Watches & Wonders 2026: Viel Wirbel in Genf – Tourbillons

Das Tourbillon, da sind sich alle einig, ist erstens eine der größten technischen Herausforderungen der Feinuhrmacherei und zweitens ziemlich unnötig – jedenfalls bei Armbanduhren.

Denn entwickelt wurde es einst, um den Schwerkraftfehler der Hemmung in Taschenuhren auszugleichen, die stets in derselben Position getragen wurden. An einem mal so, mal so bewegten Arm bedarf es einer solchen Kompensation nicht. Technische Vernunft hält Hersteller und Käufer komplizierter Uhren aber schönerweise nicht davon ab, sich immer wieder für ein Tourbillon zu begeistern, sie zu verbessern oder neu zu gestalten. Auf der Watches & Wonders 2026 gibt es dafür auch in diesem Jahr viele gute Beispiele zu sehen.

A. Lange & Söhne: Im Verborgenen – Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender Lumen

Allerdings ist die Komplikation nicht immer auf den ersten Blick erkennbar: Auf der „Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender Lumen“ von A. Lange & Söhne weist nur der Schriftzug „Tourbillon“ auf dem Zifferblatt darauf hin, dass die Hemmungsgruppe des Werks unablässig rotiert – bis sie, eine Spezialität der Manufaktur, angehalten wird, um die Uhr sekundengenau stellen zu können.

Bewegung wie Stoppvorgang können durch das Saphirglas im Boden des 41,9-Millimeter-Platingehäuses beobachtet werden. Das neue Automatikkaliber L225.1 beinhaltet auch einen ungewöhnlichen Ewigen Kalender mit äußerem Monatsring und retrograder Wochentagsanzeige bei zehn Uhr – alle Datumsindikationen schalten sprunghaft.

Die Energie dafür liefert der aus Weißgold gefertigte Rotor, dessen äußeres Segment aus Platin für zusätzliches Momentum sorgt. Zu besonderer Expertise hat es Lange inzwischen auch in Sachen Leuchtmasse gebracht, die sich bei den „Lumen“-Modellen unter dem halbtransparenten Zifferblatt auflädt.

Die auf 50 Exemplare limitierte „Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender Lumen“ bietet so nachts einen einmaligen Instrumenten-Look. (UVP 550.000 €)

Jaeger-LeCoultre: Tourbillon im Tourbillon – Hybris Inventiva Gyrotourbillon À Stratosphère

Bei Jaeger-LeCoultre steht das neu entwickelte Tourbillon technisch wie optisch ganz im Mittelpunkt. Die auf 20 Exemplare limitierte „Hybris Inventiva Gyrotourbillon À Stratosphère“ begründet eine neue Reihe von Zeitmessern mit jeweils einer besonders avancierten Komplikation. Hier ist es eine weitere Steigerung in der Beweglichkeit des Gyrotourbillons.

Im Handaufzugskaliber 178 taumelt es um gleich drei Achsen. Salopp gesagt steckt ein Tourbillon im Tourbillon im Tourbillon. Bei deren Drehung kann die Hemmung rechnerisch über 98 % aller möglichen Positionen einnehmen. Natürlich sind alle Teile des Werks sorgfältigst finissiert, zeigen feine Zierschliffe und polierte Kanten. Auf der Vorderseite tragen die weißgoldenen Platinen eine transparent blaue Emailschicht über dem Sonnenschliff, die Brücken sind passend lackiert.

Den angemessenen Rahmen für das mikrotechnische Schauspiel bildet ein Platingehäuse mit 42 Millimetern Durchmesser und üppigen 16 Millimetern Bauhöhe.

Bianchet: Gefedert – Ultrafino Maserati

Nicht nur in der Uhrenbranche sind Jubiläen wichtig – weil eine lange Geschichte ja Kompetenz belegt –, sondern auch in der Automobilindustrie. In diesem Jahr feiert Maserati: nicht die Firmengründung, die war 1914, sondern die Einführung des Dreizacks als Markenzeichen vor 100 Jahren.

Um dieses Datum eindrücklich zu markieren, haben sich die Italiener mit der Schweizer Manufaktur Bianchet zusammengetan, Spezialisten für besondere Tourbillons. Produkt der Zusammenarbeit ist die auf 100 Exemplare limitierte „Ultrafino Maserati“. Das Tonneau-Gehäuse ist typisch für Bianchet.

Für das skelettierte Zifferblatt und das Automatikkaliber UT01 mit fliegendem Tourbillon ließen sich die Konstrukteure von Maserati-Supersportwagen inspirieren: So zitiert etwa die Geometrie des Blatts die ikonischen Radkappen. Und wie bei den Sportwagen, die besonders gefedert werden müssen, erhielten Hemmung und Werksebenen eine neuartige Stoßsicherung, mit der sie auch enormen Beschleunigungen gewachsen sind.

Artya: Zwillinge – Complexity

Artya hat sich noch nie mit konventionellen Zeitmessern abgegeben. In seine auf nur neun Exemplare limitierte „Complexity“ hat das Haus gleich zwei ungewöhnliche Tourbillons installiert – oder vielmehr Cônillons: im Winkel geneigte Mechanismen, bei denen die Unruh kegelförmig rotiert, weil ihre Achse nicht fixiert ist. Das wirkt optisch zunächst befremdlich, doch durch den Boden der Uhr lässt sich beobachten, wie ein verbindendes Differential die beiden Wirbel synchronisiert.

Das mit 42 × 48 × 13 Millimetern üppige Saphirgehäuse trägt über den Cônillons jeweils eine Glaskuppel. Aber wie gesagt: Konventionen – oder Alltagstauglichkeit – sind hier kein Faktor. Mit transparentem Gehäuse kostet die „Complexity“ 190.000 CHF, mit rubinrotem 220.000 CHF.

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