Kolumne: Basilia 2027 – neue Messe, alte Fragen

Die gute alte Baselworld, die zusammen mit dem Vorgängerformat MUBA (Mustermesse Basel) über 100 Jahre währte, erlebte ab 2013 einen rasanten Niedergang.

Das lange Ende einer Institution

Nach einem völlig überzogenen und äußerst kostspieligen Umbau von Teilen des Messegebäudes und einer Neuaufteilung der Messestände – was nicht überall auf Gegenliebe stieß – verließen nach und nach namhafte Aussteller die Baselworld. 2019 gingen die Swatch Group sowie das langjährige Managementteam der Messe. In den Corona-Wirren des Jahres 2020 verließen schließlich auch die fünf größten verbliebenen Aussteller die Baselworld. Das Ende war eingeläutet. Jetzt folgt Basilia.

Nach der Baselworld 2019 wurde die Ausgabe 2020 coronabedingt abgesagt. Noch im selben Jahr gab man die Umbenennung in HourUniverse sowie den Premierentermin 2022 bekannt. 2021 folgte dann die Rückwärtsrolle zurück zum Namen Baselworld.

Am Konzept hielt man jedoch fest – nur um es wenige Monate später ebenfalls zu begraben. Endgültig, dachten die meisten. Zumal sich der damalige Managing Director der Baselworld, Michel Loris-Melikoff, infolge der Absage entschied, das Unternehmen zu verlassen.

Abgesehen von den damals noch herrschenden Corona-Beschränkungen begründeten die Organisatoren die Absage der Baselworld 2020 auch damit, dass man sich mehr Zeit für den Neustart nehmen wolle als ursprünglich geplant.

Basilia 2027: Das Messekonzept

Es dauerte mehrere Jahre. Im April 2027 soll es nun so weit sein: Die Basilia Jewellery & Watch Fair soll in Halle 2 des Messegeländes in Basel mit mehr als 400 erwarteten Ausstellern (50 % Schmuck, 25 % Edelsteine und 25 % Uhren) als jährliches B2B-Format ihr Debüt geben. Ein genaues Datum wurde bislang nicht bekannt gegeben, doch der Termin soll sich offenbar mit dem Beginn der Publikumstage der ebenfalls im April stattfindenden Watches & Wonders in Genf überschneiden.

Alte Ideen im neuen Gewand?

Das Konzept der Basilia (der historische Name von Basel) ähnelt jenem, das Michel Loris-Melikoff im Sommer 2021 im Interview mit WatchPro Germany für die Baselworld 2022 erläutert hatte – im Schatten des sich bereits etablierenden Standorts Genf als neue Ausstellungsplattform für die Uhrenbranche:

„Wir wollen eine moderne Plattform für die gesamte Uhren-, Schmuck- und Edelsteinindustrie sein. (…) Im Vordergrund steht nicht die Architektur eines Standes, sondern die Produkte und die Menschen, die diese Szene ausmachen. (…) Es ist wichtig, dass die Leute ihr Business machen und netzwerken können, dass sie eine tolle Zeit in Basel verbringen und neue Dinge erfahren. Das ist wichtiger als die Architektur eines dreistöckigen Baus. (…) Und den Retailern müssen wir eine Möglichkeit geben, an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit eine möglichst große Bandbreite vorzufinden. (…) Vielfalt bedeutet auch, dass man nicht nur Genfer Luxusuhrenmarken auf einer Messe sehen, sondern auch neue Uhrenmarken und kleinere Manufakturen sowie Schmuck und Edelsteine entdecken will – alles an einem Ort. Und die Genfer bieten das so nicht an. (…) Als B2B-Plattform im mittleren Luxussegment soll sie Trends im Experience-Marketing mit den Bedürfnissen der gesamten Community im mittleren und gehobenen Segment der Uhren-, Schmuck- und Edelsteinindustrie verbinden.“

Wohlgemerkt: Das war die Beschreibung der geplanten Baselworld 2022.

Die offizielle Medienmitteilung zur Basilia klingt ähnlich. Dort heißt es unter anderem, dass der Branche ein breites kommerzielles Ökosystem fehle und dass das neue Format diese Lücke als internationale Business-to-Business-Plattform in Europa schließen werde. Das klingt wie ein frischer Aufguss des Baselworld-Konzepts von 2022 – auch hinsichtlich der Ausgestaltung der Ausstellungsfläche.

Auf der Pressekonferenz am 18. Juni 2026 erläuterte diesbezüglich Roman Imgrüth, CEO Exhibitions & Events bei der MCH Group, dass das „City“-Konzept der Basilia „bezahlbar“ sein werde: „Wir gehen davon aus, dass Kunden keine Millionen für den Standbau ausgeben werden. Wir wollen sie mit großartigen Produkten hier haben. Die Kosten werden für unsere Zielgruppe erschwinglich sein.“

Trotz der Parallelen sprach Imgrüth von einem völlig neuen Konzept: „Es ist eine komplett andere Art, das Produkt zu präsentieren“, antwortete er auf die Frage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, wie die Basilia dort erfolgreich sein solle, wo die Baselworld scheiterte. Es werde auf der Basilia Produkte geben, die auf keiner anderen Messe in Europa zu finden seien; zudem sollen sie erschwinglich sein. Die Basilia sei etwas „komplett Neues“, antwortete Imgrüth.

Genf als übermächtiger Konkurrent?

Auf die Gefahr hin, zum Spielverderber zu werden: Ich habe Zweifel, ob dieses ach so neue Konzept aufgehen wird – zumindest in puncto Uhren.

Meines Erachtens ist es heute sogar noch schwieriger als 2021/2022, neben dem Standort Genf einen weiteren Uhren-Hotspot in der Schweiz erfolgreich zu etablieren.

Es ist also ein mutiger Schritt, den die Messegesellschaft MCH Group gemeinsam mit der internationalen Veranstalterin Informa Markets gehen will.

Die Watches & Wonders in Genf haben sich innerhalb weniger Jahre zum Place to be für Uhrenmarken, -händler und -sammler entwickelt. Und während in den Palexpo-Hallen das Luxusuhren-Ausstellerkontingent ungebremst wächst, versammeln sich zeitgleich im unmittelbaren Umfeld Jahr für Jahr mehr kleinere Marken sowie Anbieter aus erschwinglicheren Preisbereichen.

Während der Geneva Watch Week trifft man mittlerweile einen Großteil der internationalen Brancheangehörigen: von professionellen Marktteilnehmern bis hin zu Uhrensammlern aus aller Welt. Die Grenze zwischen B2B und B2C ist längst aufgeweicht.

Der gewählte Termin der Basilia lässt zudem aufhorchen: April. Vermutlich mit Beginn der Publikumsöffnung der Watches & Wonders. Das klingt clever. Händler und Presse könnten sich gemeinsam auf Völkerwanderung von Genf nach Basel begeben, ohne einen kostspieligen Heimataufenthalt einzuplanen.

Aber sie wollen auch etwas zu sehen bekommen. Die große Frage ist, ob sich das „breite kommerzielle Ökosystem“ auf Basel als neuen alten Messeplatz einlässt. Oder ob man sich lieber im Umfeld der Luxusmarken im Palexpo positioniert – oder dort längst seinen Platz gefunden hat.

Natürlich hört man noch immer vielerorts den Wunsch nach der Rückkehr einer allumfassenden Baselworld. Aber nicht parallel zur Watches & Wonders, sondern an ihrer Stelle. So kommt vorerst nur ein weiterer Flicken zum Schweizer Messeteppich hinzu. Ob daraus tatsächlich ein tragfähiger Teil des Ganzen wird, bleibt abzuwarten.

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