A Moment at Botta Design: Eine Auszeit von der Uhrzeit
Klaus Botta, Erfinder der modernen Einzeigeruhr, feiert 2026 das 40-jährige Jubiläum seines Konzepts eines entschleunigten Zeiterlebens.
Der Name dieser Rubrik – A Moment at – passt perfekt zur deutschen Uhrenmarke Botta Design. Denn für Gründer Klaus Botta besteht Zeit weniger aus Stunden, Minuten oder gar Sekunden als aus Momenten, die mal ewig dauern und dann wieder viel zu schnell vergehen.

„Nicht die Menge verfügbarer Zeit entscheidet über ihren Wert. Sondern die Aufmerksamkeit, die wir ihr schenken“, betont der Uhrendesigner. Genau diesen souveränen Umgang mit Zeit möchte er mit seinen Uhren vermitteln. Dabei geht es aber nicht um planloses In-den-Tag-Hineinleben, sondern um das bewusste Erleben.
Verspätung & Entspannung
Anlässlich des 40. Geburtstags des Konzepts der „UNO“, der ersten modernen Einzeigeruhr von Klaus Botta, besuche ich ihn, seine Ehefrau Anke, das Team und Bürohund Puma in Königstein im Taunus, dem Firmensitz seit 2003. Dort bekomme ich gleich eine ebenso anschauliche wie vergnügliche Lektion darüber, was souveränes Zeitmanagement bedeutet.
Ich bin nämlich spät dran – die Deutsche Bahn lässt grüßen. Normalerweise sorgt das auf beiden Seiten für spürbare Unruhe: Reicht die Zeit für das Geplante? Erreicht man den – wahrscheinlich pünktlichen – Zug zurück?
Als Klaus Botta mich entspannt und gut gelaunt am Bahnhof empfängt, ist davon nichts zu spüren. Statt den kürzesten Weg ins Atelier einzuschlagen, lädt er mich zu einem Spaziergang durch Königstein ein – und erweist sich dabei ganz nebenbei als kenntnisreicher Stadtführer.

Die Kurstadt im Hochtaunuskreis, rund 20 Kilometer nordwestlich von Frankfurt am Main, ist vor allem für ihre imposante Burgruine bekannt. Von dort reicht der Blick über die Rhein-Main-Ebene bis nach Frankfurt. Unter Uhrenliebhabern verbindet man den Ort jedoch vor allem mit Botta Design. Denn hier leben und arbeiten Anke und Klaus Botta – sie Architektin, er Designer und gemeinsam Herz und Seele der Marke.
Kleiner Spoiler: Als ich später wieder am Bahnhof stehe, werfe ich einen Blick auf meine Uhr. Zum ersten Mal seit Langem interessiert mich nicht, wie viele Minuten der Zug Verspätung hat. Entscheidend ist nur, dass noch genügend Zeit bleibt.
Historie & Werdegang
In Klaus Bottas beruflichem Werdegang gibt es einen entscheidenden Bruch. Nach zwei Semestern Technischer Physik an der Universität Bayreuth wechselte er an die Hochschule für Gestaltung Offenbach, die sich in der Tradition des Bauhauses versteht. Rückblickend dürfte gerade dieser Schritt seine eigenständige Designphilosophie geprägt haben.
Botta interessiert sich jedoch weniger für die Formensprache früherer Bauhaus-Werke, als für Grundgedanken der 1919 gegründeten Design- und Architekturschule: Produkte funktionaler, verständlicher und langlebiger zu gestalten.
„Lediglich die Ästhetik des frühen 20. Jahrhunderts in die heutige Zeit zu übernehmen, ist zwar einfach in der Umsetzung, jedoch nicht im Sinne der Anwender. Eine derart rückwärtsgewandte Gestaltung würde dem Bauhausgedanken per se widersprechen. Stattdessen stellt die Bauhaus-Gestaltung den Menschen in den Mittelpunkt: bestmöglich, langlebig und mit zeitgemäßem Design“, erläutert Klaus Botta.
An Uhren dachte er zunächst allerdings gar nicht. Während des Studiums entwarf er unter anderem eine Lautsprecherbox, ein Sortierpult und einen CD-Player. Erst Mitte der 1980er-Jahre entstand zur Überraschung seiner Kommilitonen und Professoren eine Armbanduhr.
„Eine Armbanduhr sagt etwas über ihren Träger aus und ist eine Art Spiegel der Persönlichkeit“, erinnert sich Botta. „Das fand und finde ich bis heute extrem spannend.“
Erkenntnis & UNO
Aus Interesse wurde schnell Leidenschaft. Botta entwarf Uhren für sich, seine Studienkollegen und seine heutige Ehefrau. Es entstand eine kleine Serie mit handlackierten Zifferblättern – und schließlich 1986 die wegweisende Einzeigeruhr „UNO“, deren puristisches Design bis heute das Markenzeichen von Botta Design ist.
„Ich stand mit einem Studienkollegen in Offenbach vor dem Schaufenster eines Juweliers“, erinnert sich Botta an den Schlüsselmoment. „Schon damals hatte ich den Eindruck, dass viele Armbanduhren durch zusätzliche Zeiger, Anzeigen und Details eher an Übersicht verloren als gewannen. Mich interessierte der Gegenentwurf: nicht noch mehr Information, sondern bewusste Reduktion. Die Idee war, Zeit ähnlich eindeutig darzustellen wie ein analoges Messinstrument – mit einem klar positionierten Zeiger und einer Skala, die intuitiv verständlich ist. Aus diesem Gedanken entstand 1986 der erste Entwurf der Einzeigeruhr UNO.“

