Wenn Seltenheit ihren Preis hat
Ein pinkfarbener Diamant für geschätzte 18 Millionen Dollar, eine Rubinauktion mit 52 Millionen Dollar Umsatz und ein Paraíba-Turmalin, dessen Preis erst im Wettbewerb der Bieter entsteht. Gleich mehrere aktuelle Nachrichten aus dem Edelsteinhandel zeigen, was außergewöhnliche Steine begehrenswert macht – und wie unterschiedlich der Markt ihren Wert bestimmt.
Beitragsbild: der Bulgari Pink – Bild: Christies
Bulgari Pink
Manche Edelsteine wechseln regelmäßig den Besitzer. Andere verschwinden für Generationen in privaten Sammlungen, bevor sie wieder auf den Markt kommen. Der sogenannte Bulgari Pink gehört zur zweiten Kategorie. Mehr als 70 Jahre befand sich der 24 Karat schwere Diamant der Farbklassifizierung Fancy Intense Pink im Besitz einer europäischen Familie. Am 10. November wird er bei Christie’s in Genf erstmals öffentlich versteigert. Die Schätzung liegt zwischen zehn und 15 Millionen Schweizer Franken, umgerechnet etwa zwölf bis 18 Millionen US-Dollar.
Nach Überlieferung der Besitzerfamilie wurde der Rohdiamant in den 1950er-Jahren in Indien erworben. Anschließend entstand bei Bulgari jener Ring, in dem der smaragdgeschliffene Stein bis heute gefasst ist. Neben Größe und intensiver Farbe dürften auch seine Geschichte und die Verbindung zum römischen Schmuckhaus die Attraktivität für Sammler erhöhen.
Farblose Diamanten weiterhin gefragt
Dass spektakuläre Farbdiamanten besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, bedeutet keineswegs, dass klassische farblose Diamanten an Bedeutung verloren hätten. Bei einer jüngsten Jewels-Online-Auktion von Christie’s in New York waren sieben der zehn umsatzstärksten Schmuckstücke mit farblosen Diamanten besetzt. Insgesamt erzielte die Auktion 9,3 Millionen Dollar.
Angeführt wurde die Ergebnisliste von einem Graff-Ring mit einem 7,85 Karat schweren Diamanten der höchsten Farbstufe D und der Reinheitsklasse VS1. Er erzielte 256.000 Dollar. Auch bei farblosen Diamanten bleiben außergewöhnliche Qualität, Größe, Reinheit und Schliff entscheidende Wertfaktoren.
Hohe Nachfrage nach hochwertigen Rubinen
Einen anderen Ausschnitt des Marktes zeigt Gemfields. Bei einer im Oktober abgeschlossenen Auktion in Bangkok verkaufte das Unternehmen Roh-Rubine aus seiner Montepuez-Mine in Mosambik für insgesamt 52 Millionen US-Dollar. 90 der 99 angebotenen Lose fanden Käufer. Insgesamt wurden 92.153 Karat verkauft.
Der durchschnittliche Preis lag bei 565 Dollar pro Karat und damit 102 Prozent über dem Wert einer vorherigen Auktion im Februar. Ein allgemeiner Preisanstieg lässt sich daraus allerdings nicht ableiten: Die Zusammensetzung und Qualität des Angebots unterschieden sich. Gemfields verwies insbesondere auf die hohe Nachfrage nach größeren Rubinen von besonders guter Qualität.
Nicht jeder Rubin ist eine Rarität. Große Steine mit begehrter Farbe, guter Reinheit und entsprechender Qualität bilden jedoch ein deutlich engeres Marktsegment. Die Auktion zeigt, dass solche Rohsteine auch im professionellen Edelsteinhandel gefragt sind.
Paraíba-Turmalin im Bieterwettbewerb
Wie unterschiedlich der Markt den Wert einzelner Edelsteine bemisst, zeigte eine Auktion auf der Plattform Gem Rock Auctions. Ein 8,31 Karat schwerer, oval facettierter Paraíba-Turmalin aus Mosambik wurde ohne Mindestpreis angeboten. Das Startgebot betrug gerade einmal einen Dollar.
Nach 72 Geboten wechselte der grünlich-blaue Edelstein für 18.625 Dollar den Besitzer. Das entspricht rund 2.240 Dollar pro Karat. Laut Veranstalter erzielen vergleichbare hochwertige Steine mitunter Preise um 60.000 Dollar.
Der verhältnismäßig niedrige Zuschlag macht den Fall besonders interessant. Obwohl der Stein vom Verkäufer als unbehandelt beschrieben wurde und über acht Karat wiegt, blieb das Ergebnis deutlich unter den genannten Vergleichswerten. Welche Rolle dabei Farbe, individuelle Qualität und Auktionsformat spielten, lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Das Beispiel zeigt jedoch, dass selbst begehrte Edelsteine nicht unbedingt einen festen Marktpreis besitzen.
Diavik: Das Ende der Diamantenförderung
Während Auktionshäuser und Edelsteinhändler von besonderen Steinen berichten, erinnert eine Nachricht aus Kanada an die begrenzte Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen.
Im März 2026 endete der reguläre Abbau in der Diavik-Diamantenmine von Rio Tinto nach mehr als zwei Jahrzehnten. In den ersten neun Monaten des Jahres sank die Diamantenproduktion des Unternehmens gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 68 Prozent auf rund 1,1 Millionen Karat. Der Rückgang ist vor allem eine Folge der planmäßigen Stilllegung. Die Verarbeitung und der Verkauf verbliebener Diamanten werden voraussichtlich mindestens bis Ende 2026 fortgesetzt.
Mit Diavik verschwindet eine bedeutende Lagerstätte aus der aktiven Diamantenförderung. Das bedeutet nicht automatisch steigende Preise. Der Markt wird auch von Lagerbeständen, der Nachfrage und dem Angebot synthetischer Diamanten beeinflusst. Die Schließung führt jedoch vor Augen, dass natürliche Lagerstätten endlich sind.
Qualität, Herkunft und Nachfrage bestimmen den Wert
Die aktuellen Ergebnisse zeigen einen Markt, der sich einfachen Erklärungen entzieht. Ein Millionenpreis für einen außergewöhnlichen pinkfarbenen Diamanten sagt wenig über die Preisentwicklung gewöhnlicher Diamanten aus. Ebenso wenig lässt sich aus einer erfolgreichen Rubinauktion ein allgemeiner Aufwärtstrend für sämtliche Farbedelsteine ableiten.
Was die Beispiele verbindet, ist die besondere Stellung außergewöhnlicher Naturprodukte. Geologische Seltenheit bildet dafür eine wichtige Voraussetzung. Doch erst Farbe, Qualität, Größe, Herkunft, Geschichte und schließlich die Bereitschaft eines Käufers, einen bestimmten Preis zu bezahlen, bestimmen ihren tatsächlichen Marktwert.
Und manchmal braucht es dafür mehrere Millionen Dollar. Manchmal genügen auch 18.625.
Quellen: Christie’s, Christie’s Presents The Bulgari Pink (Oktober 2026); Rapaport, Colorless Diamonds Dominate Top 10 at Christie’s (18. Oktober 2026), Ruby Auction Rakes In $52M at Gemfields (19. Oktober 2026), Paraiba with $1 Starting Price Sells for $18,600 at Gem Rock Auction (18. Oktober 2026) und Rio Tinto Production Plummets as Remaining Ore Depleted (19. Oktober 2026); Gem Rock Auctions, Originalangebot des 8,314-Karat-Paraíba-Turmalins.






