Universal Genève: Der Uhren-Schneider ist wieder da
Ende 2023 hatte Breitling die Übernahme der 1884 gegründeten Uhrenmarke Universal Genève bekanntgegeben und angekündigt, sie preislich oberhalb des Schwesterunternehmens zu positionieren. Breitling- und Universal Genève-CEO Georges Kern hat Wort gehalten, wie die nun präsentierten Premieren-Kollektionen belegen.
Mit der Wiederbelebung von Universal Genève kehrt ein traditionsreicher Name zurück. Unter der Führung von Breitling-CEO Georges Kern wird die Marke neu positioniert – selbstbewusst im oberen Luxussegment, mit einem klaren Fokus auf Design und Geschichte.
Was dabei entsteht, ist kein vorsichtiges Revival, sondern ein bemerkenswert breit angelegtes Comeback. Universal Genève präsentiert gleich mehrere Linien, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verweben – und dabei immer wieder auf einen historischen Markenkern verweisen: den „Couturier de la Montre“, den Uhren-Schneider.

Die Preisstruktur liegt bewusst oberhalb von Breitling und unterstreicht den Anspruch, sich langfristig im gehobenen Segment zu etablieren. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, neben technischer und gestalterischer Qualität auch jene emotionale Bindung aufzubauen, die große Uhrenmarken auszeichnet.
Die Voraussetzungen dafür sind mit den neuen Modellen geschaffen. Jetzt muss Universal Genève beweisen, dass der „Uhren-Schneider“ nicht nur zurück ist – sondern wieder Maßstäbe setzen kann.
„Disco Mini“
„Cabriolet“
„Compax“
„Polerouter“
„Couture“
„Signature“
Universal Genève im Universum von George Kern
Damit, dass es für vorhandene und zukünftige Sammler nicht günstig werden würde, eine Universal Genève der Neuzeit zu erwerben, war abzusehen. Weshalb sollte man sich auch die eigene Konkurrenz ins Haus holen? So lautete wohl die dahinterstehende Überlegung von Georges Kern, Universal Genève im Preissegment oberhalb Breitlings anzusiedeln – und zwar zwischen 9.800 und 65.100 €.
Dass es so hoch hinausgehen würde, überraschte die Uhren-Community dann aber doch. Mit dem UG-Kernsegment zwischen 15.000 und 35.000 € ist der Abstand zur Breitling-Kernpreislage zwischen 5.000 und 10.000 € größer als erwartet.
Aber vielleicht hat Kern seine Einkaufstour noch gar nicht beendet. Mit Gallet ist im vergangenen Jahr das Breitling-Universum zum Trio geworden, wobei das jüngste Mitglied preislich den Platz unterhalb der Schwestermarke einnehmen soll.

„Man werde für die neue Marke auf die bestehenden Breitling-Strukturen zurückgreifen – ‚gleiche Supply Chain, gleiches Manufacturing, gleiches Management und gleiches Distributionsnetz‘“, sagte Kern im Zusammenhang mit der Gallet-Übernahme.
Bei der aktuellen Konstellation wäre also noch Platz für eine vierte Marke zwischen Breitling und Universal Genève, für die Insidern zufolge rund 60 bis 70 Millionen CHF bezahlt wurden. Oder es handelt sich um eine Art Pufferzone für – je nach Marke – Preisverschiebungen nach oben beziehungsweise unten.
Die gut zwei Jahre seit der Übernahme nutzte man zur Kreation eines neuen Portfolios, aber auch, um zu feiern – unter anderem mit kostspieligen Events für die Uhren-Community. So wurde zum 70. Geburtstag unter anderem eine Auswahl der „bedeutendsten Sammler von Universal Genève, Veteranen der Uhrenbranche und Vertreter der Fachpresse“ zu einem zweitägigen Event nach Kopenhagen eingeflogen und in die strategischen Überlegungen einbezogen. Diese dürften sich nun weder über die ambitionierte Preisgestaltung wundern noch gar pikieren.


