Französische Uhren und Motorsport: Sieben Marken, sieben Perspektiven

Uhrmacherei und Motorsport teilen eine Sprache aus Präzision, Geschwindigkeit und kontrollierter Mechanik. Sieben französische Marken zeigen, wie unterschiedlich diese Verbindung heute aussehen kann: Lorige, Arpiem, Depancel, Kelton, Yema, Reservoir und B.R.M Chronographes.

Lorige: Rennsportmaterial wird zum Gehäuse

Lorige übersetzt Motorsport nicht nur gestalterisch, sondern materiell in die Uhrmacherei. Die 2018 gegründete Marke verarbeitet gebrauchte Carbon-Bremsbeläge aus dem Rennsport zu Uhrengehäusen. Dafür entwickelte sie ein patentiertes Verfahren, mit dem das bei hohen Temperaturen beanspruchte Material neu geformt werden kann. Jede limitierte Uhr trägt damit buchstäblich Spuren eines Wettbewerbsfahrzeugs.

Bei der BL-Evolution stammen die Bremsbeläge aus Aston-Martin-Valkyrie-Prototypen, die unter anderem bei den 12 Stunden von Sebring 2025 und den 24 Stunden von Daytona 2026 eingesetzt wurden. Im Inneren arbeitet das von Chronode entwickelte Handaufzugskaliber LOR-DB mit zwei Federhäusern und 168 Stunden Gangreserve.

Lorige BL-Endurance Gris Circuit, eine vom Motorsport inspirierte französische Uhr
Lorige BL-Endurance Gris Circuit. Bild: Lorige

Arpiem: Rallye-Instrumente für das Handgelenk

Arpiem blickt vor allem auf die expressive Rennsportwelt der 1960er- und 1970er-Jahre. Typografien historischer Manometer, kräftige Karosseriefarben und die grafische Ordnung klassischer Cockpits prägen die Zifferblätter. Die Uhren zitieren diese Ära deutlich, bleiben aber eigenständige, zeitgenössische Interpretationen.

Besonders konsequent zeigt sich das bei der Kollektion Ride & Drive. Ihr drehbares Zifferblatt wechselt zwischen einer klassischen Position und einer zur leichteren Ablesbarkeit beim Fahren geneigten Stellung. Modelle wie Fesh Fesh, Macchia und Time Control verweisen auf den Dakar, die Tour de Corse und historische Rallye-Wertungsprüfungen.

Arpiem Ride & Drive Time Control Orange, vom historischen Rallyesport inspirierte französische Uhr
Arpiem Ride & Drive Time Control Orange. Bild: Arpiem

Depancel: Chronographen wie Instrumente im Cockpit

Der Name Depancel setzt sich aus Delage, Panhard und Facel Vega zusammen – drei französischen Automobilmarken. Die 2018 gegründete Manufaktur aus Besançon greift die funktionale Gestaltung historischer Armaturenbretter auf und verbindet sie mit klassischer Chronographenmechanik.

Skalen, kontrastierende Akzente und perforierte Lederbänder erinnern an die Instrumente und Materialien klassischer Sportwagen. Während der Autosport Racing Chronograph das Konzept einer messenden Borduhr besonders direkt aufnimmt, zeigt auch der abgebildete Allure Chronographe Manuel, wie Depancel technische Lesbarkeit mit französischer Rennsportnostalgie verbindet.

Depancel Allure Chronographe Manuel 39 mm mit blauem Zifferblatt
Depancel Allure Chronographe Manuel 39 mm. Bild: Depancel

Kelton: Racing-Design aus den 1970er-Jahren

Keltons Verbindung zum Motorsport reicht bis in die 1970er-Jahre zurück. Damals entstand über die damalige Muttergesellschaft Timex eine Partnerschaft mit Emerson Fittipaldi, Formel-1-Weltmeister von 1972 und 1974. 1975 folgten drei limitierte Modelle mit der Signatur des brasilianischen Rennfahrers.

