LVMH Quartalszahlen: Der Luxusmarkt entwickelt sich mit zwei Geschwindigkeiten

Die jüngsten Geschäftszahlen von LVMH zeigen ein gespaltenes Bild: Während Mode und Lederwaren unter der schwächeren Nachfrage in China leiden, wächst das Geschäft mit Uhren und Schmuck weiter. Besonders Tiffany & Co. und Bulgari entwickeln sich positiv. An den Finanzmärkten sorgen die Ergebnisse dennoch für Enttäuschung – und werfen Fragen nach der weiteren Erholung des internationalen Luxusmarkts auf.

Der französische Luxusgüterkonzern LVMH hat am 12. Oktober seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026 veröffentlicht. Der weltweit größte Luxuskonzern erzielte in den ersten neun Monaten einen Umsatz von 57,1 Milliarden Euro, nach 58,1 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Während der ausgewiesene Umsatz um zwei Prozent zurückging, verzeichnete das Unternehmen organisch, also bereinigt um Wechselkurseffekte und Veränderungen des Konsolidierungskreises, ein Wachstum von ebenfalls zwei Prozent.

Im dritten Quartal lag das organische Plus bei einem Prozent. Damit setzte LVMH seine leichte Erholung fort, blieb jedoch hinter den Erwartungen der Analysten zurück.

Besonders deutlich zeigen sich die Unterschiede zwischen den Geschäftsbereichen. Während Uhren und Schmuck sowie der selektive Einzelhandel weiter zulegten, entwickelte sich das für den Konzern besonders wichtige Geschäft mit Mode und Lederwaren rückläufig.

Mode enttäuscht – Schmuck entwickelt sich positiv

Das Segment Fashion & Leather Goods, zu dem unter anderem Louis Vuitton, Dior, Celine, Fendi und Loewe gehören, verzeichnete im dritten Quartal einen organischen Umsatzrückgang von fünf Prozent. Im zweiten Quartal hatte der Bereich noch ein leichtes Plus von einem Prozent erreicht.

Für die Finanzmärkte war diese Entwicklung eine Enttäuschung. Laut Reuters hatten Analysten im Konsens lediglich einen Rückgang von 1,8 Prozent erwartet. Da Mode und Lederwaren fast die Hälfte des Konzernumsatzes erwirtschaften, besitzt die Entwicklung dieses Geschäftsbereichs besonderes Gewicht.

Deutlich positiver fällt dagegen die Bilanz von Watches & Jewelry aus. Der Bereich erzielte in den ersten neun Monaten einen Umsatz von 7,725 Milliarden Euro, ein ausgewiesenes Plus von vier Prozent. Bereinigt um Wechselkurseffekte betrug das Wachstum acht Prozent.

Im dritten Quartal legte der Bereich organisch um sechs Prozent zu. Das Wachstum verlangsamte sich damit gegenüber den ersten beiden Quartalen, in denen LVMH Zuwächse von sieben beziehungsweise elf Prozent gemeldet hatte. Dennoch gehört Watches & Jewelry weiterhin zu den wachstumsstärksten Geschäftsbereichen des Konzerns.

Auch Wines & Spirits entwickelte sich mit sechs Prozent organischem Wachstum im dritten Quartal positiv. Selective Retailing, zu dem insbesondere Sephora gehört, wuchs sogar um acht Prozent. Perfumes & Cosmetics legte um ein Prozent zu.

Die Zahlen zeigen damit keine einheitliche Schwäche des Luxusgeschäfts. Vielmehr unterscheiden sich die Entwicklungen der einzelnen Kategorien erheblich.

Tiffany und Bulgari treiben das Wachstum

LVMH führt die positive Entwicklung von Watches & Jewelry insbesondere auf das Schmuckgeschäft zurück.

Bei Tiffany & Co. verweist der Konzern auf den anhaltenden Erfolg etablierter Kollektionen wie HardWear, Knot und Sixteen Stone. Auch die High-Jewellery-Kollektion Blue Book 2026: Hidden Garden wurde nach Angaben des Unternehmens von den Kunden positiv aufgenommen. Parallel setzt Tiffany die Modernisierung seines internationalen Boutique-Netzes fort.

Bulgari meldet ebenfalls eine starke Entwicklung seiner ikonischen Kollektionen. Besonders hervorgehoben wird die neue High-Jewellery-Kollektion Eclettica, die nach Angaben des Konzerns Rekordumsätze erzielte. Auch die neue Vimini-Linie sowie Ausstellungen rund um die Marke und ihre gestalterische Geschichte tragen zur internationalen Präsenz bei.

Chaumet entwickelt unterdessen seine Bee de Chaumet-Kollektion weiter und präsentierte mit A Journey Through Nature eine neue High-Jewellery-Kollektion.

Auffällig ist die Bedeutung etablierter Designs. Sowohl Tiffany als auch Bulgari profitieren nach Darstellung des Konzerns von ihren bekannten Kollektionen, während neue Kreationen und High Jewellery zusätzliche Impulse setzen.

