Chrono24: TAG Heuer führt auf 6-Monats-Sicht an, AP verliert leicht
Nach sechs Monaten mit durchgehend steigenden Werten hat der ChronoPulse-Index der Pre-owned-Uhrenplattform Chrono24 im April erstmals wieder leicht nachgegeben.

Der Rückgang im Vergleich zum Vormonat ist moderat und betrifft vor allem die Marken, die im ersten Quartal am stärksten zugelegt hatten: Cartier (-5,8 % MoM), Vacheron Constantin (-5,4 %) und Panerai (-6,4 %). Mittel- und langfristig bleibt der Aufwärtstrend bestehen, betont Chrono24: Der Index liegt 4,8 Prozent über dem Niveau von vor sechs Monaten und 2,1 Prozent über dem Vorjahr.

Pre-owned-Preise für TAG Heuer steigen am stärksten
Gegen den Monatstrend bewegen sich nur zwei Marken: TAG Heuer (+3,2 % MoM) und Omega (+2,8 %). Rolex bleibt unverändert. Auf Sechs-Monats-Sicht weitet sich das Bild: TAG Heuer ist mit +9 Prozent (6M) die stärkste Marke im gesamten Index. Unter den vier größten Marken führt Patek Philippe (+7 %) vor Rolex (+5,5 %) und Cartier (+3,9 %).
Eine Sonderrolle nimmt Audemars Piguet ein. Auf Sechs-Monats-Sicht ist AP die einzige der vier Top-Marken im Minus (-1,4 %), auch Monats- (-0,8 %) und Jahreswert (-0,1 %) liegen leicht im negativen Bereich. Vor diesem Hintergrund ist es spannend, welche Marktwirkung die Kollaboration mit Swatch und der Launch der Royal Pop entfalten werden.
ChronoPulse: die April-Gewinner
TAG Heuer (+3,2 % MoM, +9,0 % / 6M): Stärkste Marke im Index, sowohl auf Monats- als auch auf Sechs-Monats-Sicht. Die Entwicklung zieht sich über die gesamte Modellpalette und wird nicht von einer einzelnen Schlüsselreferenz getrieben. Da TAG Heuer in einem Preissegment unterwegs ist, das einem breiteren Sammlerkreis zugänglich ist, lässt sich die Entwicklung als deutlichstes Anzeichen dafür lesen, dass sich der Markt auch jenseits der absoluten Spitzenmarken öffnet.
Omega (+2,8 % MoM, +3,5 % / 6M): Eine von nur zwei Marken, die im April im Plus liegen. Sechs-Monats- und Jahreswert sind nahezu deckungsgleich, was für eine stabile, aber nicht beschleunigende Nachfrage spricht.
Patek Philippe (-0,7 % MoM, +7,0 % / 6M): Etwas ruhiger als im März, als das Tempo noch zweistellig war, in der Jahresbilanz aber weiterhin der Anker. Sämtliche elf Patek-Referenzen im ChronoPulse Index notieren auf Sechs-Monats-Sicht im Plus. Die „Aquanaut 5167A-001“ liegt 21 Prozent über dem Vorjahr, die „Nautilus 5712/1A-001“ hat allein in den vergangenen sechs Monaten 12,2 Prozent zugelegt. Eine derart geschlossene Wertentwicklung über die volle Modellbreite zeigt keine andere Marke.
Wo der Markt Federn gelassen hat
Panerai (-6,4 % MoM, -4,7 % / 6M): Schwächste Marke sowohl im Monats- als auch im Sechs-Monats-Vergleich. Der Sport-Luxus-Bereich abseits von Rolex und AP verliert weiter an Substanz.
Cartier (-5,8 % MoM, +3,9 % / 6M): Gibt einen Teil der starken Q1-Gewinne ab, der mittelfristige Trend bleibt aber positiv und stützt sich auf eine spürbare Modell-Dynamik: Die „Santos WSSA0039“ legt auf Sechs-Monats-Sicht 19,2 Prozent zu, im Jahresvergleich jedoch nur 4,6 Prozent. Der Großteil des Anstiegs ist also jüngeren Datums. Die „Tank Solo WSTA0030“ hat sich von -2,2 % im Jahresvergleich auf +10,5 % über sechs Monate verbessert.
Hublot (-3,2 % MoM, -3,6 % / 6M): Auf allen Zeithorizonten im Minus. Die Nachfrage bleibt strukturell schwach.
Breitling (-1,9 % MoM, -1,8 % / 6M, -7,9 % YoY): Schlechteste Jahresperformance im gesamten Index. Der bereits im März beschriebene Druck im mittleren Preissegment hält an.

Plus 500 Prozent: Wie die Pepsi den Rolex-Monat geprägt hat
Eine einzelne Uhr hat den April stärker geprägt als jede aggregierte Indexbewegung: die „GMT-Master II Pepsi“ (Ref. 126710BLRO) von Rolex. Die Einstellung der Referenz hat sich auf Chrono24 in zwei Wellen niedergeschlagen.
Die erste setzte bereits Anfang März auf Gerüchtebasis ein. Die Kaufanfragen lagen rund 500 Prozent über dem Wochendurchschnitt 2025, die Zahl aktiver Inserate ging um etwa 25 Prozent zurück. Auch danach blieb die Nachfrage rund doppelt so hoch wie im Jahresmittel 2025.
Die zweite Welle folgte Mitte April, als Rolex die Referenz auf der Watches & Wonders 2026 offiziell aus dem Programm nahm. Die Kaufanfragen kletterten erneut auf rund 500 Prozent über den Durchschnitt 2025.
Die offizielle Bestätigung hat die Kaufdringlichkeit erneut befeuert. Noch deutlicher reagiert die Weißgold-Variante (Ref. 126719BLRO): Die Kaufanfragen liegen mehr als 700 Prozent über dem Durchschnitt 2025, die Inserate gehen seit Jahresbeginn 2026 kontinuierlich zurück. Die Handelsvolumina sind aufgrund des höheren Preispunkts geringer, das Richtungssignal ist jedoch dasselbe.
Der Pre-owned-Markt im Überblick
Mit dem April wird die Erholung selektiv. Die im ersten Quartal heißesten Marken geben einen Teil der Gewinne ab, zwei Marken (Omega und TAG Heuer) bewegen sich gegen den Trend, Rolex bleibt unverändert. Die strukturellen Treiber sind dabei dieselben wie zuletzt: Spekulanten halten sich nach wie vor weitgehend zurück, und die US-Zollsituation lenkt Käufer weiter in den Pre-owned-Markt.
Neu ist im April die zunehmende Spreizung zwischen den einzelnen Marken. Im ersten Quartal entwickelten sich die meisten Marken noch parallel nach oben. Im April läuft die Entwicklung erkennbar auseinander.

Methodik
Der ChronoPulse Index bildet die Preisentwicklung von 14 großen Luxusuhrenmarken und mehr als 140 Modellreferenzen ab. Grundlage sind reale Transaktionsdaten des globalen Chrono24-Marktplatzes. Sämtliche prozentualen Veränderungen werden auf rollierender Basis berechnet. Der Index rechnet alle Transaktionen zum Wechselkurs des jeweiligen Transaktionszeitpunkts in Euro um. Bei Marken mit geringeren Transaktionsvolumina können Monatsdaten höheren kurzfristigen Schwankungen unterliegen.






