Interview Oliver van Lanschot Hubrecht (Alpina): „Wir sind keine Ein-Produkt-Marke.“
Oliver van Lanschot Hubrecht, seit 2016 Brand Director von Alpina Watches, strahlt nahezu immer gut gelaunte und entspannte Zuversicht aus.
Das liegt jedoch nicht nur an seinen niederländischen Wurzeln – und der damit verbundenen pragmatischen, unkomplizierten Grundhaltung. Auch die positive Entwicklung der Schweizer Uhrenmarke Alpina, die seit 2016 zur Citizen Group gehört, trägt dazu bei.
Im Interview mit Insight Luxury auf der Watches & Wonders 2026 sprach Oliver van Lanschot Hubrecht über wichtige Märkte, ikonische Modelle, die Bedeutung von Licht, Preisentwicklungen und die Zukunft der Uhrenbranche.
Links: Alpina Stand auf der Watches & Wonders 2026
Insight Luxury: Alpina ist 2026 bereits zum vierten Mal auf der Watches & Wonders vertreten. Offensichtlich sind Sie sehr zufrieden mit der Entwicklung des Events und dem Feedback, das Sie hier erhalten.
Oliver van Lanschot Hubrecht: Alpina ist tatsächlich schon zum vierten Mal hier, und ich finde die Entwicklung wirklich sehr spannend und positiv. Seit meiner ersten Teilnahme habe ich beispielsweise einen deutlichen Anstieg der Besucherzahlen auf allen Ebenen festgestellt – sowohl bei den Verkaufsterminen als auch beim Publikumsverkehr.
Ich sehe hier für uns große Chancen, neue Märkte zu erschließen. Tatsächlich haben wir noch Entwicklungspotenzial, da wir bislang nicht in allen für uns relevanten Märkten umfassend vertreten sind.



Zum 140-jährigen Jubiläum präsentierte Alpina die limitierte Heritage Carrée Mechanical 140 Years mit dem restaurierten Original-Kaliber 490 von 1938,
IL: Auf welche Märkte haben Sie sich zuletzt konzentriert?
OvLH: Zu unseren Schlüsselmärkten zählen die USA, Frankreich, Deutschland, die Schweiz, Italien und Indien. Indien ist derzeit ein besonders starker Markt und wächst trotz der globalen Lage weiter, was für uns großartig ist.
Wir erschließen aber auch kleinere Märkte wie Bulgarien, wo unsere Marke gerade erst Fuß fasst. Die Watches & Wonders bietet uns eine einzigartige Gelegenheit, Beziehungen zu diesen wachsenden und neuen Märkten aufzubauen beziehungsweise zu vertiefen.
IL: Kommen wir zu den Uhren. Wie froh sind Sie eigentlich, dass Sie 2022 die „Alpiner Extreme“ als überarbeitete, kompaktere Version eingeführt haben?
OvLH: Sehr. Die Linie entwickelt sich ausgesprochen gut. Wir haben viel in das Design investiert, denn wir wollten erreichen, dass sie bei einem breiten Publikum einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Das hat sich ausgezahlt.


Zudem haben wir verschiedene Gehäusegrößen und Uhrwerke eingeführt, darunter das erfolgreiche Modell „Alpiner Extreme Solarmetre“ mit einem Solar-Uhrwerk von La Joux-Perret.
IL: In der Uhrenindustrie wird gern und häufig von Ikonen gesprochen. Ist die „Alpiner Extreme“ die Ikone von Alpina?
OvLH: Auf jeden Fall. Sie besitzt ein unverwechselbares Gehäusedesign und eine Geschichte, die bis zu ihrer Markteinführung im Jahr 2005 zurückreicht. Wir haben sie 2022 neugestaltet und dadurch tragbarer und alltagstauglicher gemacht.
Ob sie tatsächlich eine Ikone ist, kann ich nicht beurteilen – ihr Wiedererkennungswert ist jedoch unbestreitbar.
Oliver van Lanschot Hubrecht
IL: Die „Alpiner Extreme“ ist in der Kommunikation von Alpina sehr präsent. Ist es nicht auch ein Risiko, eine Linie so stark zu pushen?
OvLH: Da muss man tatsächlich aufpassen, denn wir wollen keine Ein-Produkt-Marke werden. Deshalb achten wir stets auf eine Balance zwischen den verschiedenen Kollektionen.
Die „Alpiner Extreme“ hat sich jedoch als wichtiges Aushängeschild etabliert, weil sie die DNA von Alpina perfekt widerspiegelt: erschwingliche Luxusuhren, die robust, funktional und outdoortauglich sind – und natürlich gut aussehen.



