Geneva Watch Days 2026: Die Trends aus Genf
Kleinere Größen, besondere Materialien, viel Farbe und viel Haute Horlogerie: Was sich durch die Neuheiten der Geneva Watch Days zieht
Titelbild: Alto ART02
Fast 400 Neuheiten wurden während der Geneva Watch Days 2026 vorgestellt. Bei dieser Menge gibt es nicht den einen Trend. Einige Gemeinsamkeiten ziehen sich dennoch auffällig durch die Kollektionen und bestätigen eher Trends, als dass sie neue setzen.
Materialien werden vielfältiger, die Durchmesser gehen zurück, Zifferblätter werden stärker über Stein und Oberfläche definiert. Dazu kommen offene Werke, ungewöhnliche Anzeigen und eine große Zahl anspruchsvoller Komplikationen.
Titan ist überall – Tantal fällt auf
Titan gehört 2026 zu den auffälligsten Materialien.
Bvlgari stellte gleich mehrere Neuheiten vor, bei denen das Metall unterschiedlich eingesetzt wird: die Octo Finissimo Dual Time × Vianney Halter, die neue Bvlgari Titanio sowie die Octo Finissimo Dazzle, bei der Titangehäuse, Zifferblatt und integriertes Armband mit einem durchgehenden Lasergravurmuster versehen sind.



Auch Oris setzt bei der ProPilot X Gonzo Edition auf Titan. Gehäuse und Armband bestehen aus dem leichten Metall, kombiniert mit einem skelettierten Zifferblatt und der für die Zusammenarbeit mit den Muppets typischen spielerischen Gestaltung.
Daneben treten seltenere Werkstoffe stärker in den Vordergrund. Tantal gehört dazu. Gerade weil das schwere, korrosionsbeständige Metall schwierig zu bearbeiten ist, bleibt es ungewöhnlich und fällt entsprechend auf.

Material ist damit nicht nur technische Spezifikation, sondern deutlich sichtbarer Bestandteil des Designs.
Stein, Meteorit und besondere Oberflächen
Bei den Zifferblättern ist Naturstein ein wiederkehrendes Thema.
Gerald Charles zeigt die Masterlink Gem Set Stone Dial mit Aventurin, Spektrolith oder Eisenauge. Das 38-Millimeter-Modell kombiniert die Steinzifferblätter mit einer Weißgoldlünette und farbigen Edelsteinen.
Perrelet erweitert die Weekend-Kollektion um Zifferblätter aus Türkis, Lapislazuli, schwarzem Onyx und Tigerauge. Da natürliche Einschlüsse und Zeichnungen variieren, fällt jedes Zifferblatt etwas anders aus.



Czapek setzt bei der Antarctique S Frozen Meteor auf Gibeon-Meteorit mit hellblauem Lack. Das natürliche Widmanstätten-Muster macht auch hier jedes Zifferblatt individuell.
Auffällig ist dabei die Bandbreite: Stein wird nicht nur bei klassisch-eleganten Modellen eingesetzt, sondern ebenso bei sportlicheren und moderneren Uhren.
Kleiner wird selbstverständlicher
Auch die Größenentwicklung bestätigt sich deutlich.
36, 38 oder 39 Millimeter tauchen bei sehr unterschiedlichen Marken und Uhrentypen auf.
Die Gerald Charles Masterlink Gem Set Stone Dial misst 38 Millimeter. Die Czapek Antarctique S Frozen Meteor kommt auf 38,5 Millimeter. Girard-Perregaux bringt die Laureato Fifty Tourbillon Micro-Rotor mit 39 Millimetern.

