte in die USA dar. Dieser deutliche Rückgang machte die sonst gar nicht mal so schlechte Bilanz zunichte. Klammert man die USA aus, hätte der September mit einem Plus von 7,8 Prozent zu Buche geschlagen.
Branchenkenner und Inhaber von LuxeConsult, Oliver Müller, stellt jedoch mit Blick auf die vollen Läger in den USA fest, dass die Zahlen des Verbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie FH nur den Verkauf an die Händler zeigen, nicht aber den Abverkauf an den Konsumenten. Und das ist am Ende entscheidend.
Sollte das Zollniveau nicht sinken, obwohl das „weiterhin ein frommer Wunsch auf Schweizer Seite“ ist, so Müller gegenüber der Schweizer Handelszeitung, dann werden auch solche Marken die Preise erhöhen, die das bislang noch vermieden haben.
Ob der Kunde das mitmacht, ist fraglich. Und auch wenn die „Preissensibilität im unteren Preisbereich viel ausgeprägter“ ist, so Müller, „ungeschoren kommt niemand davon, wenn er seine Preise plötzlich um mehr als zehn Prozent nach oben anpassen muss.“
Ist die Zeit reif für weniger Gewinn?

Wie wäre es mit einer neuen Zeit, in der die Margen der Hersteller schrumpfen? Zumindest temporär, bis sich das Zoll-Hoch wieder auf einem normalen Niveau eingependelt hat.
Mit Blick auf die Zukunft und die Kundentreue wäre dies eine Option. Auch im Luxusbereich. Denn selbst hier nimmt seit einiger Zeit die Preissensibilität zu.
Weniger, weil man sich die – auch ohne Zoll-Chaos – immer häufigeren Preiserhöhungen nicht leisten kann, sondern eher, weil man es sich nicht leisten will.
Vorbild könnte François-Henry Bennahmias sein. Der ehemalige Audemars-Piguet-Chef wird zum „ehrenwerten Kaufmann“.
Mit seiner gerade gegründeten Honourable Merchants Group hat er sich hehre Ziele gesetzt:
„Im Gegensatz zu traditionellen Branchengruppen basiert die THMG auf dem Grundsatz, dass Gewinn und Zweck im Einklang stehen müssen. Jede Marke im Portfolio verpflichtet sich zu Innovation, Exzellenz und ethischen Geschäftspraktiken und stellt sicher, dass Wachstum nicht nur an der finanziellen Leistung, sondern auch an der kulturellen und menschlichen Wirkung gemessen wird.“
Man wird sehen, wie erfolgreich er als ehrenwerter Kaufmann sein wird.
Und was macht Deutschland?
Auch ohne Zoll-Kapriolen ist hier das Hoffen auf bessere Zeiten angesagt. Die Uhren-Importe und -Exporte deutscher Hersteller bekamen in diesem August das Sommerloch zu spüren. Die Ausfuhren von Uhren und Uhrenteilen lagen mit einem Volumen von 137 Millionen € gut 28 Prozent unter dem Vormonat. Auch im Vergleich mit dem Vorjahresmonat, August 2024, schnitten die Exporte mit einem Minus von sieben Prozent ab. Das belegen die im Oktober bekanntgegebenen Zahlen des Bundesverbandes Schmuck, Uhren und verwandte Silberwaren (BVSU).
Mitten in das Sommerloch platzte dann auch noch die Nachricht über die große Rolex-Kündigungswelle bei deutschen Konzessionären. Von insgesamt 40 PoS ist die Rede, die bis zum Ende dieses Jahres ihre Lizenz verlieren sollen. Rolex äußert sich dazu erwartungsgemäß nicht und bestätigte lediglich die Beendigung der Zusammenarbeit mit Juwelier Rüschenbeck zum Ende nächsten Jahres.
Man kann aber davon ausgehen, dass für weitere Rolex-Händler ebenfalls neue Zeiten anbrechen werden. Ohne die Krone als sicheren Umsatzbringer.
Die gute Nachricht: Die Gen Z nimmt sich Zeit
Und zwar fürs Handgelenk. Dieses schmücken die zwischen 1997 und 2012 Geborenen mit ungebrochener Lust auf Uhren. Obwohl Smartphones und sonstige permanent sichtbare Anzeigen diese eigentlich überflüssig gemacht haben. Aber vielleicht mag diese junge Generation, der viel nachgesagt wird, gerade deswegen die „altmodische“, analoge Form der Zeitanzeige so gern. Weil sie Beständigkeit und nachvollziehbare Zuverlässigkeit ausstrahlt und weniger unter Druck zu setzen scheint als digitale Superpräzision.
Das Interesse der Gen Z an Uhren ist immerhin so groß, dass sie damit – sicher auch den verfügbaren Budgets geschuldet – vor allem dem Pre-owned-Uhrenmarkt ihren Stempel aufdrückt und dabei derzeit Dresswatches in den Fokus rückt. Dies zeigt eine aktuelle Chrono24-Fratello-Studie.
Pre-owned im Aufwind: Deutsche mögen Uhren aus vergangenen Zeiten
Eine andere aktuelle Studie zu den Vorlieben in Deutschland, hat das Auktions- und Handelshaus Eppli durchgeführt. Das Ergebnis: Auch die gut betuchten Entscheidungsträgerinnen und -träger hierzulande stehen auf Luxus aus zweiter Hand. Uhren sind dabei besonders beliebt.
Mein Fazit
Die Uhrenwelt ist so spannend wie lange nicht mehr. Damit einher geht eine gewisse Unberechenbarkeit der Märkte und der Vorlieben der Konsumenten. Das mag negativ klingen, und ist es für viele Marken sicher auch, welche sich nicht im Top-Level tummeln und/oder eine große Gruppe im Rücken haben.
Wie gesagt, der Konsument fordert, dass man sich ehrlich um ihn bemüht. Unter anderem mit innovativen und kreativen Produkten. Die Uhren-Designer und ‑Konstrukteure haben das längst verinnerlicht, wie der Blick auf die aktuellen Neuheiten zeigt. Hier ist von den schwierigen Zeiten geschuldeter Tristesse weit und breit nichts zu sehen.






