INHORGENTA VINTAGE 2027: Die Fachmesse öffnet eine Tür zum Publikum
Die Frage wird in der Schmuck- und Uhrenbranche seit Jahren kontrovers diskutiert: Sollte die INHORGENTA auch Menschen ohne Fachbesucherlegitimation offenstehen? Mit der INHORGENTA VINTAGE findet die Messe nun eine Antwort, ohne ihr bisheriges B2B-Konzept vollständig aufzugeben.
Vom 19. bis 22. Februar 2027 entsteht parallel zur INHORGENTA MUNICH erstmals ein eigenständiger Publikumspavillon für hochwertigen Vintage- und antiken Schmuck sowie Pre-Owned-Uhren. Während die Hauptmesse weiterhin dem Fachpublikum vorbehalten bleibt, richtet sich der neue Bereich gezielt an Sammler, Liebhaber und kaufinteressierte Privatkunden.
Damit wagt die INHORGENTA keine vollständige Öffnung, schafft aber eine erste klar definierte Verbindung zwischen Fachmesse und Endverbrauchern.
Ein eigener Bereich für Vintage und Pre-Owned
Die INHORGENTA VINTAGE zieht in die vorgelagerte Halle B0 am Eingang West der Messe München ein. Ein separater Zugang grenzt den neuen Publikumsbereich räumlich von den regulären Ausstellungsflächen der Fachmesse ab.

Inhaltlich konzentriert sich das Format auf hochwertigen Vintage- und antiken Schmuck sowie gebrauchte Uhren. Damit greift die Messe einen Markt auf, der innerhalb der Schmuck- und Uhrenbranche deutlich an Bedeutung gewonnen hat.
Vintage-Schmuck spricht Kunden an, die nach individuellen Stücken mit Geschichte suchen. Bei Uhren hat sich der Handel mit gebrauchten und historischen Modellen längst zu einem eigenständigen Markt entwickelt. Neben bekannten Referenzen stehen dabei Seltenheit, Erhaltungszustand, Herkunft und Authentizität im Mittelpunkt.
Die umstrittene Frage der Publikumsöffnung
Die Öffnung der INHORGENTA für Nicht-Fachbesucher wird innerhalb der Branche seit Langem unterschiedlich beurteilt. Für eine Öffnung spricht vor allem die größere Sichtbarkeit: Ein breiteres Publikum bringt zusätzliche Aufmerksamkeit, ermöglicht neue Begegnungen mit Schmuck und Uhren und kann insbesondere jüngere Menschen an die Branche heranführen.
Für Marken und Händler bietet der unmittelbare Kontakt mit Endkunden außerdem die Gelegenheit, Bedürfnisse, Reaktionen und Kaufmotive aus erster Hand kennenzulernen. Eine Messe wird dadurch nicht nur zum Handelsplatz, sondern zugleich zur Bühne für Marken, Handwerk und Produktkultur.
Dem stehen nachvollziehbare Bedenken gegenüber. Eine Fachmesse dient in erster Linie dem konzentrierten Austausch zwischen Herstellern, Händlern, Einkäufern und Dienstleistern. Gespräche über Sortimente, Konditionen, Distribution und langfristige Zusammenarbeit benötigen Zeit und einen professionellen Rahmen. Ein hohes Publikumsaufkommen kann den Einkauf erschweren, Beratungskapazitäten binden und die Abläufe an den Messeständen verändern.
Die eigentliche Frage lautet deshalb weniger, ob sich eine Messe öffnen sollte, sondern wie sich Sichtbarkeit und Endkundenansprache mit den Anforderungen des Fachgeschäfts verbinden lassen.
Unterschiedliche Wege zwischen B2B und Publikum
Andere Veranstaltungen haben dafür bereits verschiedene Modelle entwickelt. Watches and Wonders Geneva hält an einer zeitlichen Trennung fest. Bei der Ausgabe 2026 waren zunächst vier Tage den Fachbesuchern vorbehalten, anschließend folgten drei Publikumstage. Dadurch konnten Marken und Händler ihre geschäftlichen Termine konzentriert wahrnehmen, bevor sich die Messe einem größeren Kreis von Uhreninteressierten öffnete. Ergänzt wurde dies durch ein kostenloses Programm in der Genfer Innenstadt.
Ein ähnliches Modell verfolgt die Gemworld Munich als Teil der Munich Show. 2026 sind der 22. und 23. Oktober registrierten Fachbesuchern vorbehalten. Am anschließenden Wochenende öffnet die Veranstaltung auch für das allgemeine Publikum.
Beide Formate trennen Fach- und Publikumsgeschäft zeitlich. Die Aussteller können sich zunächst auf Einkauf, Verkauf und professionelle Gespräche konzentrieren und anschließend Sammler und interessierte Privatkunden empfangen.
VO Vintage als direktes Vorbild
Noch näher am neuen Münchner Konzept liegt VO Vintage. Die Vicenzaoro selbst bleibt eine reine B2B-Veranstaltung für Fachleute der Schmuck- und Uhrenbranche. Parallel dazu veranstaltet die Italian Exhibition Group mit VO Vintage einen öffentlich zugänglichen Marktplatz für hochwertige Vintage-Uhren und historischen Schmuck.
VO Vintage richtet sich ausdrücklich an Sammler, Liebhaber und spezialisierte Händler. Die Stücke können vor Ort betrachtet und gekauft werden. Begleitet wird das Angebot durch Gespräche, Vorträge und Veranstaltungen mit Experten der Vintage-Szene.
