Glänzende Exportzahlen, verhaltener Handel
Was die BVSU-Zahlen für Oktober 2025 und das Weihnachtsgeschäft 2025 über die Schmuck- und Uhrenbranche verraten
Die aktuellen Zahlen des BVSU für Oktober 2025 zeichnen auf den ersten Blick auch wieder ein positives Bild: Deutsche Schmuck- und Uhrenexporte erreichen neue Höchststände, insbesondere im Schmucksegment. Mit rund 679 Millionen Euro markieren die Schmuckexporte den höchsten Monatswert seit 2021, auch die Uhrenexporte liegen klar über dem Vorjahresniveau.
Doch diese internationale Stärke steht in einem auffälligen Kontrast zur Stimmung im stationären Handel, insbesondere im Weihnachtsgeschäft 2025.


Exportstärke bleibt – Importdruck wächst
Auf der Außenhandelsseite bestätigt sich ein bekanntes Muster: Während die Exporte wachsen, ziehen auch die Importe deutlich an. Im Schmuckbereich übersteigen sie im Oktober 2025 klar die Exporte desselben Monats. Das weist auf einen intensiveren Wettbewerb im deutschen Markt hin und erhöht den Margendruck entlang der Wertschöpfungskette.
Diese Entwicklung war bereits Thema des INSIGHT-LUXURY-Beitrags „Glänzende Zahlen – und doch wachsende Sorgen“: International ist die Nachfrage nach Schmuck und Uhren „Made in Germany“ vorhanden, doch das Marktumfeld wird komplexer, kosten- und wettbewerbsintensiver.


Der Handel: Zurückhaltende Konsumstimmung trotz hoher Erwartungen
Während die Außenhandelszahlen Stärke signalisieren, zeigt sich der Einzelhandel zum Jahresende deutlich verhaltener. Eine Trendumfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) unter rund 300 Unternehmen macht deutlich, dass das Weihnachtsgeschäft noch bis kurz vor dem vierten Advent für viele Händler enttäuschend verlief.
- 62 Prozent der befragten Händler waren mit den Umsätzen zu diesem Zeitpunkt unzufrieden,
- nur 23 Prozent zeigen sich zufrieden.
- Insgesamt bewerteten lediglich 17 Prozent den Verlauf des Weihnachtsgeschäfts positiv, während 66 Prozent unzufrieden waren.
Als zentraler Belastungsfaktor werden gesunkene Kundenfrequenzen genannt: 71 Prozent der Händler berichten von weniger Besucherinnen und Besuchern als im Vorjahr. Zwar zeigten sich an einzelnen Tagen – insbesondere samstags – leichte Belebungen in Innenstädten, wovon Spielwaren-, Buch- und Bekleidungshandel teilweise profitierten, doch von einem durchgängigen Aufschwung kann keine Rede sein.
Noch liegen uns keine Zahlen aus der Branche vor, daher bleibt abzuwarten, ob diese Einschätzungen auch für den Uhren- und Schmuckhandel gelten, doch dürfte der Trend auch hier in eine vergleichbare Richtung gehen.
(Quelle: HDE Meldung vom 21.12.2025)
Parallelen und Brüche zwischen Außenhandel und Binnenmarkt
Die Gegenüberstellung von BVSU- und HDE-Zahlen zeigt eine zentrale Spannung:
Die Branche produziert und exportiert erfolgreich – der Binnenmarkt konsumiert jedoch zurückhaltend.
Diese Diskrepanz lässt sich nicht als Widerspruch, sondern als strukturelle Verschiebung lesen. Während internationale Märkte weiterhin Nachfrage generieren, bleibt die Konsumstimmung im Inland angespannt. Preisbewusstsein, Unsicherheit und selektives Kaufverhalten prägen das Bild – Faktoren, die besonders den stationären Handel treffen.
Ob der Endspurt bis Heiligabend sowie die traditionell umsatzstarken Tage zwischen Weihnachten und Neujahr sowie in den ersten Januartagen, wenn Gutscheine eingelöst und Bargeldgeschenke ausgegeben werden, noch etwas zur Zufriedenheit beitragen kann, werden wir in den kommenden Tagen sehen. Für das Gesamtjahr erwartet der HDE im November und Dezember einen Einzelhandelsumsatz von 126,2 Milliarden Euro, ein nominales Plus von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr – solide, aber ohne echte Dynamik.
Die aktuellen Zahlen zeigen eine fragile Balance
International bleibt Nachfrage bestehen, national jedoch wird selektiver gekauft. Hochwertige, erklärungsbedürftige Produkte benötigen klare Positionierung, Vertrauen und Mehrwertargumente – reine Präsenz reicht nicht mehr aus.
Exporterfolge und Importdruck treffen auf einen vorsichtigen Binnenmarkt. Hinzu kommen weiterhin hohe und volatile Edelmetall- und Materialpreise, die Kalkulationen erschweren und Margen zusätzlich unter Druck setzen. Für Hersteller, Marken und Händler bedeutet das: Wachstum muss strategisch abgesichert werden – durch Differenzierung, klare Wertversprechen und ein realistisches Verständnis der Konsumstimmung.
Zu den Zahlen des BVSU vom 19.12.2025: Alle hier veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf Import- und Exportwerte und nicht auf Verbraucherpreise. Die Zahlen werden erhoben vom Statistischen Bundesamt der Bundesrepublik Deutschland und geben keine Ergebnisse einzelner Unternehmen wieder. Die Daten können im Nachgang vom Statistischen Bundesamt korrigiert oder angepasst werden. Es gelten die Zahlen der jüngsten Veröffentlichung






