INSIGHT Secondary Market Monitor: Erholung ohne neue Euphorie

Der Uhren-Sekundärmarkt setzt seine Erholung fort. Bei Rolex, Patek Philippe und Audemars Piguet bleiben die Ausschläge im August 2026 gering. Deutlich mehr Bewegung zeigt sich dagegen bei einzelnen Marken, Kollektionen und Preissegmenten.

Der WatchCharts Overall Market Index stieg im August 2026 um 0,4 Prozent. 18 der 28 von WatchCharts beobachteten großen Marken beendeten den Monat im Plus.

Rolex legte um 0,5 Prozent zu, Patek Philippe um 0,3 Prozent und Audemars Piguet um 0,2 Prozent. Größere Ausschläge blieben bei den führenden Marken damit aus.

Anders sieht es bei einzelnen Marken und Kollektionen aus. Breguet verzeichnete auf Markenebene mit plus 1,2 Prozent den stärksten Zuwachs des Monats. Bei den Kollektionen legten Omega Constellation, TAG Heuer Formula 1 und Tudor Prince jeweils um 4,4 Prozent zu.

Breguet führt den August an

Auf Markenebene verzeichnete Breguet mit einem Plus von 1,2 Prozent die stärkste Entwicklung des Monats. Gleichzeitig zeigt schon diese Zahl, wie ruhig der Markt aktuell ist: Keine weitere von WatchCharts beobachtete große Marke bewegte sich im August um mehr als einen Prozentpunkt.

Deutlichere Unterschiede zeigen sich auf Ebene einzelner Kollektionen. Omega Constellation, TAG Heuer Formula 1 und Tudor Prince legten im August jeweils um 4,4 Prozent zu. Auf der anderen Seite verloren unter anderem Jaeger-LeCoultre Rendez-Vous 1,5 Prozent und Tudor Black Bay 0,8 Prozent.

TAG Heuer Formula 1 fällt besonders auf

Die auffälligste Entwicklung kommt derzeit nicht aus dem höchsten Preissegment.

Die TAG Heuer Formula 1 liegt seit Jahresbeginn 14,8 Prozent im Plus. Sechs der ersten acht Monate 2026 verliefen positiv. Viele der im WatchCharts-Index erfassten Formula-1-Referenzen sind Quarzmodelle und werden auf dem Sekundärmarkt für weniger als 1.200 US-Dollar gehandelt.

Nach mehreren schwächeren Jahren hat sich die Entwicklung 2026 damit sichtbar gedreht.

Neue Aufmerksamkeit dürfte dabei ebenfalls eine Rolle spielen. Auf die Kooperation mit Kith folgte die Neuauflage der historischen Formula 1 als Solargraph. Gleichzeitig kehrte TAG Heuer als offizieller Zeitnehmer in die Formel 1 zurück.

Auch die Marke insgesamt entwickelt sich überdurchschnittlich: Der TAG-Heuer-Marktindex liegt auf Jahressicht 11,1 Prozent höher, gegenüber 9,7 Prozent beim WatchCharts Overall Market Index.

Auch günstigere Uhren zeigen Bewegung

Interessant ist eine weitere Beobachtung von WatchCharts: Uhren im Preisbereich zwischen 500 und 1.000 US-Dollar waren in den vergangenen zwölf Monaten das stärkste von WatchCharts ausgewertete Preissegment und legten als Gruppe um 17 Prozent zu.

Daraus lässt sich noch kein allgemeiner Trend hin zu günstigeren Uhren ableiten. Die Zahlen zeigen aber, dass sich die aktuelle Dynamik nicht ausschließlich auf besonders seltene oder hochpreisige Modelle konzentriert.

Die Formula 1 ist dafür ein gutes Beispiel: bekannte Marke, klar positionierte Kollektion und ein Preisniveau, das deutlich unterhalb der typischen Sekundärmarktpreise vieler großer Luxusuhren liegt.

Chrono24 sieht ebenfalls einen breiteren Markt

Auch Daten von Chrono24 stützen das Bild eines normalisierteren und breiter aufgestellten Sekundärmarkts.

Eine Analyse abgeschlossener Transaktionen von 2018 bis zum zweiten Quartal 2026 zeigt, dass der Pandemie-Aufschlag bei Rolex weitgehend abgebaut ist. Der Anteil der Marke am Umsatzvolumen auf Chrono24 fiel von rund 44 Prozent Anfang 2022 auf etwa 31 Prozent zurück. Gleichzeitig stieg der Rolex-Preisindex innerhalb der vergangenen zwölf Monate wieder um rund sieben Prozent.

Zugleich verteilen Käufer ihr Budget stärker auf andere Marken. Cartier, Patek Philippe, Audemars Piguet und Vacheron Constantin konnten in verschiedenen Preisbereichen Marktanteile hinzugewinnen.

Das passt zur aktuellen WatchCharts-Entwicklung: Der Markt wird nicht von wenigen extremen Preisbewegungen bestimmt, sondern zeigt an mehreren Stellen moderate Zuwächse.

Stabilisierung statt Spekulationswelle

Die Daten des August sprechen damit nicht für eine Rückkehr zu den extremen Preisbewegungen der Jahre 2021 und 2022.

Der Gesamtmarkt steigt leicht, die Mehrheit der beobachteten Marken ebenfalls. Gleichzeitig entwickeln sich einzelne Kollektionen deutlich stärker als der Durchschnitt.

Besonders interessant ist, dass sich Bewegung auch außerhalb der klassischen hochpreisigen Sammlermodelle zeigt. Noch ist das kein Beleg für eine grundsätzliche Verschiebung des Marktes. Es ist aber ein Signal, das sich in den kommenden Monaten zu beobachten lohnt.

Der Sekundärmarkt wird damit nicht unbedingt spektakulärer. Die aktuellen Daten von WatchCharts und Chrono24 sprechen vielmehr für eine schrittweise Stabilisierung und einen Markt, der sich breiter verteilt als noch während der Boomjahre.

Quellen: WatchCharts September 2026 Market Update; WatchCharts August 2026 Market Update; Chrono24 Rolex Report 2026.

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