Springende Stunde: Wenn der Fluss der Zeit keiner ist
Es läuft nicht rund, die Welt scheint hier und da aus den Fugen geraten zu sein. Und es war schon immer so: Wenn Gesellschaften, Wirtschaft oder politische Ordnung instabil werden, entstehen oft Bedingungen, die Kreativität stark anstoßen.
Das hat auch viele Uhrendesigner ereilt. Ein Ergebnis: die moderne Inszenierung der Springenden Stunde bei mechanischen Uhren – auch Jumping Hour genannt –, welche einem allenthalben bei den Neuheitenvorstellungen begegnet. Solche Uhren bleiben dennoch ein gleichermaßen raffiniertes wie spannendes Nischenprodukt. Ihre Kreativität mussten die hiesigen Designer allerdings nicht nutzen, um die springende Stunde als als solche neu zu ersinnen.
Audemars Piguet – Baltic – Bremont – Chronoswiss – Cyrus – Hautlence – Maghnam – MeisterSinger
Jumping Hour – wem/wenn die Stunde springt
Die ersten bekannten Springstunden-Uhren entstanden bereits im 17. Jahrhundert. Größere Popularität erreichte diese im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, besonders bei Art-déco- und Taschenuhren. In den 1970er-Jahren kamen sie außerdem bei futuristisch gestalteten Zeitmessern zum Tragen. Heutzutage steht das Gesamtarrangement der Jumping Hour im zeitgenössischen Design im Mittelpunkt.
Dabei trägt die Anzeigeart ihren Namen völlig zu Recht: Statt dass sich der Stundenzeiger langsam und kontinuierlich bewegt, „springt“ die Stundenanzeige zur vollen Stunde auf die nächste Stundenszahl.
Das Grundprinzip der Jumping Hour
Typischerweise sieht das so aus: Die Minuten werden normal angezeigt (oft mit einem Zeiger). Die Anzeige der Stunde erscheint in einem kleinen Fenster und springt schlagartig am Ende jeder Stunde weiter. Im Inneren speichert ein Feder- oder Hebelmechanismus Energie und löst sie genau zur vollen Stunde aus. Dadurch springt die Stundenscheibe blitzartig weiter. Rund läuft es dabei dennoch. Denn anstelle eines Zeigers, der seine Kreise über dem Zifferblatt zieht, dreht sich in der Regel eine Scheibe mit den Ziffern 1 bis 12, von denen jeweils nur eine durch den Ausschnitt im Zifferblatt zu sehen ist. Die springende Stunde wird daher manchmal auch als eine Art „mechanische Digitalanzeige“ bezeichnet.
Als Alternative zu dieser technisch anspruchsvolleren „True Jumping Hour“ gibt es die „Semi-Jump“, bei der die Scheibe kurz vor der nächsten Stunde beginnt, leicht mitzuwandern.
Audemars Piguet – Neo Frame Jumping Hour
Die völlig neuartige Konstruktion zeichnet sich durch ein rechteckiges Gehäuse (34,6 x 34 mm) aus Roségold und Saphirglas sowie ein Armband mit einem neu entwickelten Motiv aus. Mit ihrem minimalistischen Design, der vertikalen Godronierung und den stromlinienförmigen Linien greift die „Neo Frame Springende Stunde“ die charakteristischen Merkmale des Vormodells „1271“ aus dem Jahr 1929 wieder auf. Sie wird vom ersten Uhrwerk der Manufaktur mit Automatikaufzug und springender Stunde angetrieben, dem neuen Kaliber 7122. audemarspiguet.com



Gehäuse: Roségold, 34,6 x 34 x 8,8 mm Wasserdichtigkeit: 2 bar Uhrwerk: Kaliber 7122, Automatikaufzug Gangreserve: 52 Stunden Funktionen: Stunden, Minuten Zifferblatt: schwarzes PVD-behandeltes Saphirzifferblatt Armband: schwarzes Kalbsleder Besonderheit: neues Kaliber UVP: 94.900 €
Baltic x Space One – Seconde Majeure
Bei diesem Koop-Modell wird die Zeit dezentralisiert, und traditionelle Zeiger weichen Saphirglasscheiben. Die Springende Stunde wird bei 12 Uhr und die Minuten werden bei 6 Uhr abgelesen, unterstützt von einem pfeilförmigen Fadenkreuz. Ein großer Sekundenzeiger gleitet darüber und verleiht der scheinbar statischen Komposition Bewegung. Er gibt der Uhr ihren Namen: Seconde Majeure. baltic-watches.com



Gehäuse: Edelstahl, 38,5 x 12,3 mm Wasserdichtigkeit: 5 bar Uhrwerk: Soprod P024, Automatikantrieb Gangreserve: 42 Stunden Funktionen: Stunden, Minuten, Sekunden Zifferblatt: Neusilber, gebürstete oder Charbonnée-Oberfläche Armband: Alcantara UVP: 2.500 bzw. 3.500 €
Bremont – Terra Nova 38 Jumping Hour
Die britische Marke präsentiert die „Terra Nova 38 Jumping Hour“ in DLC-Schwarz. Die 2024 eingeführte Linie „Terra Nova“ ist eine Interpretation klassischer Feldarmbanduhren mit kissenförmigem Gehäuse und verkürzten Bandanstößen. „Die Einführung der Stealth Black DLC-Edition der ‚Terra Nova Jumping Hour‘ verleiht dem Montres à Guichet-Design eine neue Dimension. Modern und unerwartet setzt die komplett schwarze Ästhetik ein starkes Statement – transformativ in ihrer Wirkung, schärft sie das Design und stärkt dessen Charakter“, sagt Bremont-CEO Davide Cerrato. bremont.com