Die heutige RC-Linie greift diese Geschichte mit kräftigen Farben, markanten Gehäusen und einem bewusst unkomplizierten Racing-Look wieder auf. Die RC 24 schärft das historische Design mit einer strafferen Geometrie und wird je nach Ausführung mit Automatik-, Mecaquartz- oder Quarzwerk angeboten.

Kelton RC 24 Automatik mit weißem Zifferblatt
Kelton RC 24 Automatik. Bild: Kelton

Yema: Die Rallygraf als französische Sportuhren-Ikone

Yema begleitet den Motorsport seit den 1960er-Jahren. Die Rallygraf wurde mit ihrer hohen Ablesbarkeit, kontrastierenden Zifferblättern und tachymetrischen Gestaltung zu einem der bekanntesten französischen Chronographen. Fahrer wie Mario Andretti und später Franck Montagny stehen exemplarisch für diese Verbindung.

Heute führt Yema das Thema unter anderem in Zusammenarbeit mit der Alpine Elf Cup Series fort. Die Rallygraf Alpine Cup Series MK II kombiniert eine innenliegende Tachymeterskala mit einem perforierten Rallye-Armband und greift im blauen Zifferblatt zugleich eine prägende Farbe des französischen Motorsports auf.

Yema Rallygraf Alpine Cup Series MK II Chronograph
Yema Rallygraf Alpine Cup Series MK II. Bild: Yema

Reservoir: Die Logik des Drehzahlmessers

Reservoir überträgt die Anzeigeprinzipien analoger Armaturen auf das Handgelenk. Eine retrograde Minute bewegt sich über einen Kreisbogen und springt nach einer Stunde an ihren Ausgangspunkt zurück; die Stunde erscheint separat in einem Fenster. Eine Gangreserveanzeige ergänzt die an Cockpitinstrumente erinnernde Darstellung.

Die GT Tour nimmt die Gestaltung klassischer GT-Fahrzeuge auf: schwarzes Zifferblatt, kräftige Kontraste und ein perforiertes Lederband erinnern an Drehzahlmesser und historische Sportsitze. Das ungewöhnliche Anzeigeprinzip macht die automobile Inspiration dabei nicht zur bloßen Dekoration, sondern zum funktionalen Kern der Uhr.

Reservoir GT Tour mit retrograder Minutenanzeige und springender Stunde
Reservoir GT Tour. Bild: Reservoir

B.R.M Chronographes: Mechanik aus dem Fahrerlager

Bernard Richards gründete B.R.M Chronographes 2003 mit dem Ziel, die technische Ästhetik des Motorsports in französische Uhren zu übertragen. Kollektionen wie die V12 arbeiten mit Gehäusen in Kolbenform, markanten Drückern und Komponenten, die an Bremsen, Felgen oder Fahrwerksteile erinnern.

Auch konstruktiv sucht die Marke die Nähe zur Renntechnik. Das eigene „Shock Absorber“-System orientiert sich an Wettbewerbsfahrwerken und soll Stöße und Vibrationen auffangen. Titan, Carbon, Edelstahl und Makrolon verstärken den Werkstattcharakter; Sondermodelle für Corvette Racing und andere Partner machen die Verbindung zum realen Rennbetrieb sichtbar.

B.R.M Chronographes V12-44 24 Hours Corvette Racing
B.R.M Chronographes V12-44 24 Hours Corvette Racing. Bild: B.R.M Chronographes

Sieben eigenständige Perspektiven

Die sieben Marken zeigen, dass Motorsport in der französischen Uhrmacherei keinen einheitlichen Stil bezeichnet. Mal wird reales Rennmaterial weiterverarbeitet, mal werden historische Chronographen, Armaturen oder Fahrwerkstechnologien neu interpretiert. Gemeinsam ist ihnen weniger eine bestimmte Formensprache als die Faszination für Mechanik, Lesbarkeit und Bewegung.

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