Audemars Piguet x Swatch: Royal Pop – wenn die Nachfrage das Angebot nicht bestimmt und Nick Hayek sich anstellen muss
Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Gemeinhin geht man davon aus, dass dies bedeutet: Wenn viele Menschen etwas haben wollen, reagieren Unternehmen darauf und bieten mehr davon an.
Diese volkswirtschaftliche „Weisheit“ hat allerdings noch nie für den Luxusbereich gegolten beziehungsweise mündete dort nicht in einer Erhöhung des Angebots, sondern vielmehr in dessen Verknappung. Was für hochpreisigen Luxus oder dessen Inszenierung schon immer galt – Exklusivität und das sich als auserwählt fühlen –, hat in der Uhrenindustrie spätestens mit der MoonSwatch unübersehbar auch den unteren Preisbereich erreicht: immense Nachfrage generieren, um diese dann nur zögerlich zu bedienen. Die Royal Pop zieht nun nach.
Mit der vielfach als Vergleich herangezogenen Dubai-Schokolade hat das allerdings weniger gemein, als im ersten Hype-Moment gedacht. Hier gab es anfangs tatsächlich einen Engpass bei der Hauptzutat Pistazie, anschließend eine kurze Phase der vor allem marketingtechnisch kolportierten Verknappung. Sobald die großen Hersteller wie Lindt & Sprüngli oder Discounter nachgezogen hatten, war eher das Gegenteil von Knappheit zu beobachten: Plötzlich gab es überall Dubai-Produkte – Oversupply beziehungsweise Trend-Inflation mit Dubai-Everything.
Royal Pop: Hype, Warteschlangen und Polizeieinsätze
Die Royal Pop ist zwar nicht limitiert, aber nach dem MoonSwatch-Vorbild – welche mittlerweile problemlos online bei Swatch gekauft werden kann – ist die Audemars-Piguet-x-Swatch-Uhr nur in begrenzten Mengen in ausgewählten Stores erhältlich. Dass sich daran so schnell etwas ändert, ist nicht zu erwarten.

Die Folge: lange Schlangen vor den Geschäften mit den Flippern beziehungsweise Wiederverkäufern an der Spitze – und Tumulte, Polizeieinsätze sowie Shop-Schließungen. Ob das im Sinne der Erfinder der Royal Pop war? Fraglich.
Hayek äußert sich zu Royal-Pop-Tumulten
„Jeder möchte ein Exemplar ergattern, und das ist positiv für uns – für die gesamte Schweizer Uhrenindustrie –, also freuen wir uns doch darüber! Wann haben sich die Leute zuletzt um ein Schweizer Produkt gedrängt und gestritten? Ich kann mich nicht erinnern“, so Hayek, der einschränkend ergänzte:
„Solche Szenen möchte ich natürlich keinesfalls sehen. Wir tun alles in unserer Macht Stehende, um sicherzustellen, dass diese Veranstaltungen friedlich ablaufen.“
Dabei werde niemand bevorzugt behandelt, wie er betont: „Wenn die Unternehmensleitung – mich eingeschlossen – oder der Verwaltungsrat diese Uhr erwerben möchte, müssen wir uns genau wie alle anderen anstellen.“


Mittlerweile habe sich die Situation vor den Swatch Stores übrigens wieder beruhigt, teilte die Swatch Group mit, und verwies darauf, dass die AP x Swatch Royal Pop nicht limitiert sei. Zudem seien nur 20 von 220 Filialen weltweit betroffen gewesen:
„Am Tag des Verkaufsstarts kam es in etwa zwanzig Swatch-Filialen – von weltweit 220 Standorten, an denen die ‚Royal Pop‘ eingeführt wurde – zu Problemen; dies, weil die Warteschlangen interessierter Kunden extrem lang waren und die von einzelnen Einkaufszentren ergriffenen organisatorischen Maßnahmen nicht ausreichten, um den Ansturm zu bewältigen.“