Noch im selben Jahr gründete er Botta Design und übernahm Gestaltungsaufträge für verschiedene Unternehmen, darunter die „Solar-1“ für Junghans. Sein Einzeiger-Konzept blieb zunächst jedoch in der Schublade – bis Watchpeople es in den 1990er-Jahren als Quarzuhr auf den Markt brachte. Die UNO entwickelte sich zum Bestseller.
Die eigene Marke
Als Watchpeople im Jahr 1999 verkauft wurde, fielen die Nutzungsrecht an der Gestaltung der „UNO“ an Botta zurück. Damit begann die eigentliche Erfolgsgeschichte seiner eigenen Marke. Noch im selben Jahr startete er von Offenbach aus den Vertrieb seiner Uhren unter eigenem Namen – Die Uhrenmarke BOTTA war geboren.



„Rückblickend war das der Beginn einer neuen Uhrenkategorie“, erläutert Klaus Botta. „In den Jahren danach haben viele andere Marken das Thema aufgegriffen und eigene Einzeigermodelle entwickelt. Das sehe ich auch als Bestätigung dafür, dass hinter dem Konzept mehr steckt als nur eine formale Besonderheit. Für mich ging es von Anfang an um eine andere Wahrnehmung von Zeit: weniger nervös, weniger sekundenfixiert, dafür großzügiger, ruhiger und menschlicher.“
Philosophie & Botschaft
Die Idee der ersten „UNO“ bildet bis heute das geistige Fundament der Marke: „Unsere Uhren sind keine Taktgeber, keine Instrumente der Kontrolle, sondern Werkzeuge für einen bewussten Umgang mit dem eigenen Rhythmus“, sagt Botta.

Auch seine Uhren können den Lauf der Zeit nicht beeinflussen, wohl aber die Art, wie Menschen Zeit wahrnehmen. „Unsere Zeit ist begrenzt. Gerade deshalb ist sie wertvoll. Wir können nicht jeden Moment festhalten, aber wir können entscheiden, welchen Momenten wir unsere Aufmerksamkeit schenken.“
Beispielhaft für diesen Gedanken ist bis heute das Modell „UNO“, das mit genau einem Zeiger auskommt, sowohl als 12- wie mittlerweile auch als 24-Stunden-Ausführung. Während der einzelne Zeiger innerhalb von zwölf beziehungsweise 24 Stunden eine vollständige Umdrehung vollzieht, ermöglicht die Skala in Fünf- beziehungsweise Zehn-Minuten-Schritten eine für den Alltag völlig ausreichende und zugleich angenehm entspannte Zeitanzeige.
Heute umfasst das Sortiment sieben Uhrenlinien – „UNO“, „TRES“, „NOVA“, „CLAVIUS“, UNO 24, TRES 24 und „MONDO GMT“ – sowie verschiedene Einzeiger-Wanduhren.




Qualität & Quadrologie
Alle Botta-Uhren entstehen im Designstudio in Königstein – von der ersten Handskizze über CAD-Konstruktion und Prototypen bis zur Datensatz-Erstellung für die einzelnen Bauteile. Nach der Fertigung durch spezialisierte Zulieferer werden sie von erfahrenen Uhrmachern montiert und alle mechanischen Modelle abschließend feinreguliert.


Botta setzt ausschließlich auf hochwertige Materialien und bewährte Technik. Seit 2023 kommen beispielsweise sogenannte Tri-Titan-Gehäuse zum Einsatz, bei denen drei unterschiedliche Titanlegierungen ihre jeweiligen Materialvorteile ausspielen. Im Inneren arbeiten Swiss-Made-Uhrwerke von ETA, Sellita oder Ronda.
Trotz ihrer vergleichsweise großen Dimensionen tragen sich die Uhren überraschend komfortabel. Dafür sorgen abgeschrägte Flanken auf der Unterseite sowie das firmeneigene Inverted-Lug-System, das den Abstand zwischen den Bandbefestigungen deutlich reduziert.