Parallel dazu wird die Einteilung nach Damen- und Herrenuhr weniger eindeutig. Viele Modelle in diesen Größen funktionieren an sehr unterschiedlichen Handgelenken.
Ganz verschwunden sind größere Dimensionen allerdings nicht. Die Oris ProPilot X Gonzo Edition bleibt mit 44 Millimetern bewusst präsent.
Offene Werke bleiben präsent
Skelettierte Konstruktionen und sichtbare Mechanik finden sich ebenfalls bei zahlreichen Neuheiten.
Bei BA111OD wird beim Chapter 7 Skeleton das Werk selbst zum Gestaltungselement.


Oris zeigt die ProPilot X Gonzo ebenfalls skelettiert (siehe oben)
Mauron Musy geht mit der MU05-111 nO-Ring Origin einen eigenen Weg: Ausschnitte aus den ursprünglichen technischen Berechnungen von Christophe Musy erscheinen auf einer schwarzen Platte innerhalb des offenen Zifferblatts. Jede der 13 Uhren trägt einen anderen Ausschnitt.
Offene Konstruktionen werden dabei längst nicht mehr nur eingesetzt, um möglichst viel vom Werk zu zeigen. Sie sind Teil der jeweiligen Designsprache.
Komplikationen in allen Varianten
Die Geneva Watch Days zeigen auch 2026, wie unterschiedlich mechanische Komplikationen interpretiert werden.
Bei De Bethune erscheint in der DB25 Digitale die Stunde springend in einem Fenster, während die Minuten über eine rotierende Scheibe angezeigt werden. Dazu kommt die charakteristische kugelförmige Mondphase, deren Abweichung laut Hersteller erst nach 1.112 Jahren einen Tag beträgt.


Gérald Genta setzt mit der Geneva Minute Repeater Golden Obsidian auf eine der klassischen großen Komplikationen. Das Handaufzugskaliber GG-002 besteht aus 316 Komponenten; Tonfedern und Hämmer werden auf die Klangcharakteristik der Minutenrepetition abgestimmt.
Bei David Candaux arbeitet in der DC6 Wildfire ein um 30 Grad geneigtes fliegendes Tourbillon. Die Konstruktion ist konsequent auf Leichtbau ausgelegt: Titan für Werk und Innengehäuse trifft auf eine Verkleidung aus unidirektionalem Karbon.


Trilobe wiederum zeigt, dass auch die Art der Zeitanzeige selbst zur Komplikation werden kann. Bei der Château Trente-Deux übernehmen drei rotierende Elemente die Anzeige von Stunden, Minuten und Sekunden – klassische Zeiger gibt es nicht.
Dazu kommen bei weiteren Marken Tourbillons, retrograde Anzeigen, springende Stunden, astronomische Funktionen und ungewöhnliche Werkarchitekturen. Gerade bei den unabhängigen Häusern gehört die technische Idee häufig zum Ausgangspunkt der gesamten Uhr.
Mehr zu diesen Uhren: https://insight-luxury.com/2026/09/03/geneva-watch-days-2026-sechs-neuheiten/
Es muss nicht immer rund sein
Wer hier jetzt hingeschaut hat, hat es bereits bemerkt: auch hier zeigt sich wieder, dass Uhren nicht rund sein müssen. So auch beim Titelbild zu diesem Beitrag:
Die ALTO ART 02, die zugleich auch noch aus Titan gefertigt ist und somit mehrere der aktuellen Strömungen in sich vereint
Kein einheitlicher Look
Titan steht neben Tantal und Stahl. Naturstein neben Meteorit. 38 Millimeter neben 44 Millimetern. Drei-Zeiger-Uhren neben Tourbillons, Dual-Time-Anzeigen und Skelettkonstruktionen.
Die deutlichsten Linien der Geneva Watch Days 2026 sind deshalb weniger eine bestimmte Farbe oder Form als einige wiederkehrende Themen:
Materialien werden vielfältiger. Uhren werden weiterhin kleiner. Zifferblätter gewinnen über Stein und Oberfläche an Eigenständigkeit. Und mechanische Komplikationen bleiben gerade bei den Independents ein zentrales Spielfeld.






