Traditionshaus Beyer in Zürich schließt – Patek Philippe übernimmt

Beyer, die älteste und wohl auch bekannteste Uhrenhandlung der Schweiz, die seit ihrer Gründung im Jahr 1760 durchgehend in Familienbesitz war, stellt Ende 2026 ihre Geschäftstätigkeit ein. Dennoch geht es an der Zürcher Bahnhofstraße weiter: Patek Philippe übernimmt die Räumlichkeiten und wird dort ab Anfang 2027 einen Monobrand-Store betreiben.

Nachfolge frühzeitig geregelt

Erst vor etwa einem Jahr war René Theodor Beyer, der sogenannte „Uhrenkönig von Zürich“, im Alter von nur 61 Jahren verstorben. Die Nachfolgeregelung hatte er jedoch bereits lange vor seinem Tod vorbereitet.

Da es keine familieninterne Nachfolgelösung gab, kam Alleininhaber René Theodor Beyer gemeinsam mit dem Genfer Uhrenhersteller Patek Philippe zu dem Schluss, dass eine Übernahme durch das Schweizer Traditionsunternehmen im Interesse beider Parteien liegt.

Partnerschaft mit Patek Philippe

Die Lösung basiert auf einer jahrzehntelangen, über Generationen gewachsenen Zusammenarbeit zweier Familienunternehmen. Patek Philippe hatte bereits ab 2024 schrittweise eine Minderheitsbeteiligung an der Beyer Chronometrie AG erworben.

Seit der Erkrankung von René Beyer übernahm seine Schwester Muriel Zahn-Beyer auf seinen Wunsch hin im Jahr 2024 die operative Leitung des Unternehmens. Nach dem Tod ihres Bruders führt sie als Präsidentin des Verwaltungsrats die Umsetzung der von ihm festgelegten Nachfolgeregelung konsequent fort.

Muriel Zahn-Beyer sagt: „Mein Bruder hat sich sehr bewusst und frühzeitig mit der Zukunft des Unternehmens auseinandergesetzt. Die Lösung mit Patek Philippe war für ihn die logische Konsequenz einer über Jahrzehnte gewachsenen Partnerschaft und Ausdruck seiner Verantwortung gegenüber dem Unternehmen, den Mitarbeitenden und dem Standort Zürich.“

Zukunft des Uhrenmuseums noch offen

Nicht Teil der Transaktion ist das Beyer Uhrenmuseum, das im Untergeschoss des Geschäfts eine der bedeutendsten Uhrensammlungen der Welt beherbergt. Das Museum ist ein wichtiger kultureller und touristischer Anziehungspunkt. Muriel Zahn-Beyer arbeitet derzeit an einer tragfähigen Lösung für dessen Zukunft an einem anderen Ort, vorzugsweise in der Stadt Zürich.

Patek-Philippe-Präsident zur Beyer-Ubernahme

Im Interview mit der NZZ sagte Patek-Philippe-Präsident Thierry Stern auf der Watches & Wonders 2026: „Wir wussten, dass René keine Kinder hat, und wir haben seit Jahren über eine mögliche Übernahme gesprochen. Zürich ist für uns ein zentraler Standort – insofern ist der Schritt logisch. Aber wenn Beyer keine Nachfolgelösung gesucht hätte, wäre es vielleicht nie so weit gekommen.“

Thierry Stern
Thierry Stern

Dabei handelte es sich beim Kauf auch um eine emotionale Entscheidung: „Die Beyers gehören für uns fast zur Familie. Ich bin mit René aufgewachsen, wir waren eng befreundet, unsere Väter ebenso. Für uns war wichtig, dass das Geschäft nicht an irgendjemanden geht.“

Auswirkungen auf den Fachhandel

Man werde sich jedoch nicht vom Fachhandel als Partner abwenden, betont Stern im NZZ-Interview: „Wir gehen nicht den Weg von Rolex mit Bucherer und werden selbst zum Händler. Unser Fokus bleibt die Uhrmacherei. Gleichzeitig habe ich unseren Händlern immer gesagt, dass wir uns das Recht vorbehalten, Chancen zu nutzen.“

Dies könnte nun unmittelbar Gübelin betreffen. Das Geschäft mit Patek-Philippe-Konzession liegt in unmittelbarer Nähe des zukünftigen Patek-Philippe-Stores in Zürich. Auf die Frage, ob dort Platz für zwei Anbieter besteht, sagte Stern: „Gübelin ist direkt gegenüber von unserem künftigen Salon. Auf so engem Raum ist das kaum sinnvoll. (…) Die Zukunft unserer Zusammenarbeit mit Gübelin in Zürich ist derzeit Gegenstand von Gesprächen; daher gibt es noch keine Entscheidung, die wir kommunizieren können.“

beyer-ch.com

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