Neues Buch wirft kritischen Blick auf den LVMH-Patriarchen Bernard Arnault
Bernard Arnault, Architekt des LVMH-Konzerns und eine der prägenden Figuren der Luxusindustrie, wird in einer am Mittwoch veröffentlichten Biografie kritisch beleuchtet.
Verfasst wurde das Buch mit dem Titel „Bernard Arnault, son univers impitoyable“ („Bernard Arnault, seine rücksichtslose Welt“) von der promovierten Wirtschafts- und Sozialhistorikerin Audrey Millet. Die Autorin ist auf die Geschichte der Mode und ihrer Industrie spezialisiert und hat diesem Themenfeld bereits zahlreiche Werke gewidmet.

Millet zeichnet den Werdegang Bernard Arnaults nach – von seiner Kindheit in Roubaix, wo seine Eltern ein Bauunternehmen führten, bis zu seinem Aufstieg zu einem der reichsten Menschen der Welt. Das Vermögen der Familie Arnault bezifferte Bloomberg im Juni 2026 auf 162 Milliarden US-Dollar.
Erschienen ist das Buch im Verlag La Tribu. Im Ankündigungstext beschreibt der Verlag die Geschichte als eine der „spektakulärsten französischen Erfolgsgeschichten“ und verspricht „tausend Quellen, aufschlussreiche Enthüllungen und beispiellose Zeugenaussagen, von den Arbeitervierteln des Nordens bis in die höchsten Regierungskreise“, um die „rücksichtslose Welt von Bernard Arnault“ verständlich zu machen.
Besonders hervorgehoben wird dabei Arnaults außergewöhnlicher Werdegang. So verweist der Verlag darauf, dass der spätere Unternehmer während seiner Militärausbildung im Jahr 1970 als junger Absolvent der École Polytechnique von der französischen Armee als „ungeeignet für eine verantwortungsvolle Position“ und „nicht durchsetzungsfähig“ eingestuft worden sei. Fünf Jahrzehnte später führt er einen Konzern mit mehr als 200.000 Mitarbeitern und 75 Luxusmarken.
Auch Arnaults offenbar gutes Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump wird thematisiert. Der Verlag schreibt: „Bei Donald Trumps zweiter Amtseinführung war Bernard Arnault der einzige europäische Wirtschaftsführer und bekleidete in Abwesenheit von Emmanuel Macron den Rang eines Staatsoberhaupts.“ Arnault gehöre zu jenen Oligarchen, „den neuen Herrschern einer Welt, in der Milliardäre mächtiger sind als Staaten selbst“.
Die Online-Plattform Fashion Network berichtet zudem über angeblichen Druck aus dem Umfeld Arnaults auf den Verlag La Tribu, der zur Verlagsgruppe Les Nouveaux Éditeurs gehört. An dieser ist über die Holding Artémis auch François-Henri Pinault beteiligt, der Vorsitzende des Luxuskonzerns Kering.
„Ich kann Ihnen sagen, dass der Druck sehr stark war“, wird Verlegerin Julia Pavlowitch zitiert. Zugleich betont sie: „Dieses Buch ist eine freie Veröffentlichung eines unabhängigen Verlags, in keiner Weise von dessen Anteilseignern beeinflusst. Es ist eine klassische Veröffentlichung, wie es sie immer seltener gibt.“
Bislang liegt keine offizielle Stellungnahme von LVMH zu dem 400 Seiten umfassenden Buch vor. Der Verkaufspreis beträgt 22,90 Euro.






