Inhorgenta-Talk: Tanja Brassler über 25 Jahre MeisterSinger: „Eine Einzeigeruhr schenkt Gelassenheit“

2026 feiert die Uhrenmarke MeisterSinger ihr 25-jähriges Bestehen. Auf der Inhorgenta sprach Tanja Brassler, Geschäftsleiterin und Tochter des Unternehmensgründers Manfred Brassler, mit Insight Luxury über das Konzept der Einzeigeruhr, das Jubiläumsjahr und darüber, warum eine Uhr auch ein Stück Gelassenheit schenken kann.

3 Archao Modelle von MeisterSinger
Archao von MeisterSinger

Insight Luxury: Du bist ja schon viele Jahre bei MeisterSinger tätig und hast das Marketing und die Markenentwicklung betreut. Wolltest Du eigentlich schon immer in das Uhrengeschäft und das Unternehmen Deines Vaters einsteigen?

Tanja Brassler: Überhaupt nicht! Ich kenne MeisterSinger seit Tag eins, ich war damals sieben, als mein Vater das Unternehmen gegründet hat. Aber wer meinen Vater kennt, weiß, dass er nie irgendwelche Erwartungen an seine Kinder gestellt hat.

Ich habe dann Kommunikationswissenschaft studiert, und mich hat es ins Marketing gezogen. So bin ich schließlich bei MeisterSinger gelandet. Ich bin mehr und mehr in diese Rolle hineingewachsen und habe gemerkt, wie viel Spaß es mir macht, das große Ganze zu verstehen und Verantwortung zu übernehmen. Gerade kann ich mir nichts Besseres vorstellen.

MeisterSinger-Gebäude in Münster
MeisterSinger in Münster

IL: Seit ziemlich genau einem Jahr bist Du nun Teil der Geschäftsleitung bei MeisterSinger. Welches Resümee ziehst Du? Gab es Aspekte, die Dich überrascht haben?

TB: Das Jahr ist wie im Flug vergangen. Es war intensiv, aber sehr erfüllend. Ich habe das Gefühl, ich bin genau richtig da, wo ich bin. Ganz ehrlich: Es hat mich überrascht, dass ich mit sehr viel Leichtigkeit in diese Rolle geschlüpft bin. Das habe ich gar nicht unbedingt so von mir erwartet.

IL: Mit welchen Plänen und Zielen bist Du angetreten? Bringst Du auch einen weiblichen Blick auf die Branche in die Strategie mit ein?

TB: MeisterSinger muss und darf nicht umgekrempelt werden. Mein Ziel war nie, alles neu zu machen, sondern das starke Fundament, das MeisterSinger hat, weiter zu stärken.

Natürlich bringe ich meine eigene Perspektive ein — vielleicht etwas stärker aus der Marken- und Zielgruppensicht heraus. Das ist nicht unbedingt mit einem „weiblichen“ Blick verbunden. Aber ich finde trotzdem, dass ein paar mehr Frauen der Branche nicht schaden.

Familienunternehmen MeisterSinger

IL: MeisterSinger ist ein echtes Familienunternehmen. Ist das immer ein Vorteil, oder birgt dies auch ganz besondere Herausforderungen? Oder anders gefragt: Wie reibungslos funktioniert das Vater-Tochter-Gespann als gemeinsame Geschäftsleitung?

TB: Ich glaube, dass wir nahbar, persönlich und jetzt auch ein echtes Familienunternehmen sind – das ist tatsächlich ein wichtiger Baustein unserer Markenidentität. Und ich genieße es schon sehr, dass wir mehr oder weniger frei nach Schnauze auch schnelle Entscheidungen treffen können.

Manfred Brassler und Tanja Brassler (Geschäftsleitung MeisterSinger)
Manfred Brassler und Tanja Brassler (Geschäftsleitung MeisterSinger)

Mein Vater und ich sind uns in vielen Dingen sehr ähnlich. Wir sind sehr begeisterungsfähig, haben das gleiche Verständnis von Führung und sind immer mit Leidenschaft dabei.