IL: Ist die „Alpiner Extreme“ auch der Bestseller von Alpina?
OvLH: Ja, diese Kollektion ist nach wie vor unsere meistverkaufte. Aber auch an der „Heritage“-Serie besteht großes Interesse, insbesondere an dem Modell, das wir anlässlich unseres 140-jährigen Jubiläums im Jahr 2023 auf den Markt gebracht haben.
Die im Januar dieses Jahres vorgestellte „Alpiner Extreme Solarmetre“ verzeichnet vielversprechende Verkaufszahlen.
Oliver van Lanschot Hubrecht
Schon eine Minute künstliches Licht pro Tag reicht aus, um sie ausreichend aufzuladen. Einmal vollständig geladen, läuft sie bis zu zehn Monate lang in völliger Dunkelheit. Nach vollständiger Entladung muss man sie nur für zehn Sekunden dem Licht aus, und sie beginnt erneut zu laufen. Für eine Gangdauer von einem ganzen Tag genügt bereits eine einzige Minute Licht.



IL: Werden wir diese Solartechnologie auch in anderen Kollektionen sehen?
OvLH: Ja, wir planen, sie in verschiedene Kollektionen zu integrieren. Sie wird das traditionelle Quarzwerk zwar nicht vollständig ersetzen, aber künftig einen größeren Platz in unserem Sortiment einnehmen.
IL: Eine weitere spannende Kollektion ist die „Startimer“, die auf der Watches & Wonders mit einem Relaunch angetreten ist – obwohl sie erst 15 Jahre alt ist.
OvLH: Ich freue mich sehr über die neuen Modelle dieser Kollektion. Obwohl die „Startimer“ in den vergangenen Jahren aufgrund des starken Fokus auf die „Alpiner Extreme“ etwas weniger im Vordergrund stand, ist sie für uns immens wichtig. Denn auch sie ist Teil unserer Geschichte und DNA.
Alpina besitzt eine Fliegeruhren-Tradition, die bis in die 1920er-Jahre zurückreicht.
Oliver van Lanschot Hubrecht
IL: Was zeichnet die aktuelle „Startimer“-Kollektion aus?
OvLH: Das neue Design zeichnet sich durch ein 40-Millimeter-Gehäuse mit schlankerem Profil sowie eine Kombination aus gebürsteten und polierten Oberflächen aus. Das Zifferblatt besitzt einen frischen Look mit blockförmigen Luminova-Indizes und gewinnt durch seine Textur zusätzliche Tiefe. Außerdem verwenden wir das Automatikwerk G100 von La Joux-Perret mit einer Gangreserve von 68 Stunden.



IL: Verwenden Piloten diese Uhren eigentlich wirklich?
OvLH: Ja. Insbesondere in Deutschland gibt es eine starke Community von Fliegern, die diese Technologie schätzt. Wir bringen in diesem Jahr außerdem weitere Modelle mit technischen Innovationen auf den Markt – darunter Anzeigen, die man sonst nur aus dem Cockpit kennt. Es bleibt also spannend.



Alpina präsentiert in Partnerschaft mit Watch Angels die Startimer Pilot Chronograph Automatic IFR, die die sofortige Anzeige der Einflugkurven in eine Warteschleife ermöglicht.
IL: Inflation, steigende Energiekosten, Zölle: Können Sie uns etwas über Ihre Preispolitik sagen?
OvLH: Wir halten an einer Kernpreispositionierung fest, die knapp unter 1000 Euro beginnt und bis etwa 3000 Euro reicht. Wir glauben, dass in dieser Preisklasse weiterhin viel Potenzial besteht.
Während einige Marken ihre Preise in den vergangenen Jahren deutlich erhöht haben, bieten wir im Vergleich zur Konkurrenz ein sehr gutes und faires Preis-Leistungs-Verhältnis mit hochwertiger Verarbeitung und ansprechendem Design.
Oliver van Lanschot Hubrecht


IL: Wenn Sie die aktuellen Trends auf dem Uhrenmarkt betrachten: Wohin wird sich dieser Ihrer Meinung nach entwickeln?
OvLH: Ich glaube, dass High-End-Luxusmarken weiterhin florieren werden. Es gibt immer mehr wohlhabende Verbraucher, insbesondere in Schwellenländern wie Indien.
Gleichzeitig zeigt aber auch der Massenmarkt positive Tendenzen, die vor allem von den USA getragen werden. Aufgrund globaler Unsicherheiten herrscht jedoch eine gewisse Zurückhaltung beim Konsum.
Spannend ist außerdem der Aufstieg von Mikro-Marken, die durch den Direktvertrieb an Endkunden für frischen Wettbewerb sorgen – eine gesunde Entwicklung.
Zudem gibt es eine wachsende Gemeinschaft von Uhrenliebhabern, die nach etwas Besonderem sucht. Ich bin überzeugt, dass wir diesem Interesse mit unserer reichen Geschichte gerecht werden können.






