Vicenzaoro September 2026: Trends und Beobachtungen

Materialfreiheit, flexible Konstruktionen, Farbe und ein deutliches Bewusstsein für Wert: Was auf der Vicenzaoro im September 2026 auffiel

Die Vicenzaoro im September zeigte ein breites Bild aktueller Schmuckentwicklung. Ein einzelner dominierender Stil ließ sich derzeit kaum ausmachen. Stattdessen waren auch hier mehrere Strömungen parallel zu beobachten, die sich bereits seit geraumer Zeit halten und entwickeln.

Gold bleibt zentral, wird aber freier kombiniert. Schmuck ist beweglicher, wandelbarer und individueller. Farbe spielt weiterhin eine große Rolle und damit auch hochwertige Farbsteine.

Stacking – nicht mehr nur ein Thema für Schmuck!

Dazu kommen flächige Formen, besondere Oberflächen, Layering und Stacking sowie Schmuckstücke, die nicht mehr eindeutig nach Damen und Herren getrennt gedacht werden – wunderbare Schmuckstücke, aber wenig echte „Neuheiten“

Freiere Materialwahl und Goldkombinationen

Gelbgold, Weißgold und Rotgold bleiben die wichtigsten Edelmetalle. Gleichzeitig werden die Grenzen zwischen den klassischen Metallfarben offener.

Mehrfarbige Goldkombinationen, unterschiedliche Oberflächen und die Verbindung verschiedener Materialien tauchten in vielen Kollektionen auf. Das Metall selbst wird dabei zunehmend zum sichtbaren Teil des Designs.

Flexible und dehnbare Konstruktionen

Flexible, dehnbare und bewegliche Konstruktionen waren in Vicenza häufig zu sehen.

Armbänder passen sich dem Handgelenk an, Ringe arbeiten mit beweglichen Elementen, Ketten lassen sich verändern oder neu zusammensetzen. Technische Lösungen, die früher eher einzelnen Spezialisten vorbehalten waren, tauchen inzwischen deutlich breiter im Markt auf.

Wandelbarer Schmuck

Multifunktionalität bleibt ein wichtiges Thema.

Ketten lassen sich lang, kurz, als Y-Kette oder Choker tragen. Einzelne Elemente können entfernt oder ergänzt werden. Armbänder verlängern Halsketten, Anhänger verändern ihre Funktion, Ringe lassen sich unterschiedlich kombinieren.

Schmuck von Yana Nesper: Die Colliers lassen sich frei variieren in Länge, Trageweise und in Kombination.

Individualisierung findet damit nicht nur über Farbe, Steinbesatz oder Gravur statt, sondern zunehmend über die Art, wie ein Schmuckstück getragen wird.

Individualisierung

Personalisierung bleibt präsent, verändert aber ihren Charakter.

Nanis Sway Collier mit bewegter Goldstruktur
Nanis Sway

Neben Initialen, Gravuren und individuell auswählbaren Steinen geht es häufiger um Schmuck, der sich an unterschiedliche Situationen und Trageweisen anpassen lässt.

Länge, Form, Kombination und Funktion werden Teil der individuellen Gestaltung.

750er Gold und Wertorientierung

Trotz hoher Goldpreise blieb 750er Gold in vielen Gesprächen ein zentrales Thema.

Mehrere Aussteller berichteten von einer anhaltenden Nachfrage nach hochwertigem Goldschmuck – nicht ausschließlich nach besonders leichten oder kleinen Stücken.

Gleichzeitig belasten hohe Goldpreise die mengenmäßige Nachfrage. Sichtbar war deshalb eine gewisse Polarisierung: auf der einen Seite feine, leichte und gut kombinierbare Schmuckstücke, auf der anderen Seite bewusst substanzielle Stücke, bei denen Materialwert und Präsenz eine wichtige Rolle spielen.

Layering und Stacking

Layering und Stacking bleiben fest im Markt verankert.

Feine Ketten werden miteinander kombiniert, Ringe gestapelt, Armbänder in unterschiedlichen Breiten und Goldfarben zusammen getragen.

Schmuck von Binder Jewellery, ideal allein oder auch in freier Kombination

Die Kombination mehrerer Schmuckstücke erlaubt individuelle Zusammenstellungen und verbindet kleinere Einzelstücke mit einer stärkeren Gesamtwirkung.

Farbe, Email und Farbsteine

Farbe war auf der Messe in vielen Varianten präsent.

Rivière-Armband der Kollektion Pop Up von A. Odenwald in Weißgold mit farbigen Saphiren
Schmuck von A. Odenwald – Pop-up Kollektion

Farbsteine, Email, Lack und andere Oberflächentechniken ziehen sich durch unterschiedliche Segmente und Preisklassen.

Dabei reicht das Spektrum von leichten, spielerischen Schmuckstücken bis hin zu aufwendig gearbeiteter High Jewellery.

Hochwertige und seltene Natursteine

Bei natürlichen Farbsteinen fiel eine stärkere Konzentration auf Qualität, Seltenheit und Herkunft auf.

Saphire, hochwertige Turmaline, Diamanten und seltene Einzelsteine standen besonders im Fokus. Im oberen Segment wird Wert damit stärker über die Besonderheit des einzelnen Steins definiert – über Farbe, Herkunft, Qualität und Seltenheit.

Aber auch die Gestaltung mit den Steinen, kann die Besonderheit sein:

Schmuck von Angry

High Jewellery

High Jewellery war in Vicenza sehr präsent.

Große Steine, aufwendige Fassungen, handwerklich komplexe Konstruktionen und hohe Preispositionierungen gehörten sichtbar zum Messebild. Das obere Segment zeigte sich damit robust und breit vertreten.

Schmuck von Picchiotti mit weißen und gelben Diamanten

Flächen, Oberflächen und 1960er-/1970er-Einflüsse

Breitere Formen und markante Oberflächen waren in vielen Kollektionen zu sehen.

Flächige Armreifen, Choker, große Ringe und markante Ohrringe greifen Formen auf, die an die 1960er- und 1970er-Jahre erinnern. Dazu kommen satinierte, gehämmerte, gerillte oder stark strukturierte Oberflächen.

Schmuck von Rancangelo

Herren- und geschlechterübergreifender Schmuck

Schmuck für Männer wird selbstverständlicher.

Gleichzeitig werden viele Stücke nicht mehr eindeutig als Damen- oder Herrenschmuck positioniert. Ringe, Armbänder und Ketten werden stärker über Stil, Größe und Tragbarkeit definiert.

Schmuck von Jörg Heinz

Der Begriff „genderless“ ist dabei weniger wichtig als die Tatsache, dass die Trennlinie im Sortiment zunehmend an Bedeutung verliert: vielleicht auch mal so?:

Schmuck von Picchiotti

Synthetische Farbsteine werden sichtbarer

Synthetische Farbsteine tauchten in Vicenza häufiger auf.

Synthetische Rubine, Saphire, Spinelle oder Smaragde sind technisch nicht neu. Auffällig ist vielmehr ihre zunehmende Präsenz in Schmuckkollektionen, die nicht ausschließlich über einen günstigen Preis argumentieren.

Damit stellt sich auch bei Farbsteinen stärker die Frage nach Abgrenzung und Wert: Was zählt zur reinen Farbwirkung, was zur Seltenheit und Herkunft eines natürlichen Steins?

Das Thema dürfte in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.

Fazit nach der Messe: Nicht ein einzelner Trend prägt das Bild – sondern die Gleichzeitigkeit sehr unterschiedlicher Strömungen.

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