Schweizer Uhren: China öffnet den Markt
– doch kommen auch die Käufer zurück?
Die Schweiz und China haben ihr Freihandelsabkommen erweitert. Für Schweizer Uhren sollen künftig die chinesischen Einfuhrzölle entfallen. Ein wichtiger handelspolitischer Erfolg, der allerdings auf einen Luxusmarkt trifft, dessen Probleme weit über die Preisgestaltung hinausreichen.
Am 30. Oktober 2026 unterzeichneten die Schweiz und China in Peking eine Erweiterung ihres seit 2014 bestehenden Freihandelsabkommens. Nach Angaben des Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) sollen künftig 99,8 Prozent der bisherigen Schweizer Exporte nach China zollfrei eingeführt werden können.
Besonders die Uhrenindustrie dürfte profitieren. Für Schweizer Uhren ist nach vollständiger Umsetzung eine umfassende Zollbefreiung vorgesehen. Die bisherigen Einfuhrzölle von teilweise vier bis acht Prozent würden damit entfallen. Die Umsetzung erfolgt je nach Produkt über Übergangsfristen von bis zu zehn Jahren. Das Abkommen muss zuvor noch die erforderlichen Genehmigungsverfahren durchlaufen.
Günstigere Uhren, mehr Nachfrage?
Theoretisch könnten die Zollsenkungen Schweizer Uhren in China um einige Prozent günstiger machen. Ob die Hersteller diesen Vorteil an die Kunden weitergeben oder zur Verbesserung ihrer Margen nutzen, bleibt offen. Zudem bestehen die chinesischen Verbrauchsteuern auf bestimmte Luxusuhren weiter.
Für die Marktentwicklung ist jedoch eine andere Frage entscheidender: Werden chinesische Verbraucher überhaupt wieder mehr Luxusuhren kaufen?
Die Schweizer Uhrenexporte nach China sind innerhalb von zwei Jahren um mehr als ein Drittel zurückgegangen. Auch im ersten Halbjahr 2026 setzte sich die negative Entwicklung mit einem Minus von fünf Prozent fort.
Die Ursachen liegen vor allem in der schwachen chinesischen Konsumkonjunktur, wirtschaftlicher Unsicherheit und einem veränderten Kaufverhalten. Die Immobilienkrise hat Vermögen und Verbrauchervertrauen belastet. Gleichzeitig werden Luxusausgaben selektiver getätigt, und klassische Statusprodukte konkurrieren zunehmend mit anderen Konsum- und Erlebnisformen.
Hohe Edelmetallpreise und der starke Schweizer Franken verschärfen die Situation zusätzlich. Doch selbst günstigere Uhren würden diese grundlegenden Veränderungen nicht automatisch umkehren.
Bessere Voraussetzungen, keine Garantie
Für die Schweizer Uhrenindustrie ist das erweiterte Freihandelsabkommen dennoch ein wichtiger Erfolg. Es verbessert langfristig die Wettbewerbsbedingungen, schafft Spielraum bei der Kalkulation und stärkt die Handelsbeziehungen zu einem weiterhin bedeutenden Absatzmarkt.
Ob die Hersteller davon in Form höherer Absätze profitieren, hängt allerdings wesentlich stärker von der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas und der Rückkehr des Verbrauchervertrauens ab als von den Zollsenkungen allein.
Die Schweiz verbessert den Zugang zu einem ihrer wichtigsten Uhrenmärkte. Die eigentliche Herausforderung bleibt jedoch, die chinesischen Käufer zurückzugewinnen.
Quellen: Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, Freihandelsabkommen Schweiz–China; Schweizer Uhrenverband FH, Jahresstatistik 2025 und Halbjahresstatistik 2026; chinesische und Schweizer Regierungsmitteilungen vom 30./31. Oktober 2026; Marktberichte zum chinesischen Luxuskonsum.