Botta beschränkt sich jedoch nicht auf die Einzeigeruhr. Seine gesamte Kollektion folgt einem selbst entwickelten Ordnungssystem, der „Quadrologie“. Sie gliedert die Modelle nach zwei Prinzipien: Ein- oder Mehrzeigeranzeige sowie 12- oder 24-Stunden-Darstellung. Daraus entstehen vier Bereiche – von der klassischen „UNO“ und „NOVA“ über die „UNO 24“ bis hin zu den Mehrzeigermodellen „TRES“, „TRES 24“ und „MONDO GMT“.
Mein Fazit
All diese Uhren halten die Zeit nicht auf. Aber sie erinnern daran, dass im Leben meist nicht Sekunden oder Minuten zählen, sondern die Momente – und die Art, wie wir sie erleben.
Und wenn ich den Zug in Königstein tatsächlich verpasst hätte? Dann wäre ich eben noch ein wenig länger in dieser schönen Taunusstadt geblieben – und hätte genau das getan, wozu Klaus Botta mit seinen Uhren ermutigen möchte: die Zeit bewusst genießen. botta-design.de
Die Botta-Philosophie am Handgelenk
UNO und UNO 24
Die Kollektion „UNO“ verkörpert Bottas Philosophie bis heute am konsequentesten. Neben der klassischen 12-Stunden-Version gibt es sie auch mit einer 24-Stunden-Anzeige, die dann UNO 24 heißt und bei der der einzelne Zeiger nur eine Umdrehung pro Tag vollzieht. Seine Position orientiert sich am natürlichen Lauf der Sonne: Morgens steigt er über den stilisierten Horizont, mittags erreicht er seinen höchsten Punkt, am Abend sinkt er wieder herab. Eine feine Markierung bei Mitternacht kennzeichnet den Übergang zum nächsten Tag und löst den Datumswechsel aus.


UNO Edition 40
Mit der „UNO Edition 40“ zum Jubiläum wurde das 12-Stunden-Einzeigerprinzip nochmals weiterentwickelt. So wurde für die Sonderausführung die Skala weiter reduziert, indem auf die 5-Minuten-Indizes bewusst verzichtet wurde. Übrig bleiben nur ganze Stunden und Viertelstunden. „Dadurch wirkt das Blatt nochmals ruhiger und geordneter. Die Uhr vermittelt ein noch entspannteres Zeitgefühl, ohne an Klarheit zu verlieren“, so Botta.

Die „UNO Edition 40“ ist in drei Farbvarianten erhätlich: Mangogelb wirkt warm, optimistisch und lebensfroh. Titangrau verkörpert Präzision, Sachlichkeit und zeitlose Zurückhaltung. Kornblumenblau steht für Ruhe, Klarheit und innere Balance.

NOVA
Die „NOVA“ treibt den Gedanken der Reduktion konsequent weiter. Klaus Botta konzentriert sich auf die elementaren Formen von Kreis und Zylinder. Selbst die Zeitanzeige lebt von der Kunst des Weglassens: Eine Minuteneinteilung fehlt vollständig, lediglich die Ziffern Drei und Neun erinnern noch an ein klassisches Zifferblatt.

TRES und TRES 24
Auch wenn die Einzeigeruhren das Bild der Marke prägen, entwickelt Botta seit jeher Mehrzeigeruhren. Die „TRES“ ist als 12- und 24-Stunden-Version erhältlich und richtet sich an Menschen, die eine präzisere Zeitanzeige wünschen, ohne auf die klare Formensprache von Botta Design zu verzichten.


CLAVIUS
Die „CLAVIUS“ interpretiert Zeit auf ihre ganz eigene Weise. Eine kreisförmige Scheibe verdeckt den Großteil des Zifferblatts und lässt lediglich am Rand ein Ringfenster frei. Dort ziehen Stunden- und Minutenzeiger als schwebend wirkende Trapeze ihre Bahnen. Der Sekundenzeiger bleibt hinter der Mittelscheibe verborgen und tritt nur durch feine Schlitze in Erscheinung.

Dadurch scheint er an jeder Sekundenmarkierung kurz zu verharren, obwohl er sich kontinuierlich weiterbewegt. Verantwortlich für diesen faszinierenden Eindruck ist der sogenannte Moiré-Effekt, der der CLAVIUS ihre außergewöhnliche, beinahe digitale Anmutung verleiht.
MONDO GMT
Die „MONDO GMT“ verbindet eine klassische 12-Stunden-Anzeige für die Ortszeit mit einer sonnensynchronen 24-Stunden-Einzeigeranzeige für eine zweite Zeitzone. Die in Tag- und Nachthälfte gegliederte Darstellung erleichtert die Orientierung zwischen verschiedenen Zeitzonen – und verhindert so manchen ungewollten Weckanruf.







