GPHG 2026: Uhren die nicht an den Arm gehören
Die Kategorie Mechanical Clock gehört beim GPHG zu den ungewöhnlichsten. Hier gelten die räumlichen Grenzen einer Armbanduhr nicht. Werke können größer werden, Mechanik sichtbar in den Raum treten und Zeitmesser zu Objekten zwischen Uhrmacherei, Design und Kunsthandwerk werden.
2026 stehen sechs sehr unterschiedliche Arbeiten im Finale. Ausgangspunkt für unseren Blick auf die Kategorie ist die Table Waltz Tourbillon Mirror Edition von Carl Suchy & Söhne.
Carl Suchy & Söhne: Wiener Uhrmacherei für den Tisch

Für Carl Suchy & Söhne ist die Tischuhr kein neuer Ausflug. Bereits die historische Manufaktur fertigte Reise- und Tischuhren. Mit der Table Waltz griff das wiederbelebte Wiener Haus diese Tradition auf und entwickelte daraus eine kleine eigenständige Kollektion.
Beim GPHG 2026 tritt Carl Suchy & Söhne mit der Table Waltz Tourbillon Mirror Edition an. Im Mittelpunkt steht das hauseigene Kaliber CS-T-1, das in Österreich gefertigt wird und eine Gangreserve von sieben Tagen bietet. Der Tourbillonkäfig besteht aus mehr als 50 eigens gefertigten Komponenten.
Hinzu kommt eine Glocke aus vergoldetem Silber, die auf Wunsch jede volle Stunde schlägt. Damit wird die Uhr nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar.
Das Gehäuse wird aus einem massiven Messingblock gefräst, anschließend vernickelt und von Hand vollendet. Vorder- und Rückseite erhalten facettiertes und graviertes Glas, das gemeinsam mit der Wiener Glasmanufaktur J. & L. Lobmeyr entsteht. Das Design stammt von Rainer Mutsch, die technische Konzeption von Uhrmachermeisterin Therese Wibmer.
Die Table Waltz Tourbillon Mirror Edition von Carl Suchy & Söhne gehört zu den GPHG-Finalisten in der Kategorie „Mechanical Clock“. Vom 30. Oktober bis 15. November wird die in Wien entwickelte Tischuhr im Musée d’Art et d’Histoire in Genf öffentlich gezeigt. Die Ausstellung versammelt sämtliche nominierten Zeitmesser des Wettbewerbs.

Mit gut 25 Zentimetern Höhe und rund drei Kilogramm Gewicht ist die Table Waltz weit mehr als eine klassische Tischuhr. Das Tourbillon wird zum sichtbaren Zentrum der Mechanik und lässt sich aus unmittelbarer Nähe beobachten.
Die reguläre Table Waltz Tourbillon ist auf zehn Exemplare limitiert und kostet 66.000 Euro. Für den GPHG wurde die Mirror Edition nominiert, bei der reflektierende Flächen das Zusammenspiel von Werk, Gehäuse und Raum noch stärker betonen.
Sechs unterschiedliche Vorstellungen von „Clock“
Die weiteren Nominierten zeigen, wie weit die Kategorie gefasst wird.
Chopard tritt mit der Beehive Chiming Table Clock an. Die gemeinsam mit L’Épée 1839 entwickelte Tischuhr greift die Bienenstock-Symbolik der Maison auf. Borosilikatglas, rotierende Glasscheiben und mit Edelsteinen besetzte Bienen verbinden Uhrmacherei und Schmuck. Auch ein Stundenschlag gehört zum Konzept.

Bei L’Épée 1839 wird die Uhr zur mechanischen Skulptur. The Gekko nimmt die Form eines Geckos an und kann in unterschiedlichen Positionen an der Wand befestigt werden. Ein drehbarer Zifferblattring sorgt dafür, dass die Zeit unabhängig von der Position des Objekts korrekt ablesbar bleibt.

Noch größer denkt La Vallée mit der Cosmo. Unter einer handgeblasenen Murano-Glaskuppel arbeitet ein Mechanismus aus 1.280 Komponenten mit astronomischen Anzeigen. Das gesamte Werk dreht sich innerhalb eines siderischen Tages einmal um die eigene Achse. Eine Aufziehung reicht für 406 Tage.

Louis Vuitton und De Bethune greifen mit der LVDB-03 Sympathique Louis Varius eine historische Idee auf. Die Tischuhr dient zugleich als Referenz für die zugehörige Armbanduhr. Wird diese in ihre Halterung eingesetzt, wird sie aufgezogen und mit der Tischuhr synchronisiert. Das Werk der Clock besitzt eine Gangreserve von elf Tagen.

Bei Miki Eleta wird Mechanik schließlich zum Theater. Die Frog Queen zeigt die Zeit über Frösche, Pflanzen, eine Schlange und weitere bewegliche Figuren. Jede Stunde erscheint ein Frosch, alle zwölf Stunden zeigt sich die in einer Blüte verborgene „Frog Queen“. Weitere Automaten bringen zusätzliche Bewegung in die Szenerie.

Mehr Raum für Mechanik
Gerade diese Kategorie zeigt eine Seite der Uhrmacherei, die schnell aus dem Blick gerät. Ohne die Beschränkung auf wenige Zentimeter am Handgelenk können Werke sichtbar wachsen, Schlagwerke hörbar werden und die Mechanik selbst Teil der Gestaltung sein.
Die sechs Nominierten verfolgen dabei sehr unterschiedliche Ansätze. Die Table Waltz Tourbillon bleibt der klassischen Tischuhr noch am nächsten und verbindet sie mit zeitgenössischem Wiener Design. Chopard macht daraus ein Schmuckobjekt, L’Épée eine Skulptur, La Vallée ein mechanisches Universum, Louis Vuitton und De Bethune ein komplexes Sympathique-System und Miki Eleta ein kinetisches Theater.
Gerade deshalb gehört Mechanical Clock zu den interessantesten Kategorien des GPHG 2026: Sie zeigt besonders deutlich, wie weit Uhrmacherei gedacht werden kann, wenn sie das Handgelenk verlässt.