Gehäuse: Edelstahl DLC-Schwarz, 38 x 44 x 9,1 mm Wasserdichtigkeit: 3 bar Uhrwerk: BC634, Automatikantrieb Gangreserve: 56 Stunden Funktionen: Stunden, Minuten, Sekunden Zifferblatt: Schwarz Armband: Edelstahl bzw. Leder mit Schnellwechselsystem UVP: 5.900 €
Chronoswiss – Neo Digiteur Chronos
Der auf 33 Exemplare limitierte Zeitmesser ist eine markante Neuinterpretation einer der unkonventionellsten Kreationen von Chronoswiss. Inspiriert von der ursprünglichen „Digiteur“, die Anfang der 2000er-Jahre von Gründer Gerd-Rüdiger Lang lanciert wurde, führt die „Chronos“-Edition die Entwicklung fort, die mit der „Neo Digiteur“ im Jahr 2025 begann. Dieses Mal aber wird der Zeitmesser in Gold gefertigt. chronoswiss.com



Gehäuse: Gold, 48 x 30 x 9 mm Wasserdichtigkeit: 3 bar Uhrwerk: C.85757, Handaufzug Gangreserve: 48 Stunden Funktionen: Stunden, Minuten, Sekunden Zifferblatt: Gold Armband: Nubuk Besonderheit: vollständig von Hand in Luzern graviert, limitiert auf 33 Exemplare UVP: 63.000 €
Cyrus – Klepcys Vertical Tourbillon
Die „Klepcys Vertical Tourbillon“ der Schweizer Marke Cyrus ist auf nur fünf Exemplare limitiert und ist bei einem Durchmesser von 42,5 Millimetern beachtliche 19,9 Millimeter hoch. Dies ist der gewölbten Mittelbrücke geschuldet, welche das Tourbillon einrahmt. Ergänzt wird dieses Schauspiel durch die retrograde Minutenanzeige und die retrograde Springende Stunde auf Bögen aus Jaspis. cyrus-watches.ch



Gehäuse: Titan, 42,5 x 19,9 mm Wasserdichtigkeit: 5 bar Uhrwerk: CYR625, Handaufzug Gangreserve: 100 Stunden Funktionen: Stunden, Minuten, Sekunden auf dem Tourbillonkäfig Zifferblatt: skelettiert, Jaspis Armband: Alligatorleder Besonderheit: vertikale Ausrichtung des Tourbillons, 5-mm-Kugel zur Anzeige der Gangreserve bei 12 Uhr, limitiert auf 5 Exemplare UVP: 150.000 CHF (zzgl. MwSt)
Hautlence – Retrovision ’ 64
Für die „Retrovision ’ 64“ ließ sich die Schweizer Uhrenmarke Hautlence von den kultigen Kommunikationsgeräten in den Science-Fiction-Serien der 1960er-Jahre inspirieren. Erkennbar an dem aufklappbaren Gitter, welches aufgeklappt wird, um ein Gespräch zu führen beziehungsweise die Uhrzeit abzulesen. hautlence.com



Gehäuse: Titan, 61,2 x 41,8 x 15,6 mm Uhrwerk: D50, Automatikaufzug Gangreserve: 72 Stunden Funktionen: Stunden, fliegendes Minutentourbillon Zifferblatt: Neusilber, Lack Armband: Kautschuk Besonderheit: limitiert auf 3 Exemplare UVP: auf Anfrage
Maghnam – Mohareb
Die unabhängige Uhrenmarke des Designers und Ingenieurs Sohaib Maghnam vereint arabisches Erbe mit Schweizer Uhrmacherkunst. Seine jüngste Kreation heißt Mohareb, abgeleitet vom arabischen Wort für „Kämpfer“ oder „Gladiator“, und ist mit Springender Stunde ausgestattet. maghnam.com



Gehäuse: Edelstahl, 39,5 x 8,6 mm Wasserdichtigkeit: 1 bar Uhrwerk: MCR01-B, Handaufzug Gangreserve: 42 Stunden Funktionen: Stunden, Minuten Zifferblatt: modulare Konstruktion: Blades (ursprüngliche Konfiguration), Halo (klassisches rundes Gehäuse), Wings (ovale Form) Armband: Alligatorleder UVP: 7.200 CHF (zzgl. MwSt)
MeisterSinger – Souscription Panthero Jumping Hour Guilloché
Die Tradition der Souscription gehört zu den faszinierendsten Kapiteln der klassischen Uhrmacherei. Bereits im 18. Jahrhundert wurden auf diese Weise außergewöhnliche Zeitmesser geschaffen: nicht im Voraus für einen unbestimmten Markt gefertigt, sondern erst dann, wenn ihr zukünftiger Besitzer sich bewusst für sie entschieden hatte. Die Souscription – also Bestellung – der „Panthero Jumping Hour Guilloché“ von MeisterSinger ist bis zum 21. Juni möglich. Erst im Anschluss beginnt die Fertigung jedes einzelnen Zeitmessers. Die zukünftigen Besitzer erhalten während der Fertigungszeit regelmäßige Einblicke in die einzelnen Schritte der Herstellung. meistersinger.com



Gehäuse: Edelstahl, 40,5 x 11,25 mm Wasserdichtigkeit: 5 bar Uhrwerk: MS-JH-01, Automatikaufzug Gangreserve: 47 Stunden Funktionen: Stunden, Minuten Zifferblatt: Silbergrau mit Blau, guillochiert Armband: Leder Besonderheit: Bestellung nur bis 21. Juni möglich UVP: 7.990 €






