Deutsche Schmuck- und Uhrenindustrie: Juli-Zahlen bestätigen das bekannte Bild
Schmuck bleibt wertmäßig stark, Uhren zeigen die stabilere Entwicklung
Die Außenhandelszahlen der deutschen Schmuck- und Uhrenindustrie bleiben auch im Juli 2026 auf hohem Niveau – und zugleich erklärungsbedürftig. Bereits im ersten Quartal hatte INSIGHT-LUXURY auf außergewöhnlich hohe Schmuckwerte hingewiesen und diese ausdrücklich nicht als einfachen Nachfrageboom interpretiert. Im Mai folgte ein deutlicher Rücksetzer, im Juni wiederum ein kräftiger Anstieg. Die Juli-Zahlen des Bundesverbands Schmuck, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien setzen dieses uneinheitliche Bild fort.
Wichtig bleibt dabei dieselbe Einschränkung wie in den Vormonaten: Es handelt sich um Import- und Exportwerte, nicht um Stückzahlen, Verbraucherpreise oder Umsätze einzelner Unternehmen. Gerade im Schmuckbereich wirken hohe Edelmetallpreise, Warenwerte und internationale Handelsströme erheblich auf die Statistik. Der BVSU weist zudem darauf hin, dass die Zahlen vom Statistischen Bundesamt nachträglich korrigiert werden können.
Schmuckexporte: unter Juni, aber deutlich über Vorjahr
Die deutschen Schmuckexporte beliefen sich im Juli auf 616,1 Millionen Euro. Damit lagen sie 25,7 Prozent unter dem außergewöhnlich starken Juni, aber noch 11,0 Prozent über Juli 2025.
Der Monatsvergleich zeigt erneut, wie volatil die Entwicklung 2026 ist. Nach Exportwerten von 873,3 Millionen Euro im Januar, 803,8 Millionen Euro im März und 795,9 Millionen Euro im April fiel der Wert im Mai deutlich zurück, stieg im Juni auf 774,3 Millionen Euro und ging nun wieder auf 616,1 Millionen Euro zurück.
Gerade deshalb sollte der Rückgang gegenüber Juni nicht als abrupter Nachfrageeinbruch gelesen werden. Schon die bisherigen Monate haben gezeigt, dass die wertmäßige Statistik im Schmuckbereich stark schwankt und nicht unmittelbar auf reale Absatzmengen schließen lässt. Im Vergleich zum Vorjahr bleibt das Niveau dennoch hoch: Von Januar bis Juli summieren sich die Schmuckexporte 2026 auf rund 5,23 Milliarden Euro, gegenüber rund 3,98 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum 2025. Das entspricht wertmäßig einem Plus von knapp 32 Prozent.
Damit bestätigt sich die bisherige Entwicklung: Die Exportwerte sind außergewöhnlich hoch, ohne dass sich daraus ein entsprechendes Mengenwachstum ableiten lässt. Vielmehr spricht inzwischen immer mehr dafür, dass die Entwicklung wesentlich durch höhere Materialwerte und Preise geprägt wird.

Schmuckimporte normalisieren sich
Auf der Importseite zeigt sich ein anderes Bild. Die Schmuckimporte lagen im Juli bei 505,3 Millionen Euro und damit 2,4 Prozent unter Juni sowie 2,3 Prozent unter dem Vorjahresmonat.
Das ist bemerkenswert, weil die ersten Monate des Jahres teilweise deutlich höhere Werte gezeigt hatten. Im März wurden noch 809,7 Millionen Euro erreicht, im April 734,9 Millionen Euro und im Mai 750,7 Millionen Euro. Im Juni fiel der Wert bereits auf 517,6 Millionen Euro zurück.
Damit deutet sich zumindest auf der Importseite eine Beruhigung nach den extremen Ausschlägen des Frühjahrs an. Kumuliert bleiben die Schmuckimporte allerdings deutlich über Vorjahr: Von Januar bis Juli summieren sie sich auf rund 4,60 Milliarden Euro, nach rund 3,74 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum 2025 – ein Plus von knapp 23 Prozent.

Uhrenexporte: robuster als Schmuck
Bei Uhren, Großuhren und Teilen fällt die Entwicklung weiterhin deutlich ruhiger aus. Die Exporte erreichten im Juli 193,7 Millionen Euro. Gegenüber Juni entspricht das einem Rückgang von 3,4 Prozent, gegenüber Juli 2025 jedoch einem Plus von 7,6 Prozent.
Nach dem starken Juni mit 200,3 Millionen Euro bleibt damit auch der Juli auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Von Januar bis Juli summieren sich die Uhrenexporte auf rund 1,18 Milliarden Euro, nach rund 1,12 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Plus von rund 5,5 Prozent.
Damit bestätigt sich die bereits im Frühjahr erkennbare Tendenz: Die Uhrenindustrie entwickelt sich stabiler als der Schmuckbereich und ist deutlich weniger unmittelbar von den Schwankungen der Edelmetallpreise beeinflusst. Gleichzeitig bleibt das Wachstum moderat.

Uhrenimporte ziehen weiter an
Deutlicher ist die Entwicklung bei den Importen. Im Juli wurden Uhren, Großuhren und Teile im Wert von 268,9 Millionen Euro nach Deutschland eingeführt. Das sind 1,5 Prozent mehr als im Juni und 14,1 Prozent mehr als im Juli 2025.
Damit setzt sich die bereits im ersten Halbjahr sichtbare Entwicklung fort. Die Importwerte lagen im Juni mit 264,9 Millionen Euro ebenfalls deutlich über dem Vorjahr. Kumuliert erreichen die Uhrenimporte von Januar bis Juli rund 1,62 Milliarden Euro, gegenüber 1,45 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum 2025. Das entspricht einem Plus von etwa 11,4 Prozent.
Deutschland bleibt damit bei Uhren und Uhrenteilen klar importstärker als exportstark. Zugleich bestätigt sich, dass die Einfuhren bislang dynamischer wachsen als die Ausfuhren.

Was der Juli zeigt
Die Juli-Zahlen verändern das bisherige Bild nicht grundsätzlich, sie schärfen es vielmehr. Im Schmuckbereich bleiben die Werte hoch, die monatlichen Ausschläge groß und die Aussagekraft für die tatsächliche Nachfrage begrenzt. Nach sieben Monaten spricht inzwischen vieles dafür, dass der außergewöhnliche Anstieg vor allem durch Preis- und Materialwerte geprägt wird und deutlich weniger durch ein entsprechendes Mengenwachstum.
Bei Uhren ist die Entwicklung ruhiger und besser lesbar. Die Exporte wachsen moderat, während die Importe deutlicher zulegen. Schmuck und Uhren müssen deshalb weiterhin unterschiedlich betrachtet werden: hier ein stark wertgetriebener Außenhandel, dort eine stabilere, aber ebenfalls nicht spektakuläre Entwicklung.
Quelle, Bilder und Statistiken: BVSU






