Hands-on: Panerai Radiomir PAM01382

Mit der PAM01382 zeigt Panerai, wie gut sich die DNA einer Marke in einem Basismodell verpacken lässt. Die 45-Millimeter-Radiomir ist nicht nur eines der günstigsten Modelle im Panerai-Portfolio, sondern zugleich eine der am meisten unterschätzten Referenzen.

Historischer Charme: weniger ist mehr

Mit der PAM01382 hat Panerai auf der Watches & Wonders 2024 das aktuelle Entry-Level-Modell der Marke vorgestellt. Dabei handelt es sich zugleich um ein sogenanntes Base-Modell: Dies bedeutet bei Panerai, dass die Funktionen der Uhr auf die Anzeige von Stunden und Minuten reduziert sind. Es gibt weder einen Sekundenzeiger noch eine Datumsfunktion, geschweige denn andere Komplikationen. Diese Reduktion ist eine historische Reminiszenz, die auf die frühen Kampftaucheruhren der 1930er- und 1940er Jahre Bezug nimmt.

Panerai auf der Watches and Wonders 2024 | Bild: ©Panerai

Auch im Übrigen lassen sich bei der PAM01382 zahlreiche historische Bezugnahmen finden. Das 45 Millimeter große Radiomir-Gehäuse ist das ursprünglichste Gehäuse der Marke; die Luminor mit dem unverkennbaren Kronenbügel wurde „erst“ im Jahr 1949 eingeführt. Die Radiomir begleitet Panerai schon seit Mitte der 1930er-Jahre, als Rolex mit der Lieferung von wasserdichten Taschenuhren für die italienische Marke beauftragt wurde. Damals war Rolex Pionier für wasserdichte Zeitmesser. Panerai drehte die Taschenuhren schließlich um 90 Grad – dies erklärt übrigens die große „Zwiebelkrone“, die sonst charakteristisch für Taschenuhren ist – und lötete Bügel für Armbänder ans obere und untere Ende, damit die italienischen Kampftaucher die Zeitmesser am Arm tragen konnten.

Die Leuchtmasse und die Beschriftung des Radiomir-typischen Zifferblatts sind in einem cremefarbenen Ton gehalten, der von den Kontrastnähten des Armbands aufgegriffen wird. Trotz (oder gerade wegen) des Heritage-Hypes der letzten Jahre kann man getrost sagen, dass cremefarbene Akzente bei Panerai inzwischen zum guten Ton gehören und ein markenspezifisches Gestaltungsmerkmal darstellen. Einen kleinen Wermutstropfen hat das Zifferblatt aber: Es handelt sich nicht um ein Sandwich-Dial, das bei eingefleischten Paneristi am beliebtesten ist, sondern um ein sogenanntes Filled-Dial. Dieses besteht nicht aus zwei übereinanderliegenden Schichten, sondern die Leuchtmasse wird direkt in die Vertiefungen der Ziffern und Indizes eingebracht.

Authentische Toolwatch mit Tragekomfort

Trotz ihres hohen Maßes an historischer Authentizität bietet die PAM01382 einen extrem hohen Tragekomfort. Bei Toolwatches ist diese Eigenschaft alles andere als selbstverständlich: Sie werden als kompromisslose Werkzeuge konzipiert und sollen vor allem höchste Funktionalität bieten, was oftmals in einem großen Durchmesser und teilweise martialisch anmutenden Komponenten resultiert – man denke nur an die Omega Proplof. Die Panerai Radiomir trägt sich trotz ihres recht großen Durchmessers von 45 Millimetern eher wie ein 42-Millimeter-Zeitmesser. Dies liegt zum einen in den Drahtbügeln begründet, an denen das Armband befestigt wird: Dadurch sind die lug-to-lug-Maße der Uhr im Vergleich zu Zeitmessern mit herkömmlichen Bandanstößen deutlich kleiner.

