Deutsche Schmuck- und Uhrenindustrie im April 2026
Wachstum hält an – doch die Fragen werden größer
Die deutsche Schmuck- und Uhrenindustrie bleibt 2026 auf Wachstumskurs. Die aktuellen Zahlen des BVSU für April zeigen erneut deutliche Zuwächse im Schmuckbereich. Gleichzeitig bestätigt sich ein Trend, der bereits im ersten Quartal sichtbar war: Die Dynamik der Außenhandelswerte bleibt außergewöhnlich – wirft aber weiterhin Fragen nach ihrer Einordnung auf.
Schmuckexporte weiter auf hohem Niveau
Mit einem Exportwert von rund 795,9 Millionen Euro erreichten die Schmuckexporte im April nahezu das Niveau des Vormonats und lagen zugleich 22,8 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats. Damit setzt sich die starke Entwicklung aus dem ersten Quartal fort.
Noch deutlicher wird das Bild im längerfristigen Vergleich: Im April 2024 lagen die Schmuckexporte bei rund 433,3 Millionen Euro, im April 2025 bei 571,7 Millionen Euro. Im April 2026 bewegt sich der Wert nun nahe der Marke von 800 Millionen Euro.

Januar bis April: deutlicher Exportüberschuss im Schmucksegment
Der Blick auf die ersten vier Monate des Jahres verstärkt diesen Eindruck. Von Januar bis April 2026 summierten sich die Schmuckexporte auf rund 3,22 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es rund 2,19 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 46,9 Prozent.
Auch die Schmuckimporte legten deutlich zu: von rund 2,20 Milliarden Euro im Zeitraum Januar bis April 2025 auf rund 2,76 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum 2026. Das entspricht einem Plus von 25,7 Prozent.

Damit verschiebt sich auch die Außenhandelsbilanz. Während Schmuckexporte und Schmuckimporte in den ersten vier Monaten 2025 nahezu ausgeglichen waren, ergibt sich für Januar bis April 2026 ein Exportüberschuss von rund 461 Millionen Euro.
Handelswerte, nicht Stückzahlen
Diese Entwicklung sollte jedoch nicht isoliert – wie in den vergangenen Berichtszeiträumen auch schon -, als Mengenwachstum interpretiert werden. Die BVSU-Zahlen erfassen Import- und Exportwerte, nicht Verbraucherpreise oder Stückzahlen. Damit spiegeln sie nicht nur Nachfrage und Handelsvolumen wider, sondern auch Preisentwicklungen – insbesondere bei Edelmetallen.
Die parallel steigenden Export- und Importwerte zeigen, dass die Entwicklung nicht allein auf eine höhere Nachfrage nach deutschem Schmuck zurückgeführt werden kann. Sie spiegeln zugleich die Bedeutung Deutschlands als Handels- und Verarbeitungsstandort sowie den Einfluss gestiegener Edelmetallpreise auf die ausgewiesenen Handelswerte wider.
Offen bleibt, welcher Anteil des Wachstums auf höhere Mengen und welcher auf höhere Materialwerte zurückzuführen ist.
Uhren entwickeln sich deutlich verhaltener
Im Gegensatz zum Schmuckbereich zeigt sich bei Uhren und Uhrenteilen ein deutlich ruhigeres Bild. Die Exporte lagen im April bei rund 159,1 Millionen Euro und damit nur leicht über dem Vorjahreswert, jedoch unter dem März-Ergebnis.

Für Januar bis April ergibt sich ein Exportwert von rund 629,4 Millionen Euro. Gegenüber 614,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Plus von lediglich 2,4 Prozent.

Die Importe von Uhren und Uhrenteilen stiegen im gleichen Zeitraum stärker: von rund 780,5 Millionen Euro auf rund 862,4 Millionen Euro, ein Plus von 10,5 Prozent.
Damit bewegt sich die Uhrenbranche deutlich näher an den bekannten Marktgrößen der vergangenen Jahre. Zugleich zeigt der Abstand zwischen Import- und Exportentwicklung, dass Beschaffung, Komponenten, Teile und importierte Markenware stärker ins Gewicht fallen könnten als die eigene Exportdynamik.
Zweite Jahreshälfte wird richtungsweisend
Für Hersteller, Händler und Zulieferer wird die zweite Jahreshälfte damit besonders interessant. Sollte sich das hohe Niveau der Schmuckexporte auch in den kommenden Monaten bestätigen, könnte dies auf robuste internationale Nachfrage und starke Handelsströme hindeuten. Gleichzeitig bleiben Edelmetallpreise, Konsumverhalten, Finanzierungskosten und internationale Märkte zentrale Faktoren für die weitere Bewertung.
Die aktuellen Daten zeigen vor allem eines: Die deutsche Schmuckindustrie bewegt sich weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Außenhandelsniveau. Ob daraus ein langfristiger Wachstumstrend entsteht oder ob die Statistik vor allem hohe Materialwerte und internationale Warenbewegungen abbildet, bleibt eine der wichtigsten Fragen für die kommenden Monate.
Grafiken und Zahlen: BVSU vom 22.06.2026






