INSIGHT-RADAR: Kurznachrichten aus der Branche
Bianchet, Beda’a und Jaeger-LeCoultre zeigen drei Wege, wie Marken ihre Welt erzählen
Titelbild: Jaeger LeCoultre ‚THE VALLEY OF INVENTIONS’ IN SHANGHAI
Drei Meldungen aus der internationalen Uhrenwelt zeigen, wie unterschiedlich Marken heute Sichtbarkeit schaffen: über Sport, eigene Boutiquen und immersive Ausstellungen. Im Mittelpunkt steht dabei weniger der einzelne Produktlaunch als die Frage, wie Marken ihre Welt aufbauen, verdichten und für neue Zielgruppen zugänglich machen.
Bianchet nutzt die Energie des Profisports und die persönliche Geschichte zweier Brüder. Beda’a schafft mit der ersten Flagship-Boutique einen eigenen physischen Markenraum. Jaeger-LeCoultre übersetzt Herkunft, Präzision und Handwerk in ein Ausstellungsformat in Shanghai. Drei Ansätze, ein gemeinsamer Befund: Uhrenmarken erzählen heute nicht nur über Modelle, sondern über Kontexte.
Bianchet: Performance und persönliche Geschichten

Bianchet erweitert seine Markenwelt um zwei neue Gesichter aus dem Profisport. Die unabhängige Schweizer Uhrenmarke begrüßt die NFL-Spieler Chase Brown und Sydney Brown als Markenbotschafter. Die Zwillingsbrüder stehen in der Kommunikation der Marke für ein Motiv, das Bianchet stark mit der eigenen Familiengeschichte verbindet: unterschiedliche Talente, gemeinsamer Anspruch und Leistung im Zusammenspiel.
Chase Brown spielt für die Cincinnati Bengals, Sydney Brown für die Atlanta Falcons. Für Bianchet ist die Partnerschaft weniger eine klassische Testimonial-Meldung als ein Versuch, Haute Horlogerie, Performance und US-Sportkultur miteinander zu verbinden. Die Marke stellt dabei Teamgeist, Resilienz und die Idee komplementärer Stärken in den Mittelpunkt.
Am Handgelenk tragen die Brüder Modelle der Rotondo UltraFino-Linie. Chase Brown trägt die Variante in Titan mit Sky-Blue-Akzenten, Sydney Brown die High-Density-Carbon-Version. Beide Modelle nutzen das automatische fliegende Tourbillonkaliber UR01 mit 60 Stunden Gangreserve und einer Stoßfestigkeit bis 5.000 G.


Bianchet: Rotondo UltraFino in Titan mit Sky-Blue-Akzenten und die High-Density-Carbon-Version
Interessant ist daran weniger die reine Botschafter-Meldung als die Verschiebung der Erzählung. Bianchet positioniert das Tourbillon nicht nur als klassisches Symbol der Haute Horlogerie, sondern als Ausdruck von Leichtigkeit, Belastbarkeit und Performance. Damit bewegt sich die Marke in einem Umfeld, in dem technische Raffinesse und körperliche Leistungsbilder bewusst miteinander verknüpft werden.
Beda’a: Boutique als Markenraum

Beda’a eröffnet seine erste Flagship-Boutique im Mandarin Oriental in Doha. Für die unabhängige Marke ist das ein wichtiger Schritt: Erstmals erhält Beda’a einen eigenen permanenten Raum, der vollständig auf die Präsentation der Kollektionen ausgerichtet ist. Zugleich markiert die Boutique eine stärkere internationale Ausrichtung; eine weitere Boutique in London ist für Ende 2026 geplant.
Zur Eröffnung präsentiert Beda’a zwei exklusive Boutique Editions: die Angles 37 Boutique Edition und die Angles Mecaline Boutique Edition. Beide Modelle greifen die charakteristische Geometrie der Angles-Kollektion auf und kombinieren ein vertikal gebürstetes silberfarbenes Zifferblatt mit Breguet-Ziffern, goldfarbenen Zeigern und blauem Armband. Die Gestaltung nimmt auch Bezug auf die neue Boutique, deren Interieur von Silber- und Schwarztönen geprägt ist.


Bedaá: Angles 37
Die Angles 37 Boutique Edition setzt auf ein Ronda 1062.1 Slimtech-Quarzwerk, ein 37-Millimeter-Gehäuse und eine Bauhöhe von 5,3 Millimetern. Die Angles Mecaline Boutique Edition bringt dieselbe Gestaltung in eine mechanische Variante mit Handaufzug, kleiner Sekunde bei sechs Uhr und Peseux/ETA 7001. Beide Modelle sind ausschließlich über die Beda’a-Boutiquen erhältlich.
Damit wird die Boutique selbst Teil der Kollektionserzählung. Die Modelle sind nicht nur neue Varianten einer bestehenden Linie, sondern greifen Farben, Atmosphäre und Architektur des Raums auf. Beda’a nutzt Retail hier als Verlängerung der Markenidentität: ein Ort, an dem Produkt, Interieur und Exklusivität zusammengeführt werden.
Jaeger-LeCoultre: Herkunft als Erlebnisraum

Jaeger-LeCoultre bringt seine Herkunft aus der Vallée de Joux nach Shanghai. Vom 10. bis 23. September 2026 zeigt die Maison im Zhang Yuan W4 die Ausstellung „The Valley of Inventions“. Sie ist öffentlich und kostenlos zugänglich und widmet sich dem Einfluss der Vallée de Joux auf die Entwicklung der modernen Haute Horlogerie.
Im Mittelpunkt stehen mehr als 190 Jahre Erfindergeist und Präzision. Die Ausstellung ist in vier Themen gegliedert: Precision and Chronometry, Precision and Tourbillon, Precision and Multi-Axis Tourbillons sowie Precision and Complications. Ergänzt wird das Format durch neue Hybris- und feminine Zeitmesser, die asiatische Präsentation neuer Reverso-Enamel-Unikate, Live-Demonstrationen, eine Atmos-Galerie, The Collectibles und einen eigenen Raum zur neuen High Precision Guarantee.
Interessant ist das Format, weil Jaeger-LeCoultre hier nicht nur Produkte zeigt, sondern die eigene Rolle als Manufacture-Atelier erklärt. Die Maison verweist auf 82 Ateliers, 108 Handwerke und 235 Techniken unter einem Dach sowie auf mehr als 430 Patente. Damit wird die Ausstellung zu einem Markenraum, in dem Herkunft, technische Kompetenz und handwerkliche Praxis miteinander verbunden werden.
Die Vallée de Joux wird dabei nicht nur als geografischer Ursprung erzählt, sondern als kultureller und technischer Resonanzraum. Landschaft, Klima, Werkstätten, Erfindungen und Präzision werden zu Elementen einer größeren Markenerzählung. Genau darin liegt die Stärke solcher Ausstellungsformate: Sie machen Uhrmacherei nicht nur sichtbar, sondern räumlich erfahrbar.