Zum anderen trägt auch die flache Bauhöhe der Radiomir mit rund 13 Millimetern zu dem angenehmen Tragekomfort bei. Dies hat die Uhr nicht zuletzt dem bloß 4,5 Millimeter hohen Handaufzugwerk zu verdanken, das ohne Schwungmasse auskommt. Somit kombiniert die PAM01382 einen authentischen Durchmesser mit einer ausgewogenen Ergonomie.

Manufakturwerk mit Handaufzug

Im Inneren der Uhr verbaut Panerai das Kaliber P.6000. Dabei handelt es sich um ein Inhouse-Kaliber, das – wie alle klassischen Panerai-Modelle – ausschließlich per Hand aufgezogen wird. Die Gangautonomie des Uhrwerks beträgt zeitgemäße drei Tage bei 3 Hz (21600 A/h).

Im Gegensatz zu vielen höherpreisigen Panerai-Referenzen kann das Kaliber der PAM01382 nicht durch einen Saphirglasboden betrachtet werden. Die Rückseite der Uhr besteht aus einem geschlossenen Pressboden, der immerhin eine Wasserdichtigkeit von 100 Metern bietet. Nicht nur in der Tatsache, dass Panerai für die Radiomir-Modelle ausschließlich die Verwendung von Lederarmbändern vorsieht, erscheint die Wasserdichtigkeit vollkommen ausreichend. Auch für aktive Urlaube dürfte die Druckfestigkeit des Zeitmessers den allermeisten Ansprüchen gerecht werden.

PAM01382: Markenidentität im umkämpften Einstiegssegment

Die Radiomir-Referenz ist mit einem Listenpreis von 5000 Euro derzeit das günstigste Panerai-Modell. Zum Vergleich: Die günstigste Luminor kostet derzeit (Stand Januar 2026) 5700 Euro, während die Luminor Due mindestens 7000 Euro kostet. Die Submersible-Reihe startet bei 9700 Euro. Damit stellt die PAM01382 einen klar definierten Einstiegspunkt in die Marke dar, ohne die DNA der Marke zu verwässern: Die Uhr kommt (mit Ausnahme des Sandwich-Dials) mit allen gestalterischen Merkmalen, die einen Zeitmesser von Panerai ausmachen – und sie ist wie die Flaggschiff-Modelle der Marke eine „strap queen“. Hinzu kommen ein echtes Inhouse-Kaliber und der 2019 eingeführten PAM.GUARD-Garantie, die eine Garantie von bis zu acht Jahren bietet.

Im hart umkämpften Einstiegssegment bis zur 5000-Euro-Marke bietet die Uhr zwar keine technischen Finessen, aber dafür ein hohes Maß an Markenidentität und historischer Kompetenz. Insbesondere für Rolex-Aficionados dürfte eine Panerai Radiomir aufgrund der engen historischen Verbindung der beiden Marken im Laufe der Sammlerkarriere ein reizvoller Ausflug außerhalb der „Oyster-Welt“ darstellen.

Parallel zur PAM01382 mit schwarzem Zifferblatt ist die Radiomir auch mit einem blauen Zifferblatt (PAM01383) und einem weißen Zifferblatt (01384) erhältlich. Mit der PAM01385 bietet Panerai zudem eine Version mit beigefarbenem Zifferblatt als Online-Exclusive auf der eigenen Website an.

Letztlich bündelt die PAM01382 viele der gestalterischen Markencodes von Panerai in einem bewusst reduzierten Basismodell. Die Konzentration auf Stunden und Minuten, das historische Radiomir-Gehäuse und die klare Gestaltung des Zifferblatts verankern die Uhr dabei sichtbar im Markenkern. Diese Konsequenz macht die Radiomir zu einem historisch plausiblen Zeitmesser, der zugleich einen klar definierten und nachvollziehbaren Einstieg innerhalb der Kollektion darstellt und ein Maß an Charme und Authentizität bietet, das im 5000-Euro-Bereich keine Selbstverständlichkeit ist.

Redaktion: Nils Raulien – Bilder: Nils Raulien, ©PANERAI, Grok

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