INSIGHT-BUSINESS Market-Monitor
Konsumstimmung: Stabilisierung auf niedrigem Niveau
Die Verbraucherstimmung in Deutschland hellt sich im Sommer 2026 leicht auf, bleibt aber deutlich belastet. Das NIM-Konsumklima liegt nach den Erwartungen der Verbraucher für August bei –29,6 Punkten, nach revidiert –29,3 Punkten im Vormonat; auch das HDE-Konsumbarometer legt von 93,37 auf 94,77 Punkte zu, liegt aber weiter klar unter dem Vorjahresniveau. Entlastend wirkte zunächst die rückläufige Inflation: Destatis meldete für Juni 2,3 Prozent, nach 2,6 Prozent im Mai. Im Juli zog die Inflationsrate nach vorläufigen Angaben wieder auf 2,8 Prozent an.
Für den Handel entscheidend bleibt jedoch: Die Anschaffungsneigung verbessert sich kaum, die Sparneigung bleibt hoch. Die Zurückhaltung ist damit weniger eine reine Frage fehlender Kaufkraft, sondern vor allem Ausdruck von Vorsicht, politischer und geopolitischer Unsicherheit und einem weiterhin fragilen Arbeitsmarkt. Für das zweite Halbjahr ist daher eher mit einer langsamen Stabilisierung als mit einer spürbaren Konsumerholung zu rechnen.
Hard Facts Konsumstimmung:
–29,6 Punkte
NIM-Konsumklima für August 2026, minus 0,3 Punkte zum revidierten Vormonat.
94,77 Punkte
HDE-Konsumbarometer im Juli 2026, nach 93,37 Punkten im Juni.
2,8 Prozent
Vorläufige Inflationsrate im Juli 2026; im Juni lag sie bei 2,3 Prozent, im Mai bei 2,6 Prozent.
85,20 Punkte
HDE-Teilindikator Anschaffungsneigung; nur minimale Verbesserung gegenüber Juni.
0,5 bis 0,8 Prozent
Spanne wichtiger Prognosen für das deutsche BIP-Wachstum 2026, unter anderem Bundesbank/Bundesregierung 0,5 Prozent und ifo 0,8 Prozent.

Edelmetalle: Konsolidierung nach Rekordständen
Die Edelmetallpreise haben Anfang 2026 historische Höchststände erreicht und seit dem zweiten Quartal deutlich korrigiert. Besonders Gold stand im Fokus: Anfang Juli lag der Preis bei rund 4.100 bis 4.150 US-Dollar je Feinunze, nachdem er im Januar zeitweise über 5.500 US-Dollar gestiegen war. Anfang August zog Gold wieder deutlich an; am 7. August lag der Spotpreis laut Reuters bei rund 4.336 US-Dollar je Feinunze.
Belastend wirkten zuletzt höhere US-Renditen, ein starker US-Dollar und die Erwartung, dass die US-Zinsen länger hoch bleiben. Der jüngste Anstieg wurde dagegen durch schwächere US-Arbeitsmarktdaten, veränderte Zinserwartungen, anhaltende Nachfrage chinesischer Investoren und einen weicheren US-Dollar gestützt.
Nach der Korrektur im zweiten Quartal hat Gold im Bereich um 4.000 US-Dollar je Feinunze einen wichtigen Boden ausgebildet. Diese Marke gilt zunehmend als zentrale Unterstützung. Kurzfristig rückt damit die Zone um 4.175 US-Dollar in den Blick, die etwa dem 50-Tage-Durchschnitt entspricht. Ein nachhaltiger Anstieg über dieses Niveau wäre ein positives technisches Signal und könnte den Weg in Richtung des Juni-Hochs knapp unter 4.400 US-Dollar öffnen.
Bis Jahresende 2026 erwarten viele Analysten dennoch keine schnelle Rückkehr zu den Höchstständen, sondern eine schwankende Seitwärtsbewegung mit begrenztem Erholungspotenzial. Heraeus nennt für Gold eine Spanne von 3.750 bis 5.000 US-Dollar je Feinunze; einzelne Prognosen sehen Gold zum Jahresende im Bereich von rund 4.750 bis 5.000 US-Dollar. UBS erwartet inzwischen einen Goldpreis von 5.000 US-Dollar bis zur ersten Jahreshälfte 2027.
Die Schwankungen dürften damit hoch bleiben. Insgesamt spricht das Umfeld derzeit eher für eine Fortsetzung der Erholung als für eine schnelle Rückkehr unter die Marke von 4.000 US-Dollar.
Auch Silber hat nach dem starken Anstieg zu Jahresbeginn deutlich korrigiert. Der Preis bleibt schwankungsanfällig. Anfang August erholte sich Silber deutlich und lag am 7. August laut Reuters bei rund 63,29 US-Dollar je Feinunze. Damit notierte Silber bereits oberhalb der Heraeus-Prognosespanne von 43 bis 62 US-Dollar. Für 2026 wird erneut mit einem Angebotsdefizit gerechnet: Die Nachfrage würde das verfügbare Angebot aus Minenproduktion und Recycling damit zum sechsten Mal in Folge übersteigen. Kurzfristig kann der Silberpreis weiter stark schwanken; grundsätzlich stützt die knappe Versorgung jedoch den Preis und spricht eher gegen eine deutliche Entspannung.
