Homo Faber 2026: Venedig rückt das Kunsthandwerk ins Licht

Die Biennale auf San Giorgio Maggiore zeigt im September 2026 Kunsthandwerk aus aller Welt. Auch zahlreiche Häuser aus dem Luxussegment sind beteiligt – von Vacheron Constantin und Cartier bis Buccellati, De Beers, IWC Schaffhausen und Piaget.

Titelbild: Piscina Gandini Homo Faber 2026 ©Es Devlin STUDIO

Luxus spricht oft über Handwerk. Bei Homo Faber wird es sichtbar. Einen Monat lang versammelt die Biennale in Venedig Kunsthandwerker aus aller Welt, zeigt ihre Arbeiten und öffnet den Blick auf Materialien, Techniken und Herstellungsprozesse.

Die vierte Ausgabe findet vom 1. bis 30. September 2026 in der Fondazione Giorgio Cini auf der Insel San Giorgio Maggiore statt. Unter dem Titel „An Island of Light“ widmet sich Homo Faber 2026 dem Zusammenspiel von Licht, Material und handwerklicher Arbeit. Mehr als 500 Kunsthandwerker aus über 70 Ländern sollen mit mehr als 700 Objekten vertreten sein. Geplant sind 15 immersive Installationen, ergänzt durch Vorführungen, Workshops, gastronomische Formate und Führungen.

Homo Faber ist damit Ausstellung, Bühne und Begegnungsort zugleich. Im Mittelpunkt stehen nicht neue Kollektionen oder klassische Markenauftritte, sondern die Menschen, Techniken und Materialien hinter außergewöhnlichen Objekten.

Die Idee hinter Homo Faber

Hinter der Biennale steht die Michelangelo Foundation for Creativity and Craftsmanship. Die internationale Non-Profit-Organisation wurde 2016 in Genf von Johann Rupert und Franco Cologni gegründet. Rupert ist Unternehmer und Chairman von Richemont, Cologni langjähriger Kulturförderer und früherer Richemont-Manager.

Die Stiftung setzt sich für anspruchsvolles Kunsthandwerk ein. Sie macht Handwerker sichtbar, fördert Austausch, unterstützt die Weitergabe von Wissen und schafft internationale Netzwerke. Der Name Homo faber verweist auf den Menschen als Schöpfer und Gestalter – auf jemanden, der durch Können, Erfahrung und Arbeit Objekte formt.

Die erste Ausgabe der Homo Faber fand 2018 in Venedig statt. Damals wurden 900 Objekte von 410 Kunsthandwerkern gezeigt; 62.500 Besucher kamen auf die Insel. Nach den Ausgaben 2022 und 2024 kehrt das Format 2026 zum vierten Mal zurück.

An Island of Light

Für die künstlerische Leitung 2026 zeichnet die britische Künstlerin und Bühnenbildnerin Es Devlin verantwortlich. Sie ist für großformatige, oft begehbare Installationen bekannt und arbeitet mit Licht, Spiegeln, Bewegung und Raum.

Es Devlin Art Director ©Victor Picon

Diese Handschrift prägt auch „An Island of Light“. Die Kunsthandwerker werden als einzelne „Inseln“ des Wissens verstanden, die gemeinsam einen größeren Archipel bilden. Licht dient dabei nicht nur der Inszenierung. Es macht Oberflächen, Strukturen, Farben und Materialveränderungen sichtbar.

Neben den Ausstellungsobjekten gehören Live-Demonstrationen und Workshops zum Programm. Besucher können Arbeitsprozesse verfolgen und ausgewählte Techniken selbst erproben. 90 internationale Studenten aus Handwerks- und Designschulen begleiten die Ausstellung als Young Ambassadors und vermitteln Hintergründe zu Arbeiten, Materialien und Herstellungsweisen.

Mit Homo Faber in Città erweitert sich die Biennale zudem in die Stadt Venedig. Werkstätten öffnen ihre Türen, thematische Routen führen zu Kunsthandwerkern vor Ort. In der Casa Sanlorenzo sind zwei zusätzliche Ausstellungen angekündigt: eine Präsentation über Meister aus Venedig und dem Veneto, kuratiert von Artemest, sowie eine Ausstellung über Kunsthandwerker aus Luxemburg.

