Watches & Wonders 2026: Kann das weg? Skelettuhren – Hermès, Corum, Cartier und Zenith üben sich im Verzicht

Kann das weg? Das muss sich ein Uhrmacher beim Skelettieren immer wieder fragen. Ein mechanisches Uhrwerk von allem Unnötigen zu befreien, bis nur noch wenige tragende Elemente übrig sind und die Funktion umso besser beobachtet werden kann – das ist nicht nur eine Frage von Material- und Rechenkenntnis sowie handwerklicher Geschicklichkeit.

Damit das Ergebnis des großen Aufwands auch gefällt, braucht es ein ästhetisches Konzept. Auf der Watches & Wonders gab es viele gelungene Beispiele von Skelettuhren.

Hermès: H08 Squelette

Am gründlichsten geht vor, wer schon bei der Konstruktion eines neuen Werks an die Möglichkeit einer skelettierten Version denkt. Die Geometrie der tragenden Teile lässt sich dann so einrichten, dass sie – von allem Unnötigen befreit – ein Emblem abbilden oder den Blick in die Mechanik lenken.

Bei der „H08 Squelette“ von Hermès mag das so gewesen sein. Denn das auf freihängende Ziffern und den Minutenkranz reduzierte Zifferblatt gibt zwischen schmalen Stegen den Blick auf die wichtigsten Elemente des Automatikkalibers H 1978S frei. Titangehäuse, Blatt und Zeiger sind mattschwarz DLC-beschichtet und stehen im Kontrast zur Leuchtmasse und/oder den farbigen Kautschukbändern.

Corum: Golden Bridge

Das Stabwerk der „Golden Bridge“ sollte nie verborgen hinter einem Zifferblatt arbeiten, sondern frei im Gehäuse der Uhr stehend von allen Seiten bewundert werden. 1980, bei der Einführung dieser Spezialität, die es zuvor nur für Tischuhren gegeben hatte, besaß das Tonneau-Gehäuse an allen vier Seiten Saphirfenster, die in einen goldenen Rahmen eingefügt waren.

Nach einigen sehr stillen Jahren in neuen Händen und nun wieder aktiv als Messeaussteller zeigt Corum seinen Klassiker jetzt auf neuestem Stand: mit einem reinen Saphirgehäuse in verschiedenen Farbstellungen, aber auch komplett transparent. Mehr Skelett geht gar nicht.

Corum bietet die „Golden Bridge“ in zwei Versionen an: mit einem kräftigen Tonneau-Gehäuse und in einer schmaleren Variante für Damen. Die große Saphir-Ausführung gibt es auch mit dem bemerkenswerten Automatik-Stabwerk, in dem ein linear bewegtes Gewicht Energie erzeugt. Das ist nicht ganz so klassisch, bietet aber noch mehr zu sehen – egal von welcher Seite.

Cartier: Cartier Privé Crash

In seinen Privé-Editionen widmet sich Cartier jedes Jahr Uhren, die in seiner Geschichte eine besondere Rolle gespielt haben, und lässt sie – auf höchstem Niveau ausgestattet – wieder auferstehen. Die „Crash“, vorgestellt 1967, fing nicht nur den Spirit des Swinging London ein, sondern demonstrierte, wie disruptiv das Haus sein kann.

Für ihre Wiederkehr in skelettierter Ausführung wurde ein Handaufzugswerk entwickelt, dessen Brücken Zifferform haben und wirken, als habe ein kräftiger Druck auf die Krone die Uhr verformt. Mit ihrem Gehäuse aus Platin ist die Uhr auf 150 Exemplare limitiert.

Zenith: Chronomaster Sport Skeleton

Klassische Skelettierarbeit ist nötig, wenn man sich klassischer Werke annimmt, die zwischen Zifferblatt und geschlossenem Boden vor allem zuverlässig funktionieren und nicht unbedingt interessant aussehen sollen. Entsprechend muss auch Zenith vorgehen, wenn die Manufaktur Einblick in ihr legendäres Chronographenkaliber „El Primero“ und seine Nachfolger schaffen will. „Chronomaster Sport“ heißt die Kollektion, die das Erbe fortsetzt – mit dem Werk „El Primero 3000“.

Bei dem Skelettierungsprojekt habe im Vordergrund gestanden, die Integrität und Präzision des Werks zu erhalten, heißt es auch bei Zenith. Dennoch fand sich ein Weg, wesentliche Elemente wie die einander überlappenden Totalisatoren zu bewahren und dahinter den Mechanismus sichtbar zu machen – nicht als Museumsstück, sondern mitsamt zeitgemäßen Verbesserungen wie Sekundenstopp und Silizium-Hemmungsrad.

Moderne Werkstoffe ergänzen auch außen die traditionellen Formen: Alle vier Modelle tragen eine Keramiklünette. Drei haben ein Gehäuse aus Edelstahl, die vierte ist aus Roségold. Dazu kommen zehn Exemplare mit Goldband und Brillantbesatz, der womöglich die Skelettierung überstrahlt. (UVP 16.500, 31.200 bzw. 111.400 €)

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