Finally: USA senken Zölle auf Importe aus der Schweiz – rückwirkend

Ob es die Schmeicheleien der Schweizer Wirtschaftsdelegation waren, die Trump Anfang November im Oval Office empfing, rationale Überlegungen oder ein weiterer unergründlicher Ratschluss des US-Präsidenten – das wird sich wohl niemals klären lassen. Fakt ist aber: Im Drama um die US-Zoll auf Schweizer Einfuhren ist vorerst der letzte Akt eingeläutet worden. Mit rückwirkendem Effekt.

Trump amerikanische Flagge

Das Schweizer Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) hat gestern mitgeteilt, dass die USA den pauschalen Zusatzzoll auf Importe aus der Schweiz auf maximal 15 Prozent senken wird, und zwar rückwirkend ab dem 14. November 2025. Seit Anfang August betrug dieser 39 Prozent. Die Zollkapriolen des Donald Trump hatten auch die Ausfuhrstatistiken der Schweizer Uhrenindustrie in den wichtigen US-Markt auf eine rasante Achterbahnfahrt geschickt.

„Die Exporte in die USA waren dieses Jahr aufgrund der unstetigen Zollsätze sehr anspruchsvoll“, betont der Präsident des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. „Wir hoffen nun darauf, dass sich der Ansatz in diesem strategisch wichtigen Markt nicht mehr nach oben bewegen wird.“ Der Verband wolle sich zudem dafür einsetzen, dass Rückzahlungen schnell und unbürokratisch umgesetzt werden könnten.

15 Prozent US-Zoll ab dem 14. November – die rechtliche Verbindlichkeit steht noch aus

Grundlage dieser neuen Festsetzung bildet die am 14. November 2025 publizierte Absichtserklärung zwischen der Schweiz, Liechtenstein und den USA. Um ein rechtlich verbindliches Handelsabkommen handelt es sich jedoch noch nicht.

Die bereits bestehenden Ausnahmen von den US-Zusatzzöllen – darunter Pharmazeutika, bestimmte Chemikalien, Gold und Kaffee – bleiben unverändert in Kraft. Zusätzlich heben die USA auf Basis der Absichtserklärung die pauschalen Zusatzzölle für weitere Schweizer Exportprodukte auf, darunter Flugzeuge, bestimmte luftfahrtrelevante Teile, Gummiprodukte, Kosmetika und Generika. Die Schweiz setzt sich für weitere Ausnahmen ein, heißt es in der Medienmitteilung. Auf diejenigen Produkte, für die schon vor dem 2. April 2025 ein Zollsatz von über 15 Prozent galt, werden erneut die ursprünglichen Zölle erhoben.

Unverändert bestehen bleiben auch die sektoralen US-Zusatzzölle nach Section-232, etwa auf Stahl, Aluminium, Autos oder Kupfer. Für laufende Untersuchungen bezüglich Pharmazeutika und Halbleiter wurde in der Absichtserklärung vereinbart, dass allfällige sektorale Zusatzzölle gegenüber der Schweiz nicht über 15% liegen dürfen.

Im Gegenzug senkt die Schweiz für die USA die Zölle auf Fisch, Meeresfrüchte sowie bestimmte, agrarpolitisch nicht-sensitive Agrarprodukte. Weiterhin setzt die Schweiz für die USA zollfreie bilaterale Kontingente (jährlich 500 Tonnen Rindfleisch, 1.000 Tonnen Bisonfleisch, und 1.500 Tonnen Geflügelfleisch) in Kraft.

Vollends aufatmen kann die Schweizer Exportindustrie jedoch noch nicht. So müsse die Schweiz zur Erreichung eines rechtlich verbindlichen Handelsabkommens mit den USA laut Wirtschaftsminister Guy Parmelin nun guten Willen zeigen. Weitere Forderungen aus Washington schließt er nicht aus.

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