Abseits des Mainstreams: Wie Florian Bach mit seiner Uhren-Lounge Sammler begeistert

Uhrenliebhaber sind eine besondere Spezies. Sie können sich in der Regel gleichermaßen in Technik und Design verlieren und sich intensiv mit Gleichgesinnten austauschen. Es gibt jedoch Unterschiede.

Während die einen ihren Fokus auf etablierte Prestigemarken legen, sind die anderen stets auf der Suche nach neuen Protagonisten in den unendlichen Weiten des Uhrenkosmos und lieben es, Nischenmarken und Microbrands zu erkunden. Vor allem Letztere werden sich in der Uhren-Lounge mit dem sorgfältig zusammengestellten Sortiment von Florian Bach – alias flomp89 – wie zu Hause fühlen.

Denn auch die wohnliche Atmosphäre gehört zum Konzept des Inhabers. Zu finden ist die Lounge im Herzen des Rhein-Main-Gebiets, nur etwa 15 Minuten von Frankfurt am Main entfernt.

„Ich möchte nicht einfach verkaufen, sondern Community und Hersteller verbinden: Wissen teilen, Geschichten erzählen und den Austausch ermöglichen. Ganz gleich, ob es um eine mechanische Einsteigeruhr oder ein außergewöhnliches Sammlerstück geht“, fasst er sein Konzept zusammen.

Insight Luxury: Vor etwa einem Jahr hast du deine Uhren-Lounge hier in Neu-Isenburg eröffnet. Was hat es damit auf sich?

Florian Bach: Ich hatte zuvor bereits meinen Onlineshop für neue und gebrauchte Uhren. Die Lounge hier in Neu-Isenburg spiegelt genau dieses Sortimentskonzept wider – ergänzt um die Möglichkeit einer exklusiven, individuellen Beratung. Hier können Onlinekäufer ihre Uhr auch persönlich abholen, wenn sie möchten.

IL: Was unterscheidet dich von einem herkömmlichen Uhrengeschäft?

FB: Eigentlich fast alles – außer, dass man bei mir natürlich auch Uhren kaufen kann. Und zwar in echter Wohnzimmeratmosphäre und zu einem festen Termin. Diesen hat man exklusiv, und ich stelle eine Uhrenauswahl zusammen, die genau auf die Wünsche des Kunden abgestimmt ist. Bei und mit mir kann man ganz entspannt und unverbindlich über Uhren fachsimpeln – auf Augenhöhe. Ich habe mein Hobby zwar zum Beruf gemacht, bin aber natürlich immer noch ein leidenschaftlicher Uhrenliebhaber.

Wenn man zu mir kommt, besucht man quasi einen Uhrenfreund in seinem Wohnzimmer und spricht mit ihm über die gemeinsame Leidenschaft. Im besten Fall findet mein Gast dann natürlich auch eine Uhr, die ihm gefällt. Ergänzt wird das Uhrensortiment übrigens durch Bücher, Aufbewahrungslösungen, Uhrenboxen, -rollen und vieles mehr.

IL: In puncto Sortiment kannst du es aber sicher nicht mit einem der großen Juweliere aufnehmen, oder?

FB: Diese Frage stellt sich mir gar nicht, das war nie mein Anspruch. Ich gehe meinen ganz eigenen Weg – mittlerweile gemeinsam mit 18 Uhrenmarken. Dabei handelt es sich um eine von mir persönlich kuratierte Auswahl im drei- bis vierstelligen Preisbereich. Alles spannende Marken mit einer ganz eigenen Geschichte und Philosophie.

Viele davon sind bewusst nicht im Mainstream angesiedelt, sondern sprechen Sammler mit einem besonderen Anspruch an Gestaltung, Technik und Preis-Leistung an. Oft sind diese Marken bei kaum einem Juwelier zu finden, sodass man sie vor dem Kauf nicht anprobieren kann. Das geht aber bei mir.