Die Trennung erfolgt dort vor allem räumlich und konzeptionell: Vicenzaoro bleibt eine Fachmesse, während VO Vintage als eigener B2C-Bereich innerhalb des Veranstaltungsumfeldes positioniert wird. Nach Angaben des Veranstalters ist es der einzige öffentlich zugängliche Bereich der Vicenzaoro.
Genau an dieses Modell erinnert die INHORGENTA VINTAGE. Auch in München bleibt die Fachmesse geschlossen, während ein separat zugänglicher Bereich den Kontakt zum Publikum ermöglicht.
Ein vorsichtiger Schritt statt vollständiger Öffnung
Die INHORGENTA entscheidet sich damit weder für eine vollständige Öffnung noch für getrennte Fach- und Publikumstage. Stattdessen entsteht eine parallel stattfindende, räumlich abgegrenzte Plattform mit eigenem Profil.
Das hat mehrere Vorteile. Fachbesucher können sich weiterhin innerhalb der Hauptmesse bewegen, ohne dass deren grundsätzlicher Charakter verändert wird. Gleichzeitig erhalten Sammler und Privatkunden Zugang zu einem ausgewählten Teil des Angebots. Aussteller, die den direkten Verkauf und die Endkundenansprache suchen, können sich gezielt für den neuen Bereich entscheiden.
Ob diese Abgrenzung in der Praxis funktioniert, wird wesentlich davon abhängen, wie Besucherströme, Tickets und Zugänge organisiert werden. Entscheidend wird auch sein, ob der Pavillon ein eigenständiges Angebot mit interessanten Händlern, besonderen Stücken und einem begleitenden Programm entwickelt – oder lediglich wie eine Erweiterung der Verkaufsfläche wirkt.
Neue Möglichkeiten für Händler und Aussteller
Die Teilnahme steht sowohl bereits angemeldeten Ausstellern der INHORGENTA als auch neuen Anbietern aus den Bereichen Vintage, Pre-Owned und antiker Schmuck offen. Bestehende Aussteller können ihr Messeengagement um einen zusätzlichen Stand in Halle B0 erweitern.
Für Händler bietet der Pavillon die Möglichkeit, unmittelbar mit Endkunden in Kontakt zu treten. Neben dem direkten Verkauf kann das Format dazu dienen, neue Sammler anzusprechen, Vertrauen aufzubauen und die eigene Kompetenz bei Bewertung, Herkunft und Auswahl historischer Stücke sichtbar zu machen.
Gerade bei gebrauchten Uhren und älterem Schmuck besitzt die persönliche Beratung besondere Bedeutung. Zustand, Restaurierungen, Provenienz und Authentizität lassen sich im direkten Gespräch wesentlich differenzierter vermitteln als über eine reine Online-Präsentation.
Schlüsselfertige Stände für die Premiere
Für die erste Ausgabe bietet die Messe vorkonfigurierte Standbaupakete mit Flächen von 12, 15 oder 20 Quadratmetern an. Sie umfassen unter anderem Wände, Beleuchtung, Stromanschluss, Mobiliar, Lagerraum, Garderobe und Standbeschriftung.
Abhängig von der gewählten Fläche sind zwei beziehungsweise drei Vitrinen enthalten. Die schlüsselfertige Gestaltung soll insbesondere kleineren Händlern und spezialisierten Anbietern eine Teilnahme ohne umfangreiche eigene Messeplanung ermöglichen.
Die verfügbaren Standflächen sind nach Angaben des Veranstalters begrenzt. Die Vergabe erfolgt nach dem Prinzip „First come, first served“.
Für Anmeldung und Standreservierung hier entlang
Öffnungszeiten der INHORGENTA VINTAGE 2027
Die INHORGENTA VINTAGE findet an allen vier Messetagen statt:
- Freitag, 19. Februar 2027: 9.30 bis 18.30 Uhr
- Samstag, 20. Februar 2027: 9.30 bis 18.30 Uhr
- Sonntag, 21. Februar 2027: 9.30 bis 18.30 Uhr
- Montag, 22. Februar 2027: 9.30 bis 17.00 Uhr
INHORGENTA-Aussteller und legitimierte Fachbesucher können den neuen Bereich mit ihrem Messeticket betreten. Privatkunden und Sammler ohne Fachbesucherlegitimation benötigen ein separates Ticket.
Ein Test für die künftige Ausrichtung
Mit der INHORGENTA VINTAGE reagiert die Messe auf zwei Entwicklungen: das wachsende Interesse an Vintage-Schmuck und Pre-Owned-Uhren sowie den Wunsch nach mehr Sichtbarkeit und Zugänglichkeit für die Branche.
Der neue Pavillon ist deshalb mehr als eine zusätzliche Ausstellungsfläche. Er wird auch zu einem Test dafür, wie nah die INHORGENTA künftig an das Publikum heranrücken kann, ohne ihre Funktion als Fach- und Ordermesse zu beeinträchtigen.
Die Messe entscheidet sich zunächst für einen kontrollierten Mittelweg. Das Fachgeschäft bleibt geschützt, während sich an anderer Stelle eine Tür für Sammler und Liebhaber öffnet. Ob daraus ein dauerhaftes Format nach dem Vorbild von VO Vintage entsteht, dürfte zu den interessantesten Fragen der INHORGENTA 2027 gehören.