Facettenreiches Premieren-Portfolio
Das nun lancierte Premieren-Sortiment von Universal Genève trumpft jedoch nicht nur preislich, sondern auch mit einer enormen Modellvielfalt auf, mit der zu Beginn der Wiederbelebung wohl nur wenige gerechnet hatten. Bisweilen fühlt man sich ob der facettenreichen Zusammensetzung an Chopard und Piaget erinnert.
Allerdings hatte man sich auch über zwei Jahre Zeit gelassen, um – abgesehen von drei beziehungsweise sechs Einzelstücken der Polerouter sowie eines historischen Compax-Chronographen – nun dieses Füllhorn zu präsentieren.
„Eine Marke mit einer derart reichen Geschichte wiederaufzubauen, geht nicht von heute auf morgen – es ist akribische, hingebungsvolle Arbeit, die in den kommenden Jahren vor uns liegt“, erläutert Georges Kern. Und Kern liefert.
Universal Genève beschreibt seine Produktpolitik als eine Mischung aus zurückhaltender „Eleganz mit wegweisendem uhrmacherischem Können“, die künftig wieder am historischen Stammsitz der Marke in der Rue du Rhône in Genf gepflegt werden soll.


Die Modellkategorien von Universal Genève
Mit den gewählten Kategorien über verschiedene Kollektionen hinweg trägt Universal Genève auch einem Werbeslogan der Marke aus den 1950er- und 1960er-Jahren Rechnung: „Le Couturier de la Montre“ (der Uhren-Schneider).
Prêt-à-Porter – zeitlose Neuinterpretationen der wichtigsten Modelle des Hauses, die ihrem ursprünglichen Charakter treu bleiben und zugleich eine moderne Note erhalten.
Capsule-Edition – limitierte saisonale Editionen der symbolträchtigsten Zeitmesser mit kreativen Variationen bei Materialien, Farben und Veredelungstechniken.
Die Kollektionen „Polerouter“, „Compax“, „Cabriolet“ und „Disco Mini“ bieten Modelle in diesen beiden Kategorien.
Bei den Couture-Kreationen handelt es sich um Zeitmesser, die in enger Zusammenarbeit mit herausragenden Kunsthandwerkern entstehen und Ausdruck der Vision der Marke von Uhrmacherkunst als métier d’art sind.
Hinzu kommen die Signature-Modelle – Neuinterpretationen klassischer Modelle aus den Archiven des Hauses, die nur für begrenzte Zeit erhältlich sind. Sie bewahren den Charakter der Originale und werden durch subtile Modifikationen ergänzt.
Über Universal Genève

Universal Genève wurde 1894 als Universal Watch in Le Locle gegründet. 1919 verlegte Mitbegründer Ulysse Perret den Firmensitz nach Genf und festigte damit den Status des Unternehmens als Genfer Marke. Bereits zuvor hatte Perret das Unternehmen gemeinsam mit seinem Kommilitonen Numa-Émile Descombes gegründet. Beide waren damals Uhrmacherstudenten und konzentrierten sich zunächst auf die Herstellung von Gehäusen, Kronen, Zifferblättern und Uhrwerken.


Auf Taschenuhren folgte schließlich die Spezialisierung auf Chronographen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Universal Genève zu einem innovativen Hersteller und machte sich mit technischem Know-how, ausgefallenen Designs und auch Schmuck einen Namen. Die Quarzkrise stellte das Unternehmen jedoch – wie viele andere – vor große Herausforderungen und markierte eine Wende.
Ab 1989 gehörte die Marke zur in Hongkong ansässigen Stelux-Gruppe, bis sie 2023 von Breitling übernommen wurde.
„Wir sind überzeugt, dass Breitling hervorragend aufgestellt ist, um Universal Genève zu neuen Höhen zu führen – so, wie es das Unternehmen auch mit seiner eigenen Marke getan hat“, sagte Joseph Wong, Vorsitzender und CEO der Stelux-Gruppe. „Wenn man sich eines Maison d’horlogerie dieses Formats annimmt, hat die Bewahrung des Erbes oberste Priorität. Das Breitling-Management hat bewiesen, dass es sich zu 100 Prozent dafür einsetzt, Universal Genève nicht nur als Namen, sondern auch im Geiste weiterleben zu lassen.“





