Schweizer Uhrenexporte: Der Aufwärtstrend hält – aber die Märkte verschieben sich
Die Schweizer Uhrenexporte steigen im August um 9,1 Prozent. Nach dem starken Juni und Juli verdichten sich damit die Zeichen einer Stabilisierung. Gleichzeitig zeigen die einzelnen Märkte weiterhin erhebliche Verschiebungen.
Die Schweizer Uhrenindustrie setzt ihre zuletzt positive Exportentwicklung fort. Im August 2026 stiegen die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahresmonat um 9,1 Prozent auf 1,789 Milliarden CHF. In den ersten acht Monaten des Jahres summierten sich die Exporte damit auf 17,24 Milliarden CHF – 1,7 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Bemerkenswert ist vor allem die Entwicklung der vergangenen Monate. Nach dem deutlichen Einbruch im April um 16,6 Prozent folgte im Mai zunächst ein leichtes Plus von 0,4 Prozent. Im Juni legten die Exporte um 11,2 Prozent zu, im Juli um 9,6 Prozent. Mit dem August steht nun der dritte Monat in Folge mit einem deutlichen Wachstum.
Auch der gleitende Zwölfmonatsdurchschnitt liegt laut Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH erstmals seit zwei Jahren wieder im positiven Bereich.
USA bremsen – China dreht ins Plus
Allerdings bleibt das Bild zwischen den wichtigsten Exportmärkten ausgesprochen uneinheitlich.
Besonders auffällig ist der US-Markt. Nachdem die Exporte im Juli noch um 26,5 Prozent gestiegen waren, gingen sie im August um 19,4 Prozent auf 197,5 Millionen CHF zurück. Die USA bleiben damit zwar der wichtigste Einzelmarkt, zugleich zeigen die starken monatlichen Ausschläge, wie sehr die Exportstatistik derzeit von Vorzieheffekten, Lagerbewegungen und handelspolitischen Veränderungen beeinflusst wird.
In China zeigt sich dagegen erstmals seit längerem ein anderes Bild. Die Exporte stiegen im August um 15,8 Prozent auf 133,5 Millionen CHF. Noch im Juli waren sie um 18,5 Prozent zurückgegangen, im Juni um 16,5 Prozent und im Mai um 21,4 Prozent.
Ein einzelner Monat bedeutet noch keine Trendwende. Nach der langen Schwächephase ist das August-Ergebnis dennoch bemerkenswert. Erst im August hatte die Schweiz den Abschluss der Verhandlungen über die Optimierung ihres Freihandelsabkommens mit China bekanntgegeben. Dieses kann die Rahmenbedingungen für Schweizer Uhren künftig verbessern, ist jedoch noch nicht in Kraft. Das aktuelle Exportplus lässt sich daher nicht auf das Abkommen zurückführen.
Auch Japan entwickelte sich mit einem Plus von 22,1 Prozent deutlich positiv. Hongkong legte um 1,4 Prozent zu, Singapur um 8,5 Prozent.
Deutschland mit deutlichem Plus
Auch Deutschland meldet im August eine kräftige Gegenbewegung. Die Schweizer Uhrenexporte stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 34 Prozent.
Damit dreht sich auch hier das Bild zunächst deutlich: Im Mai waren die Exporte nach Deutschland noch um 18 Prozent, im Juni um 10,6 Prozent zurückgegangen. Ob der August bereits eine nachhaltige Verbesserung signalisiert, lässt sich daraus allerdings noch nicht ableiten.
Noch schwieriger ist die Interpretation der europäischen Märkte insgesamt. Großbritannien legte um 46,1 Prozent zu, während Frankreich sogar ein Plus von 113,5 Prozent verzeichnete. Italien verlor dagegen 40,4 Prozent.
Der Verband selbst mahnt deshalb zur Vorsicht. Insbesondere die außergewöhnliche Entwicklung Frankreichs spiegelt seit einigen Monaten nicht allein die dortige Nachfrage wider. Das Land hat als Logistikdrehscheibe an Bedeutung gewonnen, wodurch sich Warenströme zwischen europäischen Märkten verschieben können.
Wachstum oben und unten – Mitte bleibt schwierig
Interessant bleibt auch die Entwicklung der Preissegmente.
Uhren mit einem Exportpreis unter 200 CHF legten im August um 13,3 Prozent zu. Das Segment zwischen 200 und 500 CHF wuchs um 6,1 Prozent.
Am anderen Ende des Marktes stiegen die Exporte von Uhren mit einem Exportpreis über 3.000 CHF um 10,2 Prozent. Dagegen ging das Segment zwischen 500 und 3.000 CHF erneut leicht um 0,9 Prozent zurück.
Damit setzt sich ein Muster fort, das bereits in den vergangenen Monaten zu beobachten war: Wachstum findet vor allem an den beiden Enden des Marktes statt, während das mittlere Segment Schwierigkeiten hat. Im Juli waren die Exporte zwischen 500 und 3.000 CHF bereits um 3,9 Prozent zurückgegangen.
Insgesamt wurden im August rund 95.000 Uhren mehr exportiert als im entsprechenden Vorjahresmonat. Sämtliche Materialgruppen verzeichneten wertmäßig Zuwächse.
Stabilisierung ja – Entwarnung noch nicht
Nach dem schwachen Jahresbeginn und dem massiven Rückgang im April hat sich das Bild der Schweizer Uhrenexporte innerhalb weniger Monate deutlich verändert. Nach acht Monaten liegt 2026 inzwischen 1,7 Prozent über dem Vorjahr.
Noch wichtiger als dieses moderate Plus ist die Richtung: Drei deutlich positive Monate in Folge und ein erstmals seit zwei Jahren wieder positiver gleitender Zwölfmonatsdurchschnitt sprechen dafür, dass die lange Schwächephase zumindest an Dynamik verloren hat.
Von einer breit getragenen Erholung zu sprechen, wäre dennoch zu früh. Dafür sind die Unterschiede zwischen den Märkten zu groß. Die USA bleiben volatil, die europäischen Zahlen sind teilweise durch veränderte Warenströme verzerrt und China muss erst zeigen, ob das August-Plus mehr als eine Gegenbewegung nach schwachen Vergleichsmonaten ist.
Der August liefert damit ein weiteres positives Signal – aber noch keinen Beleg für eine nachhaltige Trendwende.
Quelle: Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH






