Geneva Watch Days 2026: Sechs Neuheiten zwischen Klang, Karbon und Sternenhimmel

Die Geneva Watch Days 2026 bringen zahlreiche Neuheiten unabhängiger Manufakturen nach Genf. Sechs Modelle zeigen besonders deutlich, wie unterschiedlich zeitgenössische Haute Horlogerie heute gedacht wird: als Ingenieursprojekt ohne klassische Dichtungen, als Verbindung französischer Handwerkskultur, als ultraleichte Karbonkonstruktion oder als klangvolle Grande Complication.

Mauron Musy MU05-111 nO-Ring Origin: Die Entwicklungsskizze am Handgelenk

Mauron Musy erinnert mit der MU05-111 nO-Ring Origin an zehn Jahre seiner patentierten Dichtungstechnik. Ausschnitte aus den ursprünglichen handschriftlichen Berechnungen von Christophe Musy erscheinen auf einer sandgestrahlten schwarzen Platte innerhalb des skelettierten Zifferblatts. Da jede der 13 Uhren einen anderen Ausschnitt trägt, gleicht kein Exemplar vollständig dem anderen. Die Handschrift setzt sich als Lasergravur auf dem Armband fort.

Mauron Musy MU05-111 nO-Ring Origin
Mauron Musy MU05-111 nO-Ring Origin. Bild: Mauron Musy

Das 44 Millimeter große und 13 Millimeter hohe Gehäuse besteht aus 29 Komponenten aus Titan Grade 5. Die mechanische nO-Ring-Konstruktion erreicht 300 Meter Wasserdichtigkeit ohne herkömmliche Gummidichtungen. Im Inneren arbeitet das automatische, skelettierte Kaliber MM01-SK mit 55 Stunden Gangreserve. Die auf 13 Exemplare limitierte MU05-111 kostet 34.000 Schweizer Franken; eine zweite Ausführung namens MU05-112 soll später folgen.

Detailansicht der Mauron Musy MU05-111 nO-Ring Origin
Detail der MU05-111 nO-Ring Origin. Bild: Mauron Musy

Trilobe Château Trente-Deux: Burgunderrot und ein französischer Grand Cru

Bei Trilobe trifft Uhrmacherei auf Weinkultur. Die Château Trente-Deux erhält ein burgunderrotes Zifferblatt und verbindet damit zwei französische Handwerkstraditionen. Die ersten 100 Exemplare werden graviert und zusammen mit einer von der Maison ausgewählten Flasche Grand Cru ausgeliefert. Anschließend bleibt die Variante regulärer Bestandteil der Trente-Deux-Kollektion.

Trilobe Château Trente-Deux
Trilobe Château Trente-Deux. Bild: Trilobe

Das 39,5 Millimeter große Edelstahlgehäuse ist 10,15 Millimeter hoch und bis 50 Meter wasserdicht. Statt klassischer Zeiger zeigen drei rotierende Elemente Stunden, Minuten und Sekunden an. Das automatische Manufakturkaliber X-Nihilo arbeitet mit vier Hertz und bietet 42 Stunden Gangreserve. Es ist durch den Saphirglasboden sichtbar und trägt eine roségoldfarbene Beschichtung. Der Preis liegt bei 17.500 Euro.

Trilobe Château Trente-Deux mit burgunderrotem Zifferblatt
Château Trente-Deux als Freisteller. Bild: Trilobe

David Candaux DC6 Wildfire: Morgenlicht auf Titan

Die DC6 Wildfire überträgt einen kurzen Moment aus dem Vallée de Joux auf das Zifferblatt: das orangefarbene Licht, das bei Sonnenaufgang zunächst die Baumspitzen des Risoux erfasst. Die gewölbte Titanfläche wird von Hand mit einem Sonnenschliff versehen und anschließend orange anodisiert. Das Blau des ebenfalls anodisierten Tourbillonkäfigs setzt einen bewussten Kontrast.

David Candaux DC6 Wildfire
David Candaux DC6 Wildfire. Bild: David Candaux

Das 45 Millimeter große Gehäuse kombiniert eine wasserdichte Titankammer mit einer Verkleidung aus unidirektionalem Karbon. Trotz seiner Größe wiegt die Uhr nur 45 Gramm. Das Handaufzugskaliber H74 besitzt Brücken und Platine aus Titan Grade 5 sowie ein um 30 Grad geneigtes fliegendes Tourbillon. Die Gangreserve beträgt 55 Stunden; die versenkbare „Magic Crown“ sitzt bei sechs Uhr. Acht Exemplare entstehen, der Preis beträgt 248.000 Schweizer Franken ohne Steuern.

