Rekordpreise in Hongkong unterstreichen die kulturelle Bedeutung großer Uhrmacherei
Die jüngste Phillips-Auktion in Hongkong liefert weit mehr als nur spektakuläre Rekordpreise. Sie zeigt, welche Marken, Modelle und Eigenschaften den Sammlermarkt derzeit prägen – und warum einige Uhren inzwischen Preise erzielen, die selbst im Luxussegment außergewöhnlich erscheinen.
Titelbild: Aurel Bacs selling lot 941, Patek Philippe ref.2499 first series in pink gold (C)Phillips
Bei der Hong Kong Watch Auction: XXII erzielte Phillips einen Gesamtumsatz von über 403 Millionen Hongkong-Dollar (rund 51,5 Millionen US-Dollar) und steigerte sich damit gegenüber dem Vorjahr um 90 Prozent. Bemerkenswert ist nicht nur das Volumen, sondern auch die Qualität der Ergebnisse: Acht Uhren überschritten die Marke von einer Million US-Dollar.
Patek Philippe bleibt die Referenz
Im Mittelpunkt der Auktion stand eine außergewöhnlich seltene Patek Philippe Ref. 2499 First Series aus Roségold.

Mit einem Zuschlag von umgerechnet rund 10,25 Millionen US-Dollar wurde sie nicht nur zur teuersten jemals in Asien versteigerten Uhr, sondern stellte zugleich einen neuen Auktionsrekord für die Referenz 2499 auf. Von dieser Ausführung sind lediglich vier Exemplare bekannt.
Die Auktion bestätigt damit einen Trend, der seit Jahren zu beobachten ist: Wenn es um langfristige Wertentwicklung und Sammlerinteresse geht, bleibt Patek Philippe die dominierende Kraft im Markt für historische Spitzenstücke.
Die eigentlichen Gewinner: Seltenheit und Herkunft

Interessant ist jedoch, dass nicht allein bekannte Marken hohe Preise erzielen.
Zu den stärksten Ergebnissen gehörten auch Uhren von unabhängigen Uhrmachern wie F.P. Journe und Philippe Dufour. Ein Tourbillon Souverain „Chine 2010“ von F.P. Journe erzielte mehr als 4,2 Millionen US-Dollar, während eine Simplicity von Philippe Dufour einen neuen Weltrekord für eine Stahlausführung aufstellte.

Der Markt honoriert dabei vor allem drei Faktoren:
- extreme Seltenheit
- besondere Provenienz
- historische Bedeutung
Genau diese Eigenschaften finden sich bei nahezu allen Spitzenlosen der Auktion:
Die zehn teuersten Uhren der Phillips Hong Kong Watch Auction XXII
Patek Philippe Ref. 5016P-010 (2009)
Minutenrepetition mit Tourbillon und ewigem Kalender in Platin.
Zuschlag: 859.000 US-Dollar
Patek Philippe Ref. 2499 „The Pink First Series“ (1951)
Ewiger Kalender mit Chronograph in Roségold, eine der seltensten Ref. 2499 überhaupt.
Zuschlag: 10,26 Mio. US-Dollar (Weltrekord für die Referenz)
F.P. Journe Tourbillon Souverain „Chine 2010 38“ (ca. 2010)
Eine von nur fünf gefertigten Uhren dieser Serie.
Zuschlag: 4,21 Mio. US-Dollar
Patek Philippe Ref. 3448 „Padellone Tokyo White“ (1972)
Ewiger Kalender, doppelt signiert von Beyer Chronometrie.
Zuschlag: 1,75 Mio. US-Dollar
Patek Philippe Ref. 5970R-017 „Michael Ovitz“ (2011)
Ewiger Kalender mit Chronograph, speziell für den US-Sammler Michael Ovitz gefertigt.
Zuschlag: 1,64 Mio. US-Dollar (Weltrekord für die Referenz)
F.P. Journe Tourbillon Souverain Ref. T (ca. 2003)
Seltene „Pink-on-Pink“-Ausführung des Tourbillon Souverain.
Zuschlag: 1,43 Mio. US-Dollar
Patek Philippe Ref. 5970P-018 (2011)
Ewiger Kalender mit Chronograph in Platin.
Zuschlag: 1,33 Mio. US-Dollar
Philippe Dufour Simplicity aus Stahl (ca. 2020)
Mit seltenem schiefergrauem Guilloché-Zifferblatt.
Zuschlag: 1,21 Mio. US-Dollar (Weltrekord für eine Simplicity in Stahl)
Cartier Crash Squelette No. 1 (2017)
Erste nummerierte Ausführung der skelettierten Crash mit Diamant- und Rubinbesatz.
Zuschlag: 1,17 Mio. US-Dollar
Patek Philippe Nautilus Ref. 5711/111P-001 (2022)
Platin-Ausführung der begehrten Nautilus.
Zuschlag: 859.000 US-Dollar
Welche Marken erzielen die höchsten Preise?
Ein Blick auf die internationalen Auktionsergebnisse der vergangenen Jahre zeigt ein bemerkenswert stabiles Bild.
An der Spitze steht weiterhin Patek Philippe. Zu den wertvollsten jemals versteigerten Armbanduhren gehören Referenzen wie 1518, 2499, 1527 oder Grandmaster Chime.
Direkt dahinter folgen:
- Rolex (insbesondere Daytona-Modelle mit prominenter Provenienz)
- F.P. Journe
- Cartier
- Audemars Piguet
- Philippe Dufour
Bemerkenswert ist vor allem die Entwicklung von Cartier. Lange galt die Marke vor allem als Schmuck- und Designhaus. Heute erzielen seltene Modelle wie Crash, Pebble oder Crash Squelette regelmäßig sechs- und siebenstellige Ergebnisse. In Hongkong erzielte eine Crash Squelette No. 1 nahezu 1,2 Millionen US-Dollar und damit fast das Fünffache der oberen Schätzung.

