Uhren-News Haute Horlogerie: Jacob & Co., Ressence und URWERK
Ein Schlagwerk mit Kathedralgongs, eine ölgefüllte Anzeige mit magnetischem Antrieb und Stundenprismen, die sich bei jedem Stundenwechsel neu ordnen: Jacob & Co., Ressence und URWERK zeigen drei unterschiedliche Wege anspruchsvoller mechanischer Uhrmacherei.
Jacob & Co.: Palatial Flying Tourbillon Minute Repeater
Jacob & Co. kehrt zu seiner ersten Minutenrepetition zurück. Zwölf Jahre nach dem ursprünglichen Modell verbindet die neue Palatial Flying Tourbillon Minute Repeater zwei klassische Komplikationen mit einem neu entwickelten Handaufzugswerk – und setzt klanglich auf lange Kathedralgongs sowie einen geräuscharmen Regulator.
Rückkehr nach zwölf Jahren
Die erste Palatial Flying Tourbillon Minute Repeater erschien 2014 und markierte für Jacob & Co. den Einstieg in die Welt der Schlagwerke. Zum 40-jährigen Bestehen der Marke wird das Konzept nun neu aufgelegt. Die Edition ist auf zwölf Exemplare limitiert – eines für jedes Jahr seit der Premiere.

Das Gehäuse besteht aus 18-karätigem Rotgold. Dahinter liegt ein rotes Zifferblatt aus Mineralglas mit applizierten Rotgoldindizes. Ein Notenschlüssel bei neun Uhr verweist auf die akustische Komplikation; die skelettierten Zeiger orientieren sich in ihrer Form an einem Metronom.
Minutenrepetition mit Kathedralgongs
Ein Schieber im Gehäuserand spannt das Schlagwerk. Nach dem Loslassen erklingen tiefe Töne für die Stunden, abwechselnd hohe und tiefe Töne für die Viertelstunden sowie hohe Töne für die verbleibenden Minuten. Zwei Hämmer schlagen dazu auf zwei Kathedralgongs.

Die Gongs umlaufen einen größeren Teil des Werks als konventionelle Ausführungen und sollen dadurch länger nachschwingen. Sie werden geformt, gehärtet, montiert und von Hand nach Gehör abgestimmt. Neu ist außerdem ein Fliehkraftregler, der die Schlagfolge kontrolliert, ohne sie durch eigene mechanische Geräusche zu überlagern.
Neues Kaliber JCCM04
Das Handaufzugskaliber JCCM04 folgt auf das JCBM03 des ersten Modells. Es vereint die Minutenrepetition mit einem fliegenden Tourbillon, dessen Käfig bei sechs Uhr einmal pro Minute rotiert. Das Werk besteht aus 308 Komponenten und 29 Lagersteinen, arbeitet mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde und erreicht 90 Stunden Gangreserve.
Durch den Saphirglasboden bleiben die Hämmer, Gongs und große Teile der Mechanik sichtbar. Côtes de Genève, polierte Anglierungen und fein gezogene Kanten prägen die Finissierung. Der Preis liegt bei 390.000 US-Dollar.
Ressence TYPE 10: Öl, Magnete und ein eigenes Kaliber
Mit der TYPE 10 verbindet Ressence erstmals sein ölgefülltes Anzeigesystem mit einem eigenständig entwickelten Automatikkaliber. Das RW-04 arbeitet in einem trockenen Bereich des Gehäuses, während das ROCS-10-Modul durch Öl gleitet. Die Kraftübertragung erfolgt kontaktlos über Magnete.

Zwei getrennte Welten im selben Gehäuse
Das Kaliber RW-04 besteht aus 252 Komponenten und läuft in Luft. Darüber befindet sich das aus 196 Bauteilen aufgebaute ROCS-10-Anzeigemodul im Ölbad. Zwei Magnetsätze liegen nur 0,2 Millimeter auseinander; getrennt werden sie durch eine 0,1 Millimeter dünne Titanmembran. Eine mechanische Welle oder Gehäuseöffnung zwischen den beiden Bereichen ist nicht erforderlich.

60 Stunden aus zwei Federhäusern
Das automatische RW-04 nutzt zwei Federhäuser und bietet 60 Stunden Gangreserve. Ressence entwickelte das Werk speziell für die TYPE 10 und nicht als nachträgliche Anpassung eines bestehenden Kalibers. Die auf 100 Exemplare limitierte TYPE 10 DN wird im Rahmen der WatchTime New York vorgestellt und soll ab November 2026 erhältlich sein.
URWERK UR-300 Time Quantum: Stundenwechsel als Neuordnung
Mit der UR-300 Time Quantum verändert URWERK die vertraute Satellitenanzeige der Marke. Zwei lineare Stundenmodule stehen rechtwinklig zueinander und bilden einen T-förmigen Aufbau. Beim Stundenwechsel springen die Anzeigen nicht rückwärts, sondern ordnen sich in einem kurzen Vorwärtssprung vollständig neu.

Vier Prismen und ein kurzer Vorwärtssprung
Vier dreiseitige Stundenprismen durchlaufen die Anzeige. Die Minuten werden über einen 108 Grad großen Bogen von null bis 60 dargestellt. Drei kleine Sekundenanzeigen decken jeweils 20 Sekunden auf einem 120-Grad-Bogen ab. Aus diesen Bewegungen entsteht eine Anzeige, die weniger wie ein klassisches Zifferblatt als wie ein laufendes mechanisches Modell wirkt.
Der Wechsel zur nächsten Stunde bildet den zentralen Moment: Die sichtbaren Komponenten bewegen sich vorwärts, lösen ihre bisherige Konfiguration auf und setzen sich für die folgende Stunde neu zusammen. URWERK knüpft damit an die wandernde Stundenanzeige an, ersetzt den bekannten retrograden Rücksprung jedoch durch einen neuen Bewegungsablauf.

Titan und regulierte Aufzugsenergie
Das satinierte und mikrogestrahlte Gehäuse aus Titan Grade 5 misst 45,2 × 58,8 Millimeter und ist 18,25 Millimeter hoch. Saphirgläser mit Antireflexbeschichtung öffnen den Blick auf die Anzeige. Flexible Bandanstöße aus eloxiertem Aluminium verbinden das Gehäuse mit einem Nylonband; hinzu kommt ein neu entwickelter Kronenschutz.
Im Inneren arbeitet das automatische Kaliber UR-30.01 mit 40 Lagersteinen, 4 Hertz und 43 Stunden Gangreserve. Das patentierte Dual-Flow-Turbines-System reguliert den Aufzug und schützt das Werk vor zu hoher Belastung. Die verschraubte Krone besitzt zwei Positionen, die Wasserdichtigkeit beträgt 30 Meter.