Bei Platin wird ebenfalls ein angespannter Markt erwartet. Auch hier gehen Prognosen für 2026 von einem weiteren Defizit aus. Heraeus nennt für das Gesamtjahr eine Spanne von 1.300 bis 1.800 US-Dollar je Feinunze.
Hard Facts Edelmetalle 2026
Gold: Anfang Juli rund 4.100 US-Dollar je Feinunze; Anfang August rund 4.380 US-Dollar je Feinunze. Im Januar lag das Hoch bei knapp 5.600 US-Dollar. HSBC erwartet Gold zum Jahresende bei rund 4.750 US-Dollar.
Gold-Prognose: Heraeus nennt für 2026 eine Spanne von 3.750 bis 5.000 US-Dollar je Feinunze.
Silber: Nach dem Januarhoch hat Silber deutlich korrigiert, lag Anfang August aber wieder bei rund 63 US-Dollar je Feinunze.
Silber-Prognose: Heraeus erwartet für 2026 eine Spanne von 43 bis 62 US-Dollar je Feinunze. Der aktuelle Marktpreis liegt damit bereits leicht oberhalb dieser Prognosespanne.
Silbermarkt: Für 2026 wird das sechste Angebotsdefizit in Folge erwartet. Die Nachfrage würde damit erneut über dem verfügbaren Angebot liegen.
Platin: Heraeus prognostiziert für 2026 eine Spanne von 1.300 bis 1.800 US-Dollar je Feinunze und geht davon aus, dass die Nachfrage weiterhin höher ist als das Angebot.
Hinweis: aktuelle Kurse v. Anfang 8/26

Ausblick: Was bedeutet das?
Die Konsumstimmung bleibt im Spätsommer 2026 schwach. Das NIM-Konsumklima gibt für August leicht nach, während das HDE-Konsumbarometer zuletzt im Juli etwas zulegte. Die Anschaffungsneigung verbessert sich jedoch kaum. Zusätzliche politische Belastungen können diese Zurückhaltung weiter verstärken. Steuerliche Entlastungen werden durch höhere Abgaben und Gesundheitskosten teilweise aufgezehrt; vor allem die Mittelschicht bleibt unter Druck. Genau sie trägt viele Käufe im mittleren Preissegment zwischen Geschenk, Alltagsschmuck und erster hochwertiger Anschaffung.
Gleichzeitig bleiben die Edelmetallpreise ein zentraler Faktor. Gold hat sich nach der Korrektur im zweiten Quartal wieder stabilisiert und Anfang August deutlich erholt. Silber bleibt noch volatiler, zeigt aber ebenfalls Erholungstendenzen und wird zusätzlich durch das erwartete Angebotsdefizit gestützt. Für Schmuck bedeutet das: Eine schnelle Entspannung bei Materialkosten ist nicht zu erwarten. Kalkulation, Preisargumentation und Sortimentsplanung bleiben anspruchsvoll.
Damit entsteht für das zweite Halbjahr 2026 ein gemischtes Bild. Die Nachfrage dürfte vorsichtig bleiben, vor allem in der Mitte des Marktes. Gleichzeitig stützen hohe Materialwerte die Wertargumentation bei Gold, Platin und hochwertigem Schmuck. Produkte mit klar erkennbarem Gegenwert, guter Erklärung und nachvollziehbarer Materialität können davon profitieren. Schwieriger wird es dort, wo Preis, Design, Marke und Nutzen nicht eindeutig zusammenspielen.
Insgesamt verfestigt sich die Markttrennung: Ein Teil der Kundschaft spart, verschiebt Käufe oder weicht auf günstigere Produkte aus. Wohlhabendere Käufer bleiben im Premiumsegment aktiver – besonders dort, wo Marke, Material, Verfügbarkeit und Wertstabilität überzeugend zusammenspielen. Für Hersteller und Handel wird das zweite Halbjahr damit selektiv: Entscheidend sind klare Sortimente, belastbare Preisargumente und Produkte, die im Kundengespräch mehr bieten als nur Neuheit.
Quellen: NIM/GfK Konsumklima; HDE-Konsumbarometer/Handelsdaten.de; Destatis; Bundesregierung Frühjahrsprojektion 2026; ifo Institut/IfW Kiel; IFH Köln/BBE Handelsberatung Branchenbericht Schmuck & Uhren 2026; Watchtime/Luxury Watch Survey; Chrono24/YouGov/WatchCharts; Bain & Company Luxury Goods Worldwide Market Study; Heraeus Precious Metals Edelmetallprognose 2026; Reuters; HSBC; UBS Global Wealth Management; The Silver Institute/World Silver Survey 2026; LBMA; World Gold Council; BVSU; McKinsey/Business of Fashion – The State of Fashion 2026; Metals Focus.






