Uhren-News kompakt: Venezianico, MB&F und Lederer
Diese Ausgabe der Uhren-News kompakt verbindet drei unterschiedliche Vorstellungen zeitgemäßer Uhrmacherei. Venezianico setzt bei der Redentore Levius auf geringes Gewicht, italienische Mechanik und ein von Hand guillochiertes Zifferblatt. MB&F interpretiert seine ungewöhnlich zurückhaltende SP One mit Weißgold und 255 Diamanten neu. Lederer wiederum macht aus einer mathematischen Idee die räumliche Struktur eines Zifferblatts.
In dieser Ausgabe: Venezianico, MB&F, Lederer
Venezianico Redentore Levius: Leichtigkeit als Konzept
Mit der Redentore Levius überträgt Venezianico die klassisch geprägte Linie der Kollektion auf ein besonders leichtes Modell. Das 38 Millimeter große Gehäuse besteht aus Titan Grad 5, ist 8,9 Millimeter hoch und wiegt ohne Band 40 Gramm. Zusammen mit dem italienischen Lederband bringt die Uhr 48 Gramm auf die Waage.

Titan wird bei eleganten Uhren meist zurückhaltend satiniert oder gestrahlt. Venezianico kombiniert dagegen gebürstete und polierte Flächen. Damit bleibt die klare, neoklassisch geprägte Form der Redentore erhalten, während das geringe Gewicht die Wahrnehmung am Handgelenk verändert.
Zefiro: Wind als Guilloché-Muster
Im Mittelpunkt steht das Zifferblatt mit dem eigens entwickelten Muster „Zefiro“. Benannt ist es nach Zephyros, dem milden Westwind der griechischen Mythologie. Die wellenförmigen Linien sollen weniger den Wind selbst als dessen Bewegung über die Oberfläche sichtbar machen.

Jedes Zifferblatt wird von Linda Renzetti auf einer Rosettenmaschine aus der Mitte des 19. Jahrhunderts von Hand guillochiert. Druck, Rhythmus und Vorschub werden dabei vollständig manuell gesteuert. Da sich einmal gezogene Linien nicht korrigieren lassen, entstehen trotz der präzisen Geometrie kleine Unterschiede zwischen den einzelnen Zifferblättern.
Angetrieben wird die Levius vom Handaufzugskaliber V5000. Das von OISA gefertigte Werk wurde von Fausto Berizzi und Venezianicos technischem Direktor Andrea Menegazzo entwickelt und vollständig in Italien hergestellt. Durch den Verzicht auf einen Automatikrotor bleibt die Konstruktion flach und das Werk durch den Saphirglasboden frei sichtbar.

Die ersten 100 Exemplare werden einzeln nummeriert und sind laut Hersteller sofort verfügbar. Weitere 100 Uhren sollen innerhalb eines Monats folgen; für spätere Bestellungen nennt Venezianico eine Lieferzeit von bis zu fünf Monaten. Der Preis beträgt 4.750 Euro.
MB&F SP One Pavée: Diamanten rahmen das Werk
MB&F übersetzt die zurückhaltende Architektur der SP One in eine kostbarere Ausführung. Die neue SP One Pavée besitzt ein 38 Millimeter großes und 12 Millimeter hohes Gehäuse aus 18-karätigem Weißgold. Insgesamt 255 Diamanten mit zusammen 1,608 Karat verteilen sich auf Gehäuse, Höhenring, Krone und Schließe.

Die Fassung folgt den Rundungen der Uhr, anstatt ihre Architektur flächig zu überdecken. Dadurch bleibt der Blick auf die drei charakteristischen Kreise der Konstruktion frei: Federhaus, Unruh und die bei sechs Uhr geneigte Zeitanzeige scheinen im Zentrum zu schweben. Bei der Pavée-Ausführung wechselt deren zuvor schwarzes Finish zu einem dunklen Blau.
Im Inneren arbeitet das bekannte Handaufzugswerk der SP One. Es besteht aus 189 Komponenten, arbeitet mit 2,5 Hertz und bietet 72 Stunden Gangreserve. Handanglierte Räder, polierte Fasen und von Hand ausgeführte Gravuren gehören weiterhin zum Finissage-Konzept. Die Brücken sind bei der Pavée-Version rhodiniert und nehmen damit den kühlen Ton von Weißgold und Diamanten auf.

Mit der SP One hatte MB&F 2025 eine ungewöhnlich klassische Seite gezeigt. Das Modell ist die bislang kleinste und flachste Armbanduhr der Genfer Marke und steht zwischen den experimentellen Horological Machines und den stärker traditionsbezogenen Legacy Machines. Die neue Ausführung bewahrt diese Proportionen, verändert mit ihrer Diamantfassung aber deutlich die Präsenz. Der Preis beträgt 85.000 Euro zuzüglich Steuern.
Lederer CIC EinStein 44: Mathematik wird zum Zifferblatt
Mit der CIC EinStein 44 überträgt Lederer eine mathematische Idee in die Uhrmacherei. Ausgangspunkt ist die lange offene Frage, ob sich eine Fläche mit nur einer geometrischen Grundform lückenlos füllen lässt, ohne dass sich das entstehende Muster regelmäßig wiederholt. Bei Lederer wird dieses Prinzip nicht lediglich aufgedruckt: Die Geometrie bildet die räumliche Struktur des Zifferblatts.

Feine Stege trennen die einzelnen Formen voneinander. Drei unterschiedliche Reliefebenen geben der Fläche Tiefe und sorgen dafür, dass sich das Muster abhängig von Blickwinkel und Lichteinfall verändert. So entsteht keine flache grafische Dekoration, sondern eine plastische Komposition.

Jedes Zifferblatt basiert auf einem anderen Ausschnitt derselben fortlaufenden geometrischen Folge. Die Anordnung bleibt dadurch Teil eines gemeinsamen mathematischen Systems, ohne sich von Uhr zu Uhr exakt zu wiederholen. Die CIC EinStein 44 verbindet damit abstrakte Mathematik, handwerkliche Umsetzung und mechanische Uhrmacherei zu einem eigenständigen Entwurf.