IL: Was schätzen diese Marken an deinem Konzept?

FB: Unter anderem mein großes und authentisches Social-Media-Engagement. Das ist keine PR-Nummer, sondern ehrliche Leidenschaft. Wir produzieren hier zum Beispiel zweimal im Monat Content für meine Kanäle auf YouTube und Instagram. Und dabei spielen natürlich die Marken aus meiner Lounge regelmäßig eine Rolle. Ich biete den Marken damit Reichweite in meiner Community und somit in der für sie relevanten Sammlerszene.

IL: Nach welchen Kriterien genau wählst du die Marken aus, die du in deiner Lounge anbietest?

FB: Das ist ehrlich gesagt gar nicht so einfach. Ich bevorzuge Marken, die eine gewisse Nische besetzen und die man nicht an jeder Ecke bekommt. Spannend finde ich auch speziellere Modelle. Dabei mache ich keine Unterschiede zwischen Konzern- und unabhängigen Marken.

So bekommt man bei mir Uhren von Pierre Lannier im unteren dreistelligen Bereich genauso wie Swiss-Made-Modelle von Frederique Constant und demnächst auch von Eberhard & Co. im vierstelligen Bereich.

IL: Gehst du dabei auch nach deinem persönlichen Geschmack?

FB: Jein. Wichtig ist mir vor allem, dass ich im besten Fall bereits einen vertrauensvollen Kontakt zur Marke habe und ein gegenseitiges Grundverständnis besteht. Das ist der Idealfall. Der Uhrenhersteller Alexander Shorokhoff ist so ein Beispiel, mit dem ich schon drei Kooperationsmodelle gestaltet habe.

Mittlerweile kommen Marken aber auch aktiv auf mich zu und fragen, ob sie ihren Vertriebler vorbeischicken dürfen. Das ist für mein Lounge-Konzept natürlich eine tolle Bestätigung.

Aber selbstverständlich muss eine neue Marke zu meiner Philosophie und meiner Kundschaft passen und darf keine direkte Konkurrenz zum bestehenden Sortiment darstellen.

Und ja: In gewisser Weise gehe ich auch nach meinem persönlichen Geschmack. Ich bin kein klassischer Verkäufer und nicht wirklich neutral – ich möchte hinter jeder Marke, jeder Uhr und jedem Konzept stehen können. Authentizität und Transparenz spielen dabei eine große Rolle.

IL: Bist du die richtige Anlaufstelle für Uhrenliebhaber, die das klassische Juweliers-Ambiente als Hemmschwelle empfinden?

FB: Möglicherweise. Zu Beginn waren es vor allem Menschen aus meiner bestehenden Community oder Sammlerclubs, die in meine Lounge gekommen sind. Mittlerweile kommen aber auch immer mehr Kunden, weil sie mich in den PoS-Listen der Marken entdeckt haben.

Interessanterweise sind das oft Menschen, die sich erst seit Kurzem intensiver mit Uhren beschäftigen oder keine Lust mehr auf Mainstream haben. Ihnen geht es – genau wie mir – um die Uhr selbst, die Technik, das Design und die Menschen dahinter und weniger um Prestige.

IL: Wie kommt ein Termin zustande und wie bereitest du dich darauf vor?

FB: Man kann sich telefonisch, per Mail oder WhatsApp bei mir melden, einen persönlichen Termin vereinbaren und seine Wünsche äußern. Wenn der Interessent dann kommt, hat er echte Exklusivzeit bei mir. Und ich habe bereits eine passende Vorauswahl getroffen. Natürlich darf er die Uhren anlegen und ein Gefühl dafür bekommen.

Neulich war ein echter Omega-Fan mit einer großen Sammlung bei mir, der einfach mal etwas anderes sehen wollte. Der ist richtig aufgeblüht, als er gesehen hat, was es alles rechts und links der ausgetretenen Pfade gibt.

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