Schweiz: neues Freihandelsabkommen mit China

Das neue Freihandelsabkommen mit China verbessert auch die Rahmenbedingungen für Schweizer Uhren – löst aber nicht automatisch das „China-Problem

Die Nachricht klingt zunächst deutlich positiv: Die Schweiz und China haben die Verhandlungen über eine Optimierung ihres Freihandelsabkommens abgeschlossen. Für Schweizer Exporteure soll sich der Zugang zum chinesischen Markt damit erheblich verbessern. Künftig sollen 99,8 Prozent der aktuellen Schweizer Warenexporte zollfrei nach China gelangen können. Bislang galt dies nur für rund die Hälfte der Schweizer Exporte, während chinesische Waren bereits weitgehend zollfrei in die Schweiz eingeführt werden konnten.

Für die Schweizer Uhrenindustrie ist das grundsätzlich ein positives Signal. China bleibt trotz schwacher Entwicklung einer der wichtigen internationalen Märkte. Zudem gehörten Uhren bereits beim ursprünglichen Freihandelsabkommen von 2014 zu den besonders beachteten Produktgruppen. Damals wurden die chinesischen Einfuhrzölle auf wichtige Uhrenkategorien nicht vollständig gestrichen, sondern über zehn Jahre um 60 Prozent reduziert. Die Federation of the Swiss Watch Industry bezifferte die daraus resultierenden Zollsätze damals auf etwa 4,4 bis 5 Prozent.

Marktzugang verbessert sich

Der entscheidende Punkt des neuen Abkommens liegt also nicht in einem sofortigen Nachfrageschub, sondern in besseren Handelsbedingungen. Wenn Schweizer Uhren künftig zollfrei nach China eingeführt werden können, verbessert sich ihre preisliche und strukturelle Wettbewerbsposition. Für Hersteller kann das Margen entlasten, Preisspielräume eröffnen oder den offiziellen Vertrieb gegenüber anderen Beschaffungswegen stärken.

Auch handelspolitisch ist das Abkommen relevant. China ist nach Deutschland und den USA der drittgrößte Handelspartner der Schweiz. Reuters beziffert den bilateralen Handel für das vergangene Jahr auf 51,2 Milliarden Franken; für 2026 nennt die Agentur bereits 46 Milliarden Franken. Das zeigt die wirtschaftliche Bedeutung des Abkommens weit über die Uhrenbranche hinaus.

Allerdings ist der Zeitplan wichtig. Das Abkommen ist noch nicht in Kraft. Laut dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, wurde zunächst der Abschluss der Verhandlungen bekannt gegeben; die formelle Unterzeichnung soll bis Ende 2026 erfolgen. Danach folgen die jeweiligen innerstaatlichen Genehmigungsprozesse. Für die Uhrenbranche handelt es sich damit um eine mittelfristige Perspektive, nicht um einen unmittelbar wirksamen Markteffekt.

Die Nachfrage bleibt das eigentliche Problem

Gerade hier liegt die zentrale Einordnung. Niedrigere Zölle verbessern den Marktzugang, sie ersetzen aber keine stabile Nachfrage. Der chinesische Markt hat sich für Schweizer Uhren in den vergangenen Jahren deutlich schwieriger entwickelt. 2025 gingen die Schweizer Uhrenexporte nach China um 12,1 Prozent zurück, Hongkong verlor 6,5 Prozent. Die Federation of the Swiss Watch Industry verwies insgesamt auf ein anspruchsvolles Marktumfeld, in dem vor allem Asien schwächer abschnitt.

Auch die jüngsten Monatszahlen zeigen, dass China weiterhin kein einfacher Markt ist. Im Juli 2026 stiegen die Schweizer Uhrenexporte insgesamt um 9,6 Prozent auf 2,628 Milliarden Franken. China lag dagegen mit minus 18,5 Prozent erneut deutlich im Rückgang; auch Japan und die Vereinigten Arabischen Emirate entwickelten sich schwächer.

Als handelspolitisches Signal ist das Abkommen zweifellos positiv. Eine unmittelbare Trendwende für Schweizer Uhren in China bedeutet es jedoch nicht. Die eigentliche Frage lautet: Werden niedrigere Einfuhrkosten ausreichen, um Konsumzurückhaltung, schwächeres Vertrauen und veränderte Luxusprioritäten im chinesischen Markt auszugleichen?

Luxussteuer bleibt ein Faktor

Hinzu kommt: Der bisherige Zoll war nur ein Teil der Preisstruktur. Für hochwertige Uhren in China spielt auch die separate Luxus- beziehungsweise Verbrauchssteuer eine Rolle. Schon beim ursprünglichen Freihandelsabkommen wurde darauf hingewiesen, dass Uhren ab bestimmten Preisgrenzen zusätzlich zur Einfuhrabgabe einer 20-prozentigen Verbrauchssteuer unterliegen können. Diese Steuer war nicht Gegenstand der damaligen Zollsenkung und bleibt auch in der aktuellen Berichterstattung als relativierender Faktor bestehen.

Für Schweizer Hersteller bedeutet das: Selbst ein vollständiger Wegfall der Zölle muss nicht automatisch zu deutlich niedrigeren Endpreisen führen. Er kann aber die Kalkulation verbessern, legale Importwege attraktiver machen und den offiziellen Vertrieb strukturell stärken.

Ein positives Signal, kein Selbstläufer

Für die Schweizer Uhrenindustrie ist das optimierte Freihandelsabkommen ein wichtiger handelspolitischer Schritt. Es kann die Wettbewerbsfähigkeit in China verbessern, Kosten senken und den offiziellen Vertrieb stärken. Gleichzeitig bleibt der Markt schwierig. Die Exportdaten zeigen weiterhin Rückgänge, und die Nachfrage nach Luxusuhren in China hat sich noch nicht nachhaltig erholt.

Der eigentliche Befund lautet deshalb: Das Abkommen verbessert die Angebotsseite. Die Nachfragewende muss der Markt erst noch liefern.

Quellenbasis: SECO / Schweizer Eidgenossenschaft, Reuters, Federation of the Swiss Watch Industry FH, Radiocor/Borsa Italiana, SWI swissinfo.

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