Rado: 40 Jahre Obsession für Hightech-Keramik

Dass Rado nicht nur selbst ernannter „Master of Materials“ ist, sondern geradezu eine Obsession für Materialien und deren Optimierung pflegt, spürt man unmittelbar bei der Besichtigung von Comadur anlässlich 40 Jahre Integral aus High-Tech-Keramik.

Comadur mit Hauptsitz im schweizerischen Le Locle und Produktionsstandort in Boncourt gehört wie Rado zur Swatch Group. Der Name setzt sich aus den französischen Begriffen für Komponenten (composants), Material (matériaux) und Langlebigkeit (durabilité) zusammen. Das Unternehmen fungiert gleichermaßen als Materiallabor und Fertigungsstätte und ist auf extrem harte Präzisionsmaterialien spezialisiert – darunter synthetische Rubine und Saphire als Lagersteine für Uhrwerke, vor allem aber Keramik in verschiedenen Ausführungen und Legierungen wie Hightech-Keramik, Plasma-Keramik und Ceramos.

Die Wurzeln von Rado reichen ins Jahr 1917 zurück. Damals wurde die Firma Schlup & Co. gegründet, welche 1928 den Namen Rado beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum in Bern registrieren ließen. Der Name entspricht dem Esperanto-Wort rado, was Rad bedeutet – überaus passend für eine Uhrenmarke, denkt man an deren Innenleben.

Rado feiert 40 Jahre Hightech-Keramik mit der Integral 40-Year Anniversary Edition

Vom Hartmetall zur Materialphilosophie

Aber erst 1957 wurde Rado als eigenständige Uhrenmarke vermarktet. Als erstes Schlüsselmodell gilt die „Golden Horse“. 1962 wurde Rado schließlich mit der „DiaStar 1“, der ersten kratzfesten Serienuhr der Welt, als eigenständige Marke wahrgenommen.

Das Gehäuse bestand aus Hartmetall, einer Wolframkarbid-Legierung, und wurde von einem Saphirglas überspannt. Damit gehörte Rado zu den Vorreitern in der Verwendung dieser Materialien in der Uhrenfertigung.

Dieses Kapitel legte den bis heute unverrückbaren Grundstein für Rados Streben nach widerstandsfähigen Materialien, die das Design der Uhren nicht einschränken, sondern neue gestalterische Möglichkeiten eröffnen.

Anfang der 1980er-Jahre fragte man sich dann bei Rado: „Wie können wir ein Material schaffen, das noch stärker ist – eines, das erneut Grenzen verschiebt und die Zukunft unserer Branche vorwegnimmt?“ Die Antwort lautete Hightech-Keramik.

1986: Die Hightech-Keramik-Ära beginnt

Rado war als erster Uhrenhersteller in der Lage, das Material für die Serienproduktion zu nutzen und stellte 1986 die „Integral“ vor. Mit ihrem Armband, dessen Mittelglieder aus Hightech-Keramik bestanden, läutete sie eine neue Ära für die Marke ein.

Diese erste „Integral“ verdeutlichte die besonderen Eigenschaften des Materials: Farben, die niemals verblassen und Glanz, der niemals nachlässt. Mit diesem Coup hatte sich Rado seinen Platz als – obsessiven – „Master of Materials“ in der Uhrenwelt endgültig gesichert.

Rado-CEO Adrian Bosshard erläutert: „Unser unermüdliches Streben nach Innovation spiegelt sich perfekt in unserer Geschichte mit der Hightech-Keramik wider – einem Material, das seiner Zeit um 40 Jahre voraus war.“

Warum Hightech-Keramik so anspruchsvoll ist

Der Einsatz von Keramik in der Uhrenproduktion ist alles andere als trivial. Während des Herstellungsprozesses – genauer gesagt beim Sintern – schrumpft das Material um rund 23 Prozent. Für eine Uhr, bei der nicht nur beim Uhrwerk höchste Präzision gefragt ist, ist das eine enorme Herausforderung: Ein Gehäuse muss dicht sein, ein Gliederarmband geschmeidig funktionieren, Toleranzen sind praktisch ausgeschlossen.

Hinzu kommt die große Härte des Materials. In der Regel ist dies gleichbedeutend mit Zerbrechlichkeit, Sprödigkeit und ähnlichen Eigenschaften. „Doch weil Hightech-Keramik unter strengen wissenschaftlichen Bedingungen hergestellt wird und anspruchsvolle Verfahren wie das Sintern zum Einsatz kommen, ist das Endmaterial vollkommen homogen, zu 100 Prozent verdichtet und in keinster Weise porös“, betont Alexandre, Prozessingenieur bei Comadur.

