Swatch Group: Familie Hayek weist neuen Vorstoß von US-Investor Wood zurück

Am 12. Mai fand die ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Swatch Group statt. Ein wichtiger Tagesordnungspunkt war die Wahl neuer Mitglieder des Verwaltungsrats.

Während der Schweizer Unternehmer Andreas Rickenbacher mit 92,2 Prozent der Stimmen zum neuen und damit achten Mitglied des Verwaltungsrats der Swatch Group gewählt wurde, scheiterte Steven Wood erneut mit dem Versuch, Mitglied des Verwaltungsrats zu werden. Die Generalversammlung lehnte dies mit 79,6 Prozent der Stimmen ab. Stattdessen wurde erneut Jean-Pierre Roth als langjähriger Vertreter der Inhaberaktionäre gewählt.

In einer ersten Abstimmung, an der ausschließlich die Inhaberaktionäre teilnehmen durften, erhielt Wood zunächst 80,4 Prozent der Stimmen und wurde damit als Vertreter dieser Aktionärskategorie nominiert. Der von der Swatch Group unterstützte Gegenkandidat Andreas Rickenbacher fiel hingegen bei den Inhaberaktionären durch. Da die Mitglieder des Verwaltungsrats letztlich von der gesamten Generalversammlung gewählt werden, folgte anschließend eine zweite Abstimmung. In dieser wurde Wood deutlich abgelehnt.

Zum Verwaltungsrat gehören unter anderem CEO Nick Hayek, seine Schwester Nayla Hayek sowie deren Sohn Marc Hayek. Hinzu kommt Daniela Aeschlimann als Vertreterin der Ammann Group. Sie ist die Tochter des ehemaligen Bundesrats Johann Schneider-Ammann, der von 1998 bis 2010 selbst im Verwaltungsrat der Swatch Group saß.

Die Familien Hayek und Ammann sind außerdem seit Jahrzehnten befreundet, und die Ammann Group ist direkt an der Swatch Group beteiligt. Stimmrechtstechnisch ist Aeschlimann also der Hayek-Seite zuzurechnen, die damit über die Mehrheit verfügt.

Auch den übrigen Mitgliedern wird aufgrund ihrer jeweils mindestens 15-jährigen Zugehörigkeit zum Verwaltungsrat immer wieder die Unabhängigkeit abgesprochen. Dabei handelt es sich um den Lindt-&-Sprüngli-Präsidenten Ernst Tanner, den Astronauten Claude Nicollier und den ehemaligen Nationalbankdirektor Jean-Pierre Roth. Mit Andreas Rickenbacher ist nun ein neues Mitglied hinzugekommen.

US-Investor kritisiert Swatch-Group-Strategie

Steven Wood hält mit seiner Beteiligungsgesellschaft Greenwood Investors 0,5 Prozent an der börsennotierten Swatch Group. Bereits im vergangenen Jahr erläuterte er in einem Interview mit dem Schweizer Magazin The Market den Hintergrund seiner Bewerbung und seine Kritik an der Strategie des Konzerns:

„Ich habe mit über dreißig Branchenführern gesprochen, sowohl ehemaligen Führungskräften der Swatch Group als auch einigen, die für Wettbewerber wie LVMH oder Richemont arbeiten, und sie alle bestätigen meine Ansicht. Nick Hayek, CEO der Swatch Group, hat beim Aufbau der Einstiegsmarken hervorragende Arbeit geleistet, doch bei den Premiummarken besteht noch Verbesserungspotenzial. Sie haben die richtigen Produkte, leiden aber unter einer geschlossenen Kultur und verpassten Umsetzungsmöglichkeiten. Sie sollten offen für neue Führungskräfte mit frischen Ideen sein.“

Nayla Hayek kritisiert Wood in ihrem Geleitwort zur Generalversammlung

„Die langfristige Strategie des Verwaltungsrates ist klar. Unsere Produktion, wohl verstanden Swiss Made, unsere Mitarbeiter und unsere Kunden haben Priorität und nicht wie von einigen Investoren gefordert unser Aktienkurs und die Dividende. Jeder von uns ist froh und profitiert von höheren Aktienkursen und Dividenden, aber es darf nicht unsere prioritäre Strategie sein. Wie mein Vater schon sagte: Wir verkaufen Uhren und keine Aktien“, betont die Präsidentin des Verwaltungsrats der Swatch Group und sagt über Steven Wood:

„Nun fordert ein aktivistischer Investor, dass er in unseren Verwaltungsrat aufgenommen werden soll. Warum? Weil er als Priorität die Steigerung des Aktienkurses und der Dividende im Auge hat. Also eine klassische kurzfristige Strategie nur mit dem Ziel der Profitmaximierung, um genau unsere langfristige Strategie in eine kurzfristige Strategie umzuwandeln. Er erfüllt keinerlei unserer Kriterien, um für unseren Verwaltungsrat vorgeschlagen zu werden, dies tut aber unser Kandidat Herr Rickenbacher vollumfänglich. Aber nicht genug damit: Er verklagt auch noch das Gremium, mit dem er in Zukunft zusammenarbeiten will. Darum steht der Verwaltungsrat klar hinter unserem Vorschlag, Herrn Rickenbacher in den Verwaltungsrat zu wählen, und gegen die Wahl von Herrn Wood in den Verwaltungsrat. Und um dies dann noch für die Zukunft zu betonieren, schlägt er auch gleich noch Statutenänderungen vor, die die sogenannte Macht des Hayek-Pools brechen sollen.“

Laut NZZ hat Steven Wood auch nach seinem zweiten gescheiterten Versuch, Mitglied des Verwaltungsrats zu werden, nicht aufgegeben:

„Die Unterstützung der Inhaberaktionäre für mich hat gegenüber dem Vorjahr um 70 Prozent zugenommen“, zitiert die Schweizer Zeitung den Investor, der diesen Rückenwind nutzen will, um weiter für seine Sache zu kämpfen.

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