Detailansicht der David Candaux DC6 Wildfire
Detail der DC6 Wildfire. Bild: David Candaux

De Bethune DB25 Digitale: Springende Stunde unter dem Sternenhimmel

De Bethune interpretiert mit der DB25 Digitale eine ungewöhnliche Form der Zeitanzeige neu. Die Stunde erscheint digital und springend, die Minuten laufen auf einer rotierenden Scheibe, während eine kugelförmige Mondphase das Zentrum besetzt. Insgesamt setzt sich das Zifferblatt aus 82 Elementen zusammen. Gerstenkorn-Guillochierung, zufällige Guillochierung auf gebläutem Titan und verschiedene Hitzefärbungen erzeugen den Eindruck einer nächtlichen Landschaft.

De Bethune DB25 Digitale mit springender Stunde und Mondphase
De Bethune DB25 Digitale. Bild: De Bethune

Die Mondphase kombiniert eine Palladiumhälfte mit einer flammgebläuten Stahlhälfte und weicht erst nach 1.112 Jahren um einen Tag ab. Hinter dem Saphirglasboden arbeitet die dritte Generation des Handaufzugskalibers DB2144. Zu seinen technischen Merkmalen zählen ein selbstregulierendes Doppelfederhaus, eine Unruh aus Titan und Graugold sowie das dreifache Pare-Chute-Stoßsicherungssystem. Das spiegelpolierte Titangehäuse misst 42 Millimeter.

Detail des Zifferblatts der De Bethune DB25 Digitale
Zifferblattdetail der DB25 Digitale. Bild: De Bethune

Daniel Roth Extra Plat Rose Gold Gilt: Gold unter tiefem Schwarz

Daniel Roth stellt beim Extra Plat Rose Gold Gilt eine historische Zifferblatttechnik in den Mittelpunkt. Römische Ziffern, Markenname und individuelle Nummer werden vor der galvanischen Schwärzung mit Lack abgedeckt. Nach dessen Entfernung tritt an diesen Stellen die massive Goldbasis wieder hervor. Die Anzeigen sind damit nicht aufgedruckt, sondern entstehen als ausgesparte Flächen unter der schwarzen Oberfläche. Ein von Hand auf der Rosettenmaschine ausgeführtes Streifen-Guilloché verstärkt die räumliche Wirkung.

Daniel Roth Extra Plat Rose Gold Gilt
Daniel Roth Extra Plat Rose Gold Gilt. Bild: Daniel Roth

Das charakteristische Doppel-Ellipsen-Gehäuse aus 5N-Roségold misst 38,6 mal 35,5 Millimeter und ist 7,7 Millimeter hoch. Durch den Glasboden ist das eigens für die Extra Plat entwickelte Handaufzugskaliber DR002 sichtbar. Es besteht aus 143 Komponenten, arbeitet mit vier Hertz und bietet 65 Stunden Gangreserve. Die ab September 2026 verfügbare Uhr kostet 55.000 Schweizer Franken ohne Steuern; die Stückzahl wird durch die Fertigungskapazität begrenzt.

Daniel Roth Extra Plat Rose Gold Gilt als Freisteller
Extra Plat Rose Gold Gilt als Freisteller. Bild: Daniel Roth

Gérald Genta Geneva Minute Repeater: Goldener Obsidian und warmer Klang

Auf die 2025 vorgestellte Ausführung mit schwarzem Onyx folgt die Geneva Minute Repeater Golden Obsidian. Das natürliche vulkanische Glas zeigt braune und goldene Einschlüsse, die bei jedem Zifferblatt anders verlaufen. Das 40 Millimeter große und 9,6 Millimeter hohe Kissengehäuse besteht aus 3N-Gelbgold. Seine dünnen Wände, innen ausgehöhlten Bauteile und das auf 0,8 Millimeter reduzierte Saphirglas wurden gezielt auf die Klangübertragung abgestimmt.

Gérald Genta Geneva Minute Repeater Golden Obsidian
Geneva Minute Repeater Golden Obsidian. Bild: Gérald Genta

Das Handaufzugskaliber GG-002 entstand bei La Fabrique du Temps Louis Vuitton. Seine Tonfedern werden einzeln zugeschnitten und von Hand sowie nach Gehör abgestimmt. Schwarz polierte Hämmer schlagen die klassische, einmal umlaufende Tonfeder an. Das aus 316 Komponenten bestehende Werk arbeitet mit drei Hertz und erreicht 80 Stunden Gangreserve. Der Preis der ab September 2026 erhältlichen Minutenrepetition wird nur auf Anfrage genannt.

Sechs Wege zur modernen Haute Horlogerie

Die sechs Neuheiten verbindet weniger ein gemeinsamer Stil als eine ähnliche Haltung. Jede setzt auf einen klar erkennbaren eigenen Schwerpunkt: Mauron Musy auf konstruktive Dichtungstechnik, Trilobe auf eine neue Anzeige, David Candaux auf Materialarchitektur, De Bethune auf eine poetische Komposition komplexer Anzeigen, Daniel Roth auf historische Zifferblattarbeit und Gérald Genta auf die akustische Gestaltung einer Minutenrepetition. Gerade diese Vielfalt macht die Geneva Watch Days zu einer Bühne für unabhängige Marken innerhalb der Haute Horlogerie.

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