Stattdessen ist Hightech-Keramik äußerst kratzresistent sowie widerstandsfähig gegenüber Hitze, Druck und Korrosion. Zugleich ist sie erstaunlich leicht, nimmt rasch die Körpertemperatur an und ist hypoallergen. Jeder, der schon einmal eine Keramikuhr am Handgelenk hatte, wird das angenehme Tragegefühl und die sinnliche Haptik bestätigen.

Grund genug für Rado, das Thema Keramik immer weiter zu entwickeln und es für eine neue Designsprache zu nutzen.

Die Hightech-Keramik wird farbig

Rado baut seine Keramik-Kompetenz immer weiter aus. Ging es zu Beginn vor allem um die reinen Materialeigenschaften und Produktionsbedingungen, wurde zunehmend die Farbigkeit zum Thema.

Aus den dunklen, technisch leichter realisierbaren Farbtönen der Anfangsjahre entwickelten sich Pastellnuancen und leuchtende Farben, die die sinnliche Haptik des Materials zusätzlich unterstreichen.

Was als ein in erster Linie monochromatisches Material begann, entwickelte sich zu einer Vielfalt von aktuell mehr als 20 Farben. Beeindruckendes Beispiel dafür ist die Produktreihe „Le Corbusier“.

„Die Entwicklung jeder einzelnen dieser Farben ist ein langer, komplexer Prozess, der höchste Präzision von den Materialingenieuren der Forschung und Entwicklung verlangt“, erläutert Prozessingenieur Alexandre. „Doch das Spektrum an Farben und Nuancen wächst weiter, was ein gutes Zeichen für die Zukunft ist. Jede Farbe bringt ihre eigenen Besonderheiten und Komplexitäten mit sich. Im Grunde bereitet nicht eine bestimmte Farbe Probleme, ehrlich gesagt tun das alle. Besonders dann, wenn die Farbe über verschiedene Komponenten hinweg exakt übereinstimmen muss – Gehäuse, Armbandglieder, Krone, Lünette – die weder zur gleichen Zeit noch unter denselben Bedingungen produziert werden.“

2026: Die Integral feiert ihre Wurzeln

40 Jahre Hightech-Keramik feiert Rado selbstredend mit einem Geburtstagsmodell der „Integral“. Die „Integral 40-Year Anniversary Edition“ bleibt dem ursprünglichen, fließenden Design von 1986 in großen Teilen treu: Ihr Armband kombiniert polierte, schwarze Keramik-Mittelglieder mit gelbgoldfarbenen Elementen. Das flache, quadratische Gehäuse ist mit einem bis an den Rand abgeschrägten Saphirglas versehen, das durch eine präzise Metallisierung veredelt wurde. Angetrieben wird der Zeitmesser vom Quarzwerk Rado R279 mit PreciDrive-Technologie. Zudem trägt er eine spezielle Gravur auf dem Gehäuseboden: „Since 1986, Anniversary Edition“.

Adrian Bosshard
Adrian Bosshard

„Vier Jahrzehnte nach ihrer ursprünglichen Einführung präsentiert sich die neue ‚Integral 40-Year Anniversary Edition‘ als würdige Nachfolgerin eines unserer bedeutendsten technischen Durchbrüche: Sie würdigt das Erbe ihres unverwechselbaren Designs, ihrer Robustheit und ihrer zeitlosen Schönheit und blickt dabei selbstbewusst in die Zukunft“, so Adrian Bosshard.

Die Integral von 1986

Gehäuse: gelbgoldfarbener PVD-Edelstahl, 24 x 34,1 x 5,6 mm Uhrwerk: Quarzwerk 03.160.502 Funktionen: Stunden, Minuten Datum Zifferblatt: Schwarz mit goldfarbenen Indizes und Zeigern sowie Superluminova Armband: gelbgoldfarbene PVD Edelstahlglieder mit Mittelgliedern aus schwarzer Hightech-Keramik

Die Jubiläums-Integral von 2026

Rado Integral Anniversary von 2026,
Integral von Rado aus dem Jahr 1986

Gehäuse: gelbgoldfarbener PVD-Edelstahl 28 x 39,8 x 7,3 mm Uhrwerk: Quarzwerk R279 Funktionen: Stunden, Minuten Datum Zifferblatt: Schwarz mit goldfarbenene Indizes und Zeigern sowie Superluminova Armband: verjüngte gelbgoldfarben PVD Edelstahlglieder mit Mittelgliedern aus schwarzer Hightech-Keramik UVP: 2.600 €