Aber er kommt häufig mehr aus der emotionalen, kreativen Produktrichtung. Ich glaube, ich bin ganz gut darin, eher aus der Effizienzperspektive und aus dem Rationalen zu kommen. Das ergänzt sich eigentlich ganz gut.

Jubiläum: 25 Jahre MeisterSinger

IL: Ihr habt in diesem Jahr der Watches & Wonders in Genf den Rücken gekehrt und seid stattdessen nach einem Jahr Pause wieder zur Inhorgenta zurückgekehrt. Weshalb?

TB: 2026 ist unser 25-jähriges Jubiläum. Und wir wollen unsere Kräfte sehr bewusst bündeln. Wir haben ein Feuerwerk an Neuheiten zu zünden und viele Jubiläumsaktionen geplant.

Die Inhorgenta ist vom Timing und in ihrem Stellenwert ein idealer Rahmen, um gebührend ins Jahr zu starten.

Tanja Brassler
2 Panthero Jumping Hour von MeisterSinger
Panthero Jumping Hour von MeisterSinger

IL: MeisterSinger feiert in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum. Wird es besondere Editionen geben? Was zeichnet diese aus?

TB: Oh ja! Zum Jubiläum wollen wir mit ganz besonderen Neuheiten überraschen und begeistern. Das Highlight, das wir hier am ersten Messetag eingeführt haben, ist unsere „Panthero Jumping Hour“. Eine wirklich einzigartig schöne springende Stunde. Und zur Einführung gleich in einer limitierten 25-Stück-Edition mit echtem Guillochage-Zifferblatt. Wirklich ein Kunstwerk einer Uhr.

Panthero Jumping Hour von MeisterSinger
Panthero Jumping Hour von MeisterSinger

IL: MeisterSinger-Uhren schenken Zeit, so Euer Slogan. Was genau ist damit gemeint? MeisterSinger kann die Zeit ja nicht vermehren?

TB: Das stimmt, so weit sind wir noch nicht. Aber wir können den Blick auf die Zeit verändern. Eine Einzeigeruhr erinnert daran, nicht jede Minute zu zerlegen, sondern den Moment bewusster wahrzunehmen.

In diesem Sinne schenkt sie ein Stück Gelassenheit. Das ist auch das Größte für uns, wenn unsere Endkunden und Endkundinnen uns das als Feedback geben.

Die Philosophie der Einzeigeruhr

IL: Woher kommt eigentlich das Konzept der Einzeigeruhr?

TB: Viele denken ja, dass wir uns das Einzeigerkonzept ausgedacht haben. Es könnte fast nicht gegensätzlicher sein. Denn mit der Einzeigeruhr hat alles angefangen. Bis ins 18. Jahrhundert hinein waren alle Uhren Einzeigeruhren. Erst dann kamen Minuten- und Sekundenzeiger dazu. MeisterSinger hat dieses historische Prinzip bewusst wieder aufgegriffen und in die Gegenwart übersetzt.

Die erste Einzeigeruhr von MeisterSinger aus dem Jahr 2001.
Die erste Einzeigeruhr von MeisterSinger aus dem Jahr 2001.

IL: Wer ist die Zielgruppe beziehungsweise wer sind die typischen Käufer einer Einzeigeruhr von MeisterSinger?

TB: Menschen mit einem ausgeprägten Sinn für Gestaltung und Eigenständigkeit. Viele unserer Kunden sind sehr stilbewusst, aber nicht statusgetrieben. Sie suchen etwas Besonderes — und identifizieren sich stark mit der Haltung hinter der Uhr.

IL: Kann man sagen, dass Einzeigeruhren einerseits aus der Zeit gefallen sind, da sie unseren oftmals hektischen Lebenswandel nicht 1:1 abbilden, andererseits aber genau deswegen perfekt in unsere Zeit passen?

TB: Dazu hat wahrscheinlich jeder seine eigene Meinung. Für mich ist ganz klar, dass unser Konzept eigentlich nicht aktueller sein könnte. Unsere Welt wird immer schneller und kleinteiliger.

