Swatch Group bereitet sich auf einen Generationswechsel vor

Das verrieten die Geschwister Nick Hayek (CEO) und Nayla Hayek (Präsidentin des Verwaltungsrates) jetzt im Interview mit der Zeitung „Schweiz am Wochenende“.

„Es gibt eine klare Planung, wie sich der Verwaltungsrat in Zukunft weiterentwickeln wird“, sagen die beiden Hauptaktionäre der Swatch Group. Schon länger wird gemutmaßt, dass Mar Hayek (Sohn von Nayla Hayek), welcher vor zwei Jahren in den Verwaltungsrat gewählt wurde, das Zepter übernehmen werde. „Wir zwingen ihn zu nichts“, kommentiert Nick Hayek und lässt die Entscheidung über den zukünftigen CEO des Konzerns offen. „Marc arbeitet hervorragend, er blüht auf in seinem Job. Wir haben aber auch sehr starke Leute im operativen Bereich, die mehr Verantwortung übernehmen können und wollen.“

Nayla Hayek Nick Hayek Marc Hayek Swatch Group
Nayla Hayek, Nick Hayek und Marc Hayek von der Swatch Group

Über den Zeitpunkt der Staffelstab-Übergabe macht der 71-jährige Hayek in dem Interview ebenfalls keine konkreten Angaben. „Wir diskutieren unsere Planung nicht mit Journalisten. Aber ja, der Moment wird kommen, ich werde ja nicht jünger. Wenn mir morgen etwas passiert, gibt es kein Problem. Wir haben einen Plan.“

Ob Nachfolgerin oder Nachfolger mehr im Sinne von Steve Woods handeln wird, ist eine spannende Frage. Der US-Amerikaner, der mit seiner Beteiligungsgesellschaft Greenwood Investors 0,5 Prozent der börsennotierten Swatch Group hält, hatte im Mai dieses Jahres für einen Sitz als Vertreter der Inhaberaktionäre im Verwaltungsrat kandidiert. Und war nach offiziellen Angaben der Swatch Group gescheitert. Woods sieht dies anders und vertritt die Auffassung, dass der Wahlvorgang nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden sei.

Woods kritisiert die Strategie der Swatch Group immer wieder massiv. So sagte er dem Schweizer Magazin The Market:

Steven Wood, US-Investor Greenwood

„Ich habe mit über dreißig Branchenführern gesprochen, sowohl ehemaligen Führungskräften der Swatch Group als auch einigen, die für Wettbewerber wie LVMH oder Richemont arbeiten, und sie alle bestätigen meine Ansicht. Nick Hayek, CEO der Swatch Group, hat beim Aufbau der Einstiegsmarken hervorragende Arbeit geleistet, doch bei den Premiummarken besteht noch Verbesserungspotenzial.“

Er würde nach eigenem Bekunden frische Perspektiven als Mitglied des Verwaltungsrates einbringen. Dazu würde die Stärkung der Prestigemarken wie Breguet, Blancpain und Harry Winston gehören.

„Sie müssen in ein erstklassiges Kundenerlebnis investieren und massenhaft Personalisierungsprogramme implementieren, die auf Knappheit und Exklusivität setzen. Genau das machen ihre Konkurrenten wie Richemont und LVMH sehr gut. Der Luxusgütermarkt ist hart umkämpft“, so Woods.

Hintergrund: Seit Anfang 2023 haben die Aktien des Schweizer Unternehmens etwa fünfzig Prozent ihres Wertes eingebüßt. Und auch für Umsatz und Gewinn weist die Bilanz Negativzahlen aus.

Swatch Group zieht sich nicht von der Börse zurück

Als Aktiengesellschaft muss die Swatch Group einen Verwaltungsrat haben. Auch wenn man sich von der Börse zurückziehen würde. Nick Hayek selbst kokettiert immer wieder damit und macht kein Hehl daraus, dass er vom Aktienhandel wenig hält. Ein Rückzug aber wäre zu teuer. Das räumt auch die 74-jährige Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek im Interview mit „Schweiz am Wochenende“ ein: „Ja, das ist so.“ „Wir verkaufen keine Aktien, sondern Uhren“, ergänzt ihr Bruder Nick Hayek.

„Natürlich bekommen wir Kritik wegen des Aktienkurses, aber wir kriegen mehr Lob dafür, dass wir unseren Fokus auf unsere Produkte, Mitarbeiter und Kunden legen statt nur auf den Börsenkurs“, so Nayla Hayek und erläutert: „Für uns ist diese Firma wie ein Kind. Ein Familienmitglied. Und alle unsere Leute sind Familienmitglieder. Wir können nicht einfach ins Verwaltungsratszimmer kommen und sagen: So, jetzt steigern wir die Rendite, jetzt entlassen wir mal 4.000 Leute.“

Weshalb Konkurrenten wie Richemont besser am Börsenmarkt performen, habe einen einfachen Grund, so Nick Hayek: „Richemont ist (…) nicht vergleichbar mit uns. Sie sind nur im Luxussegment tätig, und über 75 Prozent des Umsatzes kommen vom Schmuck, der nicht ‚Swiss Made‘ sein muss. Die industrielle Basis ist, weil sie sich nur auf Luxus konzentriert, viel kleiner und weniger vertikalisiert als die der Swatch Group.“

swatchgroup.com

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