Die Kollektion Integral 2026

Anlässlich ihres Jubiläums beschränkt sich die „Integral“ aber nicht nur auf die Geburtstagsedition, sondern präsentiert sich überdies in elf Neuinterpretationen ihrer Vorgängerin von 1986, erhältlich in zwei Größen. Hinzu kommt eine weitere Version, die mit 56 Top-Wesselton-Diamanten 40 Jahres High-Tech-Keramik und „Integral“ feiert. (UVP 2.350-4.650 €)

rado.com


1986: Hightech-Keramik

Während herkömmliche Keramik aus natürlichen Materialien wie Ton, Kieselerde oder ganz gewöhnlichen Steinen und Mineralien hergestellt wird, werden für Hightech-Keramik unter äußerst anspruchsvollen Bedingungen hochreine und fein kalibrierte Pulver aus Aluminiumoxid, Zirkoniumoxid und Siliziumnitrid mit perfekt gleichmäßiger Korngröße in eine bestimmte Form gebracht und dann bei hoher Temperatur gebrannt, um einen Gegenstand mit den gewünschten Abmessungen und Eigenschaften herzustellen.

Bei den von Rado entwickelten Verfahren wird ein Kunststoffträgermedium mit den Mineralpulvern gemischt, um das Einspritzen in Präzisionsformen mit einem Druck von etwa 1.000 bar zu ermöglichen. Nach dem Abkühlen werden die Teile aus der Form genommen und das Trägermaterial in einem Standardverfahren mit chemischen Lösungsmitteln aufgelöst, bevor sie bei 1.450 °C gesintert werden.

Dieses genau kontrollierte Sintern macht die außergewöhnliche Dichte und Härte der Hightech-Keramik im Vergleich zur herkömmlichen Keramik möglich.

Das Verfahren ist eine echte Herausforderung, denn die Abmessungen der ersten geformten Elemente schrumpfen während des Sinterns: die Partikel ziehen sich zusammen, da die Porosität verschwindet, und bei den genauen Berechnungen muss diese wesentliche Änderung der Abmessungen von etwa 23 Prozent berücksichtigt werden.

Das Ergebnis ist ein Gehäuse, das nun einen Wert von 1.250 auf der Vickers-Skala aufweist und damit zwischen gehärtetem Stahl und Diamant liegt. Sie ist praktisch unempfindlich gegen Kratzer sowie äußerst widerstandsfähig gegenüber Hitze, Druck sowie Korrosion und kann nur mit Diamantwerkzeugen bearbeitet werden.

1998: Plasma-Hightech-Keramik

Mit der Plasma-Hightech-Keramik, die 1998 bei der „Ceramica“ debütierte, ging Rado noch einen Schritt weiter und vereinte die Eigenschaften von Hightech-Keramik mit dem Glanz von Metall – ganz ohne metallische Bestandteile.

Dafür unterzieht Rado die fertigen weißen Keramikkomponenten einer Plasmabehandlung, bei der die molekulare Zusammensetzung der Keramik durch Gase verändert wird, die in einem speziell entwickelten Ofen durch eine Plasmaentladung bei 20.000 °C aktiviert werden. Dieser mehrstündige Prozess verändert die chemische Zusammensetzung, ohne jedoch die Struktur der Keramik zu beeinträchtigen. Ihre Eigenschaften bleiben vollständig erhalten.

2011: Ceramos

Nach der Aufnahme der Hightech-Keramik in das Standardprogramm des „Master of Materials“ konzentrierten sich die Rado-Ingenieure darauf, ihre bestehende Hightech-Keramik mit neuen Oberflächenbehandlungen und Farbtönen zu versehen und die Eigenschaften ihres charakteristischen, in der „DiaStar 1“ von 1962 verwendeten „Hartmetalls“ zu verfeinern und entwickelten so Cermet, ein keramisch-metallisches Verbundmaterial mit rund 90 Prozent Titancarbid. Es hat die Härteeigenschaften von Keramik und den Glanz sowie die Widerstandsfähigkeit einer Metalllegierung. Die Formen entstanden im Pressgussverfahren, wie für die erste Cermet-Uhr 1993, die „Sintra“.

Rado entwickelte in der Folgezeit erfolgreich ein Spritzgussverfahren für diese Legierung, und führte diese schließlich offiziell unter dem Namen Ceramos im Jahr 2011 ein. Eingesetzt wurde das Verfahren erstmals für die „D-Star“, eine Neuinterpretation der „DiaStar1“.

Durch Anpassung der Zusammensetzung und der Proportionen der Keramik- und Metallkomponenten konnte Rado eine Palette zusätzlicher metallischer Farben und Schattierungen zu schaffen. Der goldene, warme Ton von Titannitrid beispielsweise erzeugt goldfarbenes Ceramos, während andere metallische Verbindungen zur Herstellung von Roségold- oder anderen Farbtönen verwendet werden können.

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