Nachhaltigkeit: Wasser und Schmuck
Wasser gehört zu den wenig beachteten Ressourcen der Schmuckherstellung. Die Verbindung ist auf den ersten Blick nicht offensichtlich, doch bei zahlreichen Arbeitsschritten – vom Polieren und Reinigen über das Galvanisieren bis zum Gießen – wird Wasser eingesetzt. Dabei geht es nicht nur um den Verbrauch, sondern auch um die Frage, welche Metalle, Chemikalien und Rückstände anschließend in das Abwasser gelangen.
Diesen bislang selten ausführlich behandelten Bereich stellt die Truly Precious Foundation an den Anfang einer neuen Webinarreihe zu Nachhaltigkeitsfragen in der Schmucklieferkette.
Eine junge Stiftung aus der Schmuckbranche
Truly Precious ist eine 2025 in Amsterdam gegründete gemeinnützige Stiftung. Sie sammelt, ordnet und vermittelt Wissen über Nachhaltigkeit in der Schmuckbranche und betreibt eine internationale Plattform für den Austausch zwischen Minen, Edelsteinhändlern, Goldschmieden, Herstellern, Marken, Wissenschaftlern und Branchenorganisationen.

Zu den Gründerinnen gehören die Nachhaltigkeitsberaterin und Wissenschaftlerin Danielle Keller Aviram sowie die Schmuckgestalterin Joy Harvey. Harvey ist Mitgründerin des mit B Corp zertifizierten Schmuckstudios La Luce und war 2025 Teilnehmerin der von Vacheron Constantin und dem Metropolitan Museum of Art initiierten Artisan Residency. Keller Aviram beschäftigt sich als Beraterin, Forscherin und Dozentin mit nachhaltigen Strategien in der Schmuck- und Modebranche.
Die Stiftung handelt selbst weder mit Schmuck noch mit Rohstoffen. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung von Fachwissen und dem Austausch über die komplexen Zusammenhänge innerhalb der Lieferkette.
Auftakt mit „Water & Jewellery“
Das erste Webinar der sechsteiligen Reihe trägt den Titel „Water & Jewellery“ und findet am 26. August 2026 um 16 Uhr statt. Gemeinsam mit der Süßwasserexpertin Olga Denyshchyk untersucht Truly Precious, an welchen Stellen Wasser in der Schmuckherstellung verwendet wird und was nach den jeweiligen Prozessen damit geschieht.
Denyshchyk arbeitet seit mehr als zehn Jahren an Süßwasserprojekten in Europa und Asien. Sie verfügt über Abschlüsse in Ökologie sowie Umweltstudien und Umweltmanagement und war unter anderem für das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und den WWF tätig.
Im Webinar geht es um Wasserverbrauch, Abwassermanagement und mögliche Kontaminationsrisiken. Berücksichtigt werden sowohl die Arbeit an einer einzelnen Goldschmiedebank als auch die Abläufe in kleineren Produktionsstätten. Unterstützt wird die Reihe von SCS Global Services, einem international tätigen Anbieter von Nachhaltigkeitsstandards, Prüfungen und unabhängigen Zertifizierungen.
Alle sechs Webinare sind kostenlos, werden aufgezeichnet und anschließend über die Plattform von Truly Precious zur Verfügung gestellt. Für die Teilnahme ist eine Registrierung in der ebenfalls kostenlosen Online-Community von Truly Precious erforderlich.

Ein bislang wenig sichtbarer Teil der Lieferkette
Die Nachhaltigkeitsdiskussion der Schmuckbranche konzentriert sich meist auf die Herkunft von Gold, Diamanten und Farbedelsteinen. Im Mittelpunkt stehen Abbaubedingungen, Rückverfolgbarkeit und Zertifizierungen. Wie die Materialien nach ihrer Gewinnung weiterverarbeitet werden, ist öffentlich deutlich weniger präsent.
Das Thema Wasser macht sichtbar, dass die ökologische Betrachtung eines Schmuckstücks nicht bei der Rohstoffquelle endet. Zwischen Mine und fertigem Produkt liegen zahlreiche Verarbeitungsschritte, deren Auswirkungen häufig schwerer zu erfassen sind. Wasser verbindet dabei unterschiedliche Ebenen der Lieferkette: Es spielt bereits beim Rohstoffabbau eine Rolle, wird aber ebenso in Werkstätten, Galvanikbetrieben und Manufakturen benötigt.
Der Informationswert der Webinarreihe liegt deshalb vor allem darin, diesen wenig sichtbaren Teil der Schmuckproduktion verständlicher zu machen. Sie erweitert die Diskussion um eine Ressource, ohne die viele handwerkliche und industrielle Prozesse nicht möglich wären, die am fertigen Schmuckstück selbst jedoch kaum noch wahrnehmbar ist.