Wertentwicklung: Marke allein reicht nicht mehr
Die Ergebnisse zeigen auch, dass sich der Sammlermarkt verändert hat.
Noch vor zehn oder fünfzehn Jahren konzentrierte sich die Aufmerksamkeit stark auf wenige etablierte Namen. Heute gewinnen zunehmend unabhängige Hersteller an Bedeutung. Sammler suchen verstärkt nach Originalität, Handwerk und nachvollziehbarer Geschichte.
Modelle von F.P. Journe, Philippe Dufour oder anderen Independent Watchmakers profitieren davon besonders stark. Die verfügbaren Stückzahlen sind oft extrem gering, während die internationale Nachfrage kontinuierlich wächst.
Ein Markt für wenige – und ein Blick auf die Spitze
Bei aller Faszination für die erzielten Rekordpreise lohnt sich eine wichtige Einordnung: Die hier gehandelten Uhren repräsentieren nur einen winzigen Ausschnitt des weltweiten Uhrenmarktes. Selbst innerhalb der Luxusuhrenbranche handelt es sich um ein äußerst kleines Spitzensegment aus außergewöhnlich seltenen Sammlerstücken.
Entsprechend exklusiv ist auch die Käuferschaft. Zu ihr zählen internationale Top-Sammler, Unternehmerfamilien, Family Offices und vermögende Privatpersonen, die häufig auch bedeutende Kunstwerke oder klassische Automobile sammeln. Für sie steht weniger die kurzfristige Wertentwicklung im Vordergrund als der Besitz eines kulturell und historisch bedeutenden Objekts.
Genau deshalb sind Auktionen wie jene von Phillips weit mehr als eine Ansammlung spektakulärer Rekordpreise. Sie zeigen, worauf die anspruchsvollsten Sammler der Welt heute Wert legen: Seltenheit, Authentizität, Provenienz, außergewöhnliches Handwerk und die Fähigkeit einer Uhr, eine Geschichte zu erzählen.
Eine Patek Philippe Ref. 2499, eine frühe F.P. Journe oder eine Philippe Dufour Simplicity werden in diesem Umfeld längst nicht mehr nur als Zeitmesser betrachtet, sondern als bedeutende Zeugnisse der Uhrengeschichte. Die Auktion in Hongkong liefert damit nicht nur Rekordzahlen, sondern auch einen aufschlussreichen Blick darauf, welche Marken, Modelle und Geschichten das obere Ende des Sammlermarktes aktuell prägen.





