Marktstimmung USA: Synthetische Diamanten werden akzeptiert, aber nicht bevorzugt
Marktstimmung USA: Synthetische Diamanten werden akzeptiert, aber nicht bevorzugt
Eine Umfrage unter Konsumenten in den USA hat ergeben, dass synthetische Diamanten zwar von den meisten Konsumenten akzeptiert werden, aber natürliche Diamanten der Favorit sind, sind man die Wahl hat. Das gilt auch für andere synthetische Schmucksteine.
Links: Heiratsantrag? In den USA sind viele Menschen offen für einen Verlobungsring mit synthetischem Diamant. © Alekon pictures/Unsplash.com
Konsumbarometer USA
Warum schauen wir für Marktprognosen oder Konsumstimmungen eigentlich so gern über den großen Teich? Vielleicht weil die Amerikaner traditionell eher offen sind für neues, sich schnell auf Trends einlassen und es dort eine gut geölte Marketing-Maschine gibt, die dabei hilft, Trends zu verbreiten. Die Amerikaner sind oft die „early adopter“ – ein Beispiel im Fall von synthetischen Diamanten: Swarovski hat dort mit der Markteinführung des neuen Produkts begonnen.
Und nicht zu vergessen: Dass der klassische Solitaire-Ring, am liebsten mit Einkaräter, überhaupt zum Symbol für den Heiratsantrag wurde, haben wir ebenfalls den Amerikanern und im Speziellen De Beers zu verdanken. Die Amerikaner lieben ihre Diamanten, so scheint es. Was denken sie also jetzt gerade über die synthetische Variante der funkelnden Steine?
Umfrage: Mehrheit für synthetische Diamanten, aber …
Die aktuelle Umfrage unter den Verbrauchern stammt von The Plumb Club, einem Zusammenschluss führender Schmuck-, Uhren und Edelsteinhersteller aus den USA. Der Industrieverband führt seine Umfrage alle zwei Jahre durch und fängt damit die Stimmung unter den Verbrauchern ein.
Befragt wurden 2.000 Männer und Frauen im Alter zwischen 25 und 60 mit Hochschulabschluss und einem jährlichen Haushaltseinkommen von mindestens 75.000 US-Dollar. Die Auswertung hat ergeben, dass 74 Prozent der Befragten offen dafür wären, einen Verlobungsring mit synthetischem Diamanten zu bekommen.
Noch mehr Umfrageteilnehmer sprachen sich für Fashion-Pieces mit synthetischen Diamanten aus – hier lag die Zustimmungsrate bei 83 Prozent. Derselbe Prozentsatz zeigte auch Interesse an anderen Schmucksteinen aus dem Labor, etwa synthetische Rubine, Smaragde und Saphire.

Allerdings ist seit der letzten Umfrage von 2023 die Akzeptanz für synthetische Edelsteine gesunken. Nur 33 Prozent gaben bei The Plumb Club den synthetischen Diamanten als ihren Favoriten an und würde einen natürlichen Diamanten bevorzugen. Damit ist die Beliebtheit des synthetischen Diamanten in den letzten zwei Jahren um 20 Prozent gesunken.
30 Prozent der Befragten sprachen sich für den natürlichen Diamanten aus, ein Plus von 7 Prozent gegenüber 2023 und 37 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, nicht genug Informationen für eine Entscheidung zu haben. Das ist bemerkenswert, denn die Verunsicherung hat damit einen Sprung um 13 Prozentpunkte nach oben gemacht. Den Teilnehmern wurde auch die Frage gestellt, wie sie bei einem synthetischen und einem natürlichen Diamanten derselben Qualität entscheiden würden. 49 Prozent sprachen sich für den natürlichen Diamanten aus, 17 Prozent bevorzugten einen synthetischen Diamanten und 34 Prozent gaben keine Präferenz an.
Eine Frage des Preises
Michael O’Connor, Marketing Director von Plumb Club, erklärte gegenüber JCK, er sei nicht sicher, warum weniger Kunden augenscheinlich den synthetischen Diamanten bevorzugen, betont aber gleichzeitig, dass das nicht immer eine Rolle bei der Kaufentscheidung spielt.
„Es ist interessant, denn mehr Leute akzeptieren synthetische Diamanten, doch gleichzeitig sagen viele, sie würden natürliche Diamanten bevorzugen und bei der Kaufentscheidung ist es ausgeglichen. Sie hätten am liebsten einen natürlichen Diamanten, aber die Realität ist, dass sie mit dem synthetischen Diamanten eine bessere Preis-Leistung bekommen.“
In der Umfrage erklärten 31 Prozent der Teilnehmer, Preis sei der wichtigste Faktor bei Kaufentscheidung für einen synthetischen Schmuckstein. Im Jahr 2023 lag diese Zahl noch bei 45 Prozent. Heute spielt der Preis also weniger eine Rolle als noch vor zwei Jahren.

Etwa 30 Prozent gaben den Qualitätsunterschied als wichtigsten Punkt bei der Kaufentscheidung an. Gemein ist, dass die Kunden einen Stein mit besserer Farbe und Reinheit für ihr Geld bekommen können, wenn sie synthetische Produkte kaufen. Vor zwei Jahren gaben 23 Prozent der Befragten diesen Faktor als den wichtigsten an.
Nachhaltigkeit oder ethische Bedenken als Hauptfaktor spielen bei den Befragten offenbar keine große Rolle. 17 Prozent der Befragten fanden ethische Unbedenklichkeit wichtig, ein Zuwachs von einem Prozent gegenüber 2023. Nachhaltigkeit liegt auf dem vorletzten Platz. Umweltfaktoren waren 13 Prozent der Befragten wichtig, ein leichter Anstieg um 2 Prozent gegenüber 2023.
Umfrage zeigt: Die Konsumenten sind aufgeklärt
Ein wichtiger Einblick: Die Umfrage von The Blumb Club zeigt auch, dass die Konsumenten in den USA gut aufgeklärt sind. Etwa 84 Prozent der Teilnehmer gaben an, von synthetischen Diamanten gehört zu haben und 45 Prozent konnten die korrekte Definition der Steine angeben, diese wurde von The Plumb Club als „identisch mit einem natürlichen Diamanten in Zusammensetzung und Optik, aber in einem Labor hergestellt“ formuliert. Im Jahr 2023 konnten 41 Prozent der Befragten korrekt definieren, was ein synthetischer Diamant ist.
Fazit: Diamanten sind beliebt, aber für viele zu teuer
Aus den Umfrageergebnissen von The Blum Club lassen sich mehrere Ergebnisse herauslesen, die ein wenig widersprüchlich sind. Der Labordiamant ist nicht mehr so beliebt, wie er einmal war. Dennoch würden genug Leute ihn kaufen, weil er günstiger ist als ein natürlicher Diamant.
Der echte Diamant scheint zwar ein Wunsch vieler Menschen zu sein, der aus Kostengründen seltener erfüllt wird. Doch der Preis spielt inzwischen wieder weniger eine Rolle als noch vor zwei Jahren.
Dafür, dass sehr viele Hersteller bei synthetischen Diamanten mit Nachhaltigkeit und ethischer Verantwortung werben, scheint das für Konsumenten eine vergleichsweise geringe Rolle zu spielen.
Quellen: JCK, The Plumb Club






