Watches & Wonders 2026: Uhren jenseits des Gewöhnlichen
Es gibt zahlreiche Uhrenkategorien – und mindestens ebenso viele Zeitmesser, die sich in keine dieser Schubladen einordnen lassen. Eigenständiges Design und ein innovatives Technologieverständnis schaffen immer wieder außergewöhnliche Uhren jenseits der Norm.
Auf der Watches & Wonders 2026 lassen sich diese Uhren jenseits des Gewöhnlichen entdecken.
Ressence – Type 9 IKE
Es ist erklärtes Ziel der belgischen Marke, Gesprächsstoff zu liefern – und genau das tut die auf acht Exemplare limitierte „Type 9 IKE“ mit Nachdruck. Für dieses Modell hat sich Ressence mit dem japanischen Künstler Terumasa Ikeda zusammengetan, der das minimalistische Design der Marke als Leinwand nutzt und es mit präziser Lackschichtung sowie hauchzarten Perlmuttintarsien in eine futuristisch anmutende Komposition verwandelt. Das konvexe, rotierende Zifferblatt verleiht der Uhr dabei eine lebendige Dynamik.



„Als ich Ikedas Kunst entdeckte, war ich sofort von seinem futuristischen Stil fasziniert, der zugleich ein uraltes Handwerk verkörpert“, sagt Benoît Mintiens, Gründer und Kreativdirektor von Ressence. „Das Ergebnis wirkt wie ein Signal aus einer anderen Galaxie – ein Code, der aus der Zukunft zu uns zurückgesendet wird.“

Dabei ist die Gestaltung keine bloße Oberfläche, sondern eng mit der Mechanik verwoben. Ikeda entwickelte eine Komposition, die präzise auf die Funktionsweise des Ressence Orbital Convex System (ROCS) abgestimmt ist. Statt klassischer Zeiger übernimmt ein orbitales Display aus rotierenden Scheiben die Zeitanzeige: Die gesamte Zifferblattfläche dreht sich für die Minuten, während kleinere Scheiben für die Stunden gleichzeitig rotieren und sich um die eigene Achse bewegen.


„Als ich das orbitale Display der ‚Type 9‘ zum ersten Mal sah, erinnerte es mich an ein Planetensystem – an etwas Astronomisches“, sagt Ikeda. „Das inspirierte mich, mich mit dem heliozentrischen Weltbild auseinanderzusetzen, als Astronomen trotz des Widerstands etablierter Autoritäten nach der Wahrheit anhand von Daten suchten. Ich kann diese Haltung sehr gut nachvollziehen.“
Die größte Herausforderung lag in der Umsetzung der japanischen Raden-Technik auf der gewölbten Oberfläche. „Raden ist eigentlich flach und extrem fragil – wie Eierschalen“, erklärt Ikeda. „Wir mussten das Material einweichen und vorsichtig in Form bringen, damit es sich der Krümmung anpasst.“
Eingefasst wird diese komplexe Komposition von einer schwarzen, DLC-beschichteten Titanarchitektur mit 39 Millimetern Durchmesser. (UVP 43.000 €)
Ulysse Nardin – Super-Freak
In den vergangenen 25 Jahren hat Ulysse Nardin die „Freak“ in all ihren Ausdrucksformen weiterentwickelt und dabei immer wieder neue Grenzen ausgelotet. Mit der auf 50 Exemplare limitierten „Super Freak“ bündelt die Manufaktur dieses Know-how mit ihrer über 180-jährigen uhrmacherischen Tradition.
„Die Freak hat die Menschen von der Vorstellung befreit, was eine Uhr sein muss“, so ihr Konstrukteur Ludwig Oechslin. Seit ihrer Einführung 2001 steht sie für ein radikal neues Konzept: kein Zifferblatt, keine Zeiger, keine Krone. Stattdessen dreht sich das gesamte Uhrwerk in einer patentierten Karussell-Mechanik, wobei die Energie direkt von der Feder auf die Anzeige übertragen wird. Die obere Brücke fungiert als Minutenzeiger, eine darunterliegende Scheibe zeigt die Stunden.

In der „Super Freak“ arbeitet das neue Manufakturkaliber UN-252 mit 511 Komponenten – entwickelt über vier Jahre. Dank patentierter Kardanlagerung ermöglicht es erstmals eine Sekundenanzeige sowie ein automatisches Doppeltourbillon. Zwei fliegende, jeweils um zehn Grad geneigte Titan-Tourbillons rotieren in entgegengesetzte Richtungen und vollführen alle 60 Sekunden eine Umdrehung.


Die Energieversorgung erfolgt über das effiziente Grinder-System, das trotz hoher Komplexität eine zuverlässige Kraftübertragung sicherstellt. Untergebracht ist die Konstruktion in einem neuen 44-Millimeter-Gehäuse aus Weißgold. Typisch „Freak“: Die Zeit wird über die Lünette eingestellt, das Uhrwerk über den Gehäuseboden aufgezogen.


Trotz aller technischen Innovation bleibt die „Super Freak“ ein handwerkliches Produkt: Über 70 Prozent der Komponenten werden von Hand bearbeitet und im Haute-Horlogerie-Atelier von Ulysse Nardin montiert. (UVP: 342.350 €)
ArtyA – Purity Moissanite Curvy Tourbillon
Moissanit – die Edelsteinform von Siliziumkarbid – ist in seiner natürlichen Erscheinung extraterrestrischen Ursprungs und in der Natur äußerst selten. Entsprechend wird er heute überwiegend im Labor hergestellt. Das mindert jedoch keineswegs seine Qualitäten: In seinen Eigenschaften kommt er dem Diamanten erstaunlich nahe – sowohl in puncto Härte als auch in seiner intensiven Brillanz.
Für ArtyA Grund genug, daraus ein Uhrengehäuse zu fertigen. Nach einer runden Ausführung im Jahr 2023 – dem ersten vollständig aus Moissanit gefertigten Gehäuse überhaupt – präsentiert die Marke nun eine Tonneau-Variante mit 65 Facetten.

Die kristalline Architektur gewährt faszinierende Einblicke in die Mechanik des Manufaktur-Tourbillons. Gleichzeitig wirkt das Gehäuse wie eine optische Linse, die bei jeder Bewegung des Handgelenks ein regenbogenfarbenes Lichtspiel entfacht.
Mit einer Härte von 9,25 bis 9,5 auf der Mohs-Skala zählt Moissanit nach dem Diamanten zu den härtesten bekannten Materialien – ein Umstand, der seine Bearbeitung entsprechend anspruchsvoll macht. Hinzu kommt ein außergewöhnlich hoher Schmelzpunkt von über 2.700 °C.



Besonders beeindruckend ist jedoch sein optisches Verhalten: Mit einem Dispersionsindex von 0,104 – mehr als doppelt so hoch wie der eines Diamanten (0,044) – sorgt Moissanit für eine spektakuläre Aufspaltung des Lichts in ein breites Farbspektrum. Jede einzelne Facette fungiert dabei wie ein Miniaturprisma und verwandelt das Gehäuse in eine lebendige, leuchtende Skulptur, in der das Manufakturkaliber PUR-T3 Curvy Tourbillon beinahe zu schweben scheint.
Dessen asymmetrische Architektur inszeniert die Stunden- und Minutenanzeige bei 3 Uhr, während das Tourbillon bei 6 Uhr positioniert ist. Angetrieben wird das Uhrwerk von zwei parallel geschalteten Federhäusern, die eine konstante Drehmomentabgabe sowie eine Gangreserve von mindestens 65 Stunden gewährleisten. (UVP 189.000 €)