Viele Menschen empfinden es als sehr wohltuend, Zeit einmal anders zu lesen — etwas entspannter, etwas souveräner.

Tanja Brassler

IL: Wenn es über die Anzeige von Stunde und Minute hinausgeht: Welche Komplikationen kommen für eine Einzeigeruhr von MeisterSinger überhaupt infrage, um nicht der eigenen Philosophie der entschleunigten Zeit entgegenzustehen?

TB: Viel mehr, als man vielleicht denkt. Mein Vater, der ja seit Tag eins die Uhren gestaltet und dies immer noch tut, ist schier begeistert, wenn es darum geht, das Konzept Jahr für Jahr aufs Neue zu erfinden. Und wenn man sich anschaut, was es in dem Vierteljahrhundert MeisterSinger alles gab, dann ist das ganz schön vielfältig: von Tag- und Datumsanzeigen über Gangreserveanzeigen und Mondphasen bis hin zu Dualtimer, der „Sonnerie au Passage“, dem Stundenschlag oder jetzt der springenden Stunde.

Stratoscope von MeisterSinger
Stratoscope von MeisterSinger

IL: Entwicklung, Konstruktion, Design – wie viel Münster, wie viel MeisterSinger steckt in Euren Uhren?

TB: Sehr viel. Die konzeptionelle Arbeit, Gestaltung und Markenentwicklung passieren in Münster. Gleichzeitig arbeiten wir mit starken Schweizer Partnern in der Fertigung. Diese Kombination ist ein wichtiger Teil unserer DNA.

IL: Thema Trends: MeisterSinger ist alles andere als trendgetrieben. Aber so ganz frei machen kann man sich davon ja nie. Wie setzt Ihr bei MeisterSinger Trends um?

TB: Wir schauen sehr genau hin, laufen Trends aber nicht hinterher. Unser Anspruch ist, Dinge zu machen, die länger Bestand haben als eine Saison – zeitlos sind.

Wenn wir Trends aufgreifen, dann immer durch die MeisterSinger-Brille.

Tanja Brassler

IL: Die im vergangenen Jahr vorgestellte „Kaenos“ hat ein deutlich sportlicheres Design als die bisherigen MeisterSinger-Uhren. Welche Bewandtnis hat es damit? Beziehungsweise ist es kein Zufall, dass die Lancierung der „Kaenos“ zeitgleich mit Deinem Eintritt in die Geschäftsleitung erfolgte? Schließlich bedeutet Kaenos so viel wie „neu“, „frisch“ und „modern“.

TB: Ganz zufällig vielleicht nicht. Die „Kaenos“ zeigt, dass sich die Marke weiterentwickeln kann, ohne ihre DNA zu verlieren. Sie bringt bewusst eine neue, sportlichere Facette in die Kollektion. Unsere Zielgruppe ist ganz schön vielfältig. Und unser Konzept ist überhaupt nicht zugeschnitten auf ein Geschlecht, eine bestimmte Altersgruppe oder Kultur. Insofern müssen wir auch in der Kollektion ein bisschen Unterschiedliches anbieten. Das tun wir mit der „Kaenos“.

Kaenos von MeisterSinger mit iF Design Award Logo
Kaenos von MeisterSinger

IL: Was machst Du eigentlich, wenn Du das Gefühl hast, von zu wenig Zeit getrieben zu sein, um wieder herunterzukommen und zu Gelassenheit zurückzufinden?

TB: Auf eine MeisterSinger gucken? Nein, ganz so einfach ist es natürlich nicht immer. Aber das, was MeisterSinger verkörpert, lebe ich schon sehr, genau wie mein Vater auch. Mal fünfe gerade sein lassen, bewusst kurz innehalten, den Blick sortieren, Prioritäten klären.

Und ganz ehrlich: Manchmal hilft es auch, sich klarzumachen, dass wir hier alle keine Operation am offenen Herzen machen. Das nimmt doch auch ein bisschen Druck raus, oder?

Tanja Brassler

meistersinger.com

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