Luxusmarken bei Homo Faber 2026

Zu den Förderern der Homo Faber 2026 gehören zahlreiche Häuser aus der internationalen Luxusindustrie. Besonders stark vertreten sind Uhren- und Schmuckmarken.

Vacheron Constantin gehört als „Champion of Creativity and Craftsmanship“ zur zweithöchsten Förderstufe. Als „Advocates“ folgen A. Lange & Söhne, Cartier, Montblanc und Van Cleef & Arpels. Zu den als „Allies“ bezeichneten Partnern zählen Buccellati, De Beers, IWC Schaffhausen, Jaeger-LeCoultre, Panerai und Piaget.

Auch Mode, Lederwaren, Porzellan, Interior Design und Yachtbau sind vertreten. Dazu gehören Chloé, Delvaux, Santoni und Serapian, das von Chanel geschaffene Kunsthandwerkszentrum le19M, die Porzellanmanufaktur Ginori 1735, Promemoria, Villari, iDOGI, Artemest und Sanlorenzo Arts.

Die Förderstufen beschreiben zunächst die Rolle der Partner innerhalb des Gesamtprojekts. Sie bedeuten nicht automatisch, dass jedes Haus mit einer eigenen Markenpräsentation oder einer Kollektion in der Ausstellung vertreten ist.

Handwerk, Techniken und Marken

Einige Häuser unterstützen konkrete Vorführungen oder Themen innerhalb des Programms. Dadurch entstehen unterschiedliche Verbindungen zwischen Marke, Material und handwerklicher Technik.

Vacheron Constantin fördert Demonstrationen rund um Papiergestaltung und Mikro-Origami. Cartier unterstützt die Herstellung einer Konzertgitarre. Montblanc begleitet eine Arbeit zur Gravur von Muranoglas. Jaeger-LeCoultre ist mit der Restaurierung eines Gemäldes aus dem 18. Jahrhundert verbunden.

Bei den Schmuckhäusern führen die Projekte näher an Materialien und Techniken heran. Buccellati unterstützt eine Präsentation, in der Silber und Gold in dekorativer Silberschmiedearbeit zusammentreffen. Piaget begleitet „Lace forged from metal“, eine Arbeit zur Übersetzung filigraner Spitzenstrukturen in Metall. De Beers unterstützt ein Projekt zur Bewahrung der Korbflechttradition Botswanas.

Andere Partnerschaften öffnen den Blick auf weitere handwerkliche Felder. IWC Schaffhausen unterstützt die japanische Nerikomi-Technik, bei der farbige Tone zu Mustern geschichtet werden. Chloé begleitet die Weiterentwicklung madagassischer Raffia-Traditionen. Delvaux unterstützt französisches Flechthandwerk. Santoni ist mit zeitgenössischer Papierherstellung aus wiederverwendeten Materialien verbunden.

Van Cleef & Arpels tritt neben seiner Rolle als Förderer auch außerhalb der Hauptausstellung in Erscheinung. Das Haus unterstützt seit 2023 die Arbeit der Venice Gardens Foundation am Klostergarten der Redentore-Kirche. Während Homo Faber wird dieser Ort Schauplatz einer Fotoausstellung von Juliette Agnel.

Homo Faber in Venedig

Homo Faber bewegt sich zwischen Ausstellung, Kulturprogramm und handwerklicher Vermittlung. Die Fondazione Giorgio Cini auf San Giorgio Maggiore bildet den zentralen Ort der Biennale. Die Erweiterung in die Stadt führt zugleich in Ateliers, Werkstätten und Orte, an denen Kunsthandwerk in Venedig bis heute präsent ist.

Für Besucher entsteht so ein Programm, das Objekte, Herstellungsprozesse und Begegnungen miteinander verbindet. Gezeigt werden nicht nur fertige Arbeiten, sondern auch die Wege dorthin: Materialauswahl, Werkzeuge, Techniken, Gesten und Zeit.

Homo Faber 2026 – An Island of Light

1. bis 30. September 2026

Fondazione Giorgio Cini, San Giorgio Maggiore, Venedig

Weitere Informationen und Programm:

https://www.homofaber.com/en/biennial/homofaber-2026
HOMO FABER 2026 Key Visual ©Michelangelo Fondation

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