Wie sich das Wachstum auf die unterschiedlichen Preissegmente verteilt, lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen allerdings nicht bestimmen.

Über die Uhrenmarken bleibt LVMH zurückhaltend

Während die Schmuckmarken in der Mitteilung ausführlich behandelt werden, beschränken sich die Aussagen über die Uhrenmarken weitgehend auf Produkteinführungen und Marketingaktivitäten.

TAG Heuer profitierte nach Konzernangaben von seiner Präsenz in der Formel 1, unter anderem beim Grand Prix in Madrid. Hublot setzte die Zusammenarbeit mit dem Künstler Jeff Koons fort, während Zenith neue Modelle der Linien G.F.J. und Chronomaster präsentierte.

Konkrete Umsatzentwicklungen der einzelnen Marken nennt LVMH nicht. Auch eine getrennte Betrachtung von Uhren und Schmuck innerhalb des Geschäftsbereichs erfolgt nicht.

Der ausgewiesene Zuwachs von acht Prozent für die ersten neun Monate lässt sich deshalb nicht gleichermaßen auf beide Produktkategorien übertragen. Sicher ist lediglich, dass LVMH selbst die besonders positive Entwicklung des Schmuckgeschäfts als wesentlichen Wachstumstreiber hervorhebt.

China belastet die Entwicklung

Neben den Unterschieden zwischen den Geschäftsbereichen prägen regionale Verschiebungen das Geschäft. Besonders deutlich zeigt sich das in Asien ohne Japan: Nach einem organischen Wachstum von sieben Prozent im ersten und vier Prozent im zweiten Quartal gingen die Umsätze im dritten Quartal um fünf Prozent zurück.

LVMH führt dies insbesondere auf die schwächere Nachfrage in China zurück, die vor allem das Geschäft mit Mode und Lederwaren belastete. Die internationale Finanzberichterstattung sieht darin ein Zeichen für die weiterhin fragile Erholung des chinesischen Luxusmarkts.

In anderen Regionen entwickelte sich das Geschäft deutlich besser. Die USA erzielten im dritten Quartal ein organisches Plus von fünf Prozent, Japan legte um sechs Prozent zu und Europa um vier Prozent. Die Zahlen betreffen allerdings den gesamten Konzern, nicht speziell Watches & Jewelry.

Warum die Börse dennoch enttäuscht ist

Die Finanzmärkte bewerten die Ergebnisse kritischer als die Umsatzentwicklung zunächst vermuten lässt. Analysten hatten für das dritte Quartal ein organisches Konzernwachstum von 1,3 Prozent erwartet. Tatsächlich erreichte LVMH ein Prozent. Besonders enttäuschend war jedoch der Rückgang im Geschäft mit Mode und Lederwaren um fünf Prozent, während die Prognosen lediglich bei minus 1,8 Prozent gelegen hatten.

Die Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung des Luxusmarkts erhält damit einen Dämpfer. Als einer der ersten großen Luxuskonzerne, der seine Quartalsergebnisse veröffentlicht, gilt LVMH für Investoren als wichtiger Indikator für die weitere Branchenentwicklung.

Keine einheitliche Entwicklung des Luxusmarkts

Die LVMH-Zahlen zeigen erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Luxussegmenten. Während Mode und Lederwaren unter Druck stehen, wachsen Uhren und Schmuck, Wein und Spirituosen sowie der selektive Einzelhandel weiter.

Besonders bemerkenswert ist die positive Entwicklung des Schmuckgeschäfts. Ob sie Ausdruck einer breiteren Verschiebung der Nachfrage ist oder vor allem auf der Stärke einzelner Marken und Kollektionen beruht, lässt sich anhand der vorliegenden Zahlen noch nicht beurteilen.

Weitere Anhaltspunkte werden die Geschäftszahlen der Wettbewerber liefern. Kering und Hermès veröffentlichen ihre Ergebnisse am 22. Oktober, Richemont folgt am 13. November.

Von einer einheitlichen Erholung des internationalen Luxusmarkts kann derzeit keine Rede sein. Während einige Geschäftsbereiche weiterhin mit rückläufiger Nachfrage kämpfen, behaupten sich andere deutlich besser. Das Schmuckgeschäft gehört bei LVMH zu den wichtigsten Wachstumsträgern.

Quellen: LVMH, Continued Growth in the Third Quarter of 2026, Pressemitteilung vom 12. Oktober 2026, sowie Q3 2026 Revenue, Investorenpräsentation vom 12. Oktober 2026. Ergänzende Einordnung durch die Finanz- und Wirtschaftsberichterstattung von Reuters, Financial Times und The Wall Street Journal vom 12. und 13. Oktober 2026 zu den Quartalsergebnissen, den Analystenerwartungen und der Entwicklung des internationalen Luxusmarkts. Stand: 13. Oktober 